Eigentlich ist die Geschichte schnell erzählt. Vor ca. 2200 Jahren erbrachte Eratosthenes von Kyrene den mathematischen Beweis für die Kugelgestalt der #erde und berechnete nebenbei auch den Erdumfang. Und Ferdinand Magellan erbrachte durch die erste Weltumsegelung dann auch den praktischen Beweis der Kugelgestalt der Erde.

Damit wäre die Geschichte der „Flachen Erde“ auch schon zu ende, wenn da nicht 1881 der englische Schriftsteller und Erfinder Samuel Rowbotham auf die Idee gekommen wäre, das Modell der flachen Erde wieder aus der Mottenkiste zu holen. Da ihm bewusst war, dass die Existenz unterschiedlicher Zeitzonen sowie die Möglichkeit die Erde zu umsegeln nicht mehr abgestritten werden kann, dachte er sich ein neues Konzept aus. Eine Erdscheibe mit dem Nordpol im Zentrum, dem Äquator als Kreis darum herum und die Antarktis als äußeren Rand. Sonne und Mond bewegen sich darüber in einer Kreisbahn. Laut Rowbotham in einer Höhe von ca. 4000 Kilometern.

Renaissance der Scheibe

Seine These wurde bis Anfang des 20 Jahrhunderts heftig diskutiert, geriet dann aber wieder in Vergessenheit. Seit etwa 2014 sind seine Ideen allerdings wieder zurückgekehrt und werden seitdem in diversen Internetforen sowie auf Youtube kontrovers diskutiert. Es gibt dazu etliche Videos mit Titeln wie „200 Beweise dass die Erde keine rotierende Kugel ist“, bei dem man sich ernsthaft fragt, ob es wirklich ernst gemeint oder nicht doch eher Satire ist. Denn jeder einzelne dieser „Beweise“ ist dermaßen hanebüchen, dass man es sich nicht ernsthaft vorstellen kann, dass die Macher dieses Videos es tatsächlich ernst meinten.

Aber dennoch sind die Anhänger der #flatearth-Hypothese keineswegs dumm. Man merkt bei #Diskussionen mit ihnen, dass sie auf nahezu jedes Argument gegen die Flache Erde ein fantasievoll durchdachtes Gegenargument parat haben. Es sind zudem auch überwiegend sehr freundliche Menschen, mit denen man angenehm entspannt diskutieren kann. Zudem geben sie nicht allzu schnell auf und sind auch nicht von ihrer Überzeugung abzubringen. Diskussionen mit ihnen können sich daher teilweise einige Stunden oder Tage in Anspruch nehmen.

Ultimativ bestes Argument gegen die Flache Erde

Aber auch diese Argumente greifen leider nicht bei allen Flatearthlern, da sie ein komplexes Vorstellungsvermögen erfordern. Zudem halten sie alles was von der NASA kommt für erlogen. Es gibt aber ein Argument, für das bisher noch keiner eine Ausrede finden konnte: Sonnenuntergänge. Jeder von uns hat mindestens schon einmal im Leben einen Sonnenuntergang gesehen. Die Sonne verschwindet erst halb und dann vollständig hinter dem Horizont. Was nicht mit der Vorstellung einer über eine Erdscheibe rotierenden Sonne in Einklang gebracht werden kann.

Samuel Rowbotham hat sich aus diesem Grund eine alternative Vorstellung von Perspektive ausgedacht. Es gibt dazu Zeichnungen in denen vorgetäuscht wird, dass selbst auf einer geraden Fläche Objekte in weiterer Entfernung hinter dem Horizont verschwinden würden. Seine Perspektive basiert aber auf einem simplen Trick. Er hat einfach die Bodenlinie über den Fluchtpunt gezogen, anstatt ihn am Fluchtpunkt enden zu lassen. Diese Argumentation hat sich bisher in sämtlichen Diskussionen als sehr nützlich erwiesen. Da sie bei diesem Argument relativ schnell aufgeben. Vor allem die Tatsache, dass Samuel Rowbothams Perspektive auf einem dermaßen simplen Trick basiert, irritiert viele von ihnen sehr.

Allerdings scheint die Kontroverse über die Hypothese der Flachen Erde ohnehin schon wieder am Abklingen zu sein. Bei vielen Flatearth-Videos ist die Bewertungs- und Kommentarfunktion von den jeweiligen Kanalbetreibern gesperrt. Zudem versuchen sie zunehmend Diskussionen aus dem Wege zu gehen. So wie es aussieht scheint das Thema „Flache Erde“ somit genauso schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden wie es gekommen ist.