Der Film der #BBC über die russischen #Fußball-Fans entblößte einmal mehr (es gibt dazu nicht nur einige Dutzende, sondern Hunderte von Beispielen) die seltsame, umgekehrte Situation, in der die Welt heute lebt. Die Macher des Films „Die Armee der russischen Hooligans“ stellte die Fans als Wilde, als Aggressoren dar.

In dieser Welt arbeiten RT, Sputnik und auch der erste Kanal von „#Russland 24“ ganz ähnlich wie die BBC, „Voice of America“ und Radio „Liberty“ einst auf dem Höhepunkt ihres Einflusses. Die Russen hätten da nichts Neues erfunden.

Propaganda wie im kalten Krieg?

Sie besäßen die gleichen klassischen Standards für die Bildung ihrer redaktionellen Politik und der ideologischen Programmierung des verehrten Publikums.

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Ergänzt durch die modernen Technologien und sozialen Netzwerke. Die bekannte Bondsche Rezeptur: Gerührt, doch nicht geschüttelt – et voila. Eine aggressive und supereffektive, nach Ansicht von US-Kongressabgeordneten ist die russische Propaganda der Version 2.0 somit fertig. Umgekehrt dagegen erinnert die BBC immer mehr an das Programm “Vremja“ („Die Zeit“) aus dem Jahre 1983. In welch traurige Erbärmlichkeit inzwischen die „Voice of America“ und „Radio Liberty“ rutschten, muss man gar nicht mehr betonen. Noch schlimmer: die übersetzten Artikel von CNN und der „The New York Times“ fließen im russischen Segment des weltweiten Internets immer häufiger in die Kategorie von Witzen ein.

Andererseits ist es falsch, die Schuld auf alle Medien und die Journalisten, die für sie arbeiten zu schieben.

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Trotz der Illusion, dass in den letzten paar Jahrzehnten die Medien eine Wahrheits-Brille vor die Augen der Menschheit gesetzt, in die sie jedes gewünschte Bild gesendet und bekommen hätten, damit ein treffliches Werkzeug für alle beabsichtigten Manipulationen, beweisen die jüngsten Ereignisse jedoch, dass alles viel, viel komplizierter ist.

Die Mehrheit der Menschheit lebt nämlich noch immer in dieser hässlich blöden Realität und die absolute Mehrheit nimmt diese Realität angemessen als Handlungsgrundlage wahr.

Und der Westen bekam gerade mit dieser Realität ein sehr ernstes Problem.

Russland - ein ganz normales Land

Es war sehr leicht, ideologisch und propagandistisch im Wettbewerb mit der UdSSR zu konkurrieren, als die Sowjetunion noch diesen Konsumgütermangel hatte und die öffentlichen Toiletten einfach nur gruselig waren. Vor diesem Hintergrund des täglichen Lebens, der wie ein Kampf ums Überleben aussah, konnten sich die russischen Bürger bereits ab den 1980er Jahren nicht mehr über die Errungenschaften der Raumfahrt und am Status einer globalen Supermacht erfreuen.

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Eine ganz andere Sache war es, als sich Russland alle formalen Merkmale eines „normalen“ Landes erwarb.

Jeans, „McDonalds“ und in fast jedem Haushalt eine Waschmaschine? Dabei ist es bereits seit zwanzig Jahre nicht mehr seriös, darüber zu sprechen.

Die Straßen? Eigentlich gibt es in der Regel in Russland normale Straßen. Man könnte sogar sagen, die Russen haben ganz gute Straßen. Zwar noch nicht überall, aber dieser Straßenbau-Prozess läuft, und läuft und läuft. Und zwar so intensiv und allgegenwärtig, dass der uralte russische Witz über „Die Dummköpfe und die Straßen“ (Die Russen haben nur zwei Feinde: Die Dummköpfe und die Straßen) sich in den letzten Jahren nahezu unmerklich aus der täglichen Kommunikation der Russen verabschiedet hat.

„Unter den Schlägen des Fortschritts fiel das letzte Bollwerk des sowjetischen Terrors, die „Sberbank“ und verwandelte sich in eine sehr komfortable Institution für ihre Kunden. Den gleichen Weg geht die „Post Russlands“.

Die Renten sind klein? Das ist die reine Wahrheit. Rentner haben es in Russland nicht leicht.

Doch die Bekanntschaft mit den westlichen Realitäten zeigt, dass auch dort nicht alles so glatt wie gewünscht geht.

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