Herbst letzten Jahres führte #Instagram eine Art „Notfall-Button für Suizidgefährdete“ ein. So ermöglicht es die Plattform Nutzern, die Bilder depressiven und selbstmordverherrlichenden Inhalts posten, anonym zu melden. Diese Nutzer erhalten dann eine Nachricht von Instagram mit dem Hinweis, dass sich andere um sie sorgen und sie bitte den Hilfebereich besuchen. Dort erhalten sie Tipps mit ihrer Depression umzugehen oder Links und Telefonnummern der Seelsorge. In diesen Hilfebereich gelangt man auch, wenn man spezielle Hashtags, wie beispielsweise die oben genannten, sucht. Es erscheint ein Pop-up-Fenster mit folgendem Inhalt:

„Können wir helfen? Beiträge mit Worten oder Markierungen, nach denen du suchst, können oft Verhaltensweisen fördern, die Schaden anrichten oder gar zum Tod führen können. Falls du gerade schwere Zeiten durchmachst, würden wir dir gerne helfen.“

Dem Nutzer stehen nun drei Optionen zur Verfügung: 1.Er bricht den Suchvorgang ab, 2. Er gelangt in den Hilfebereich und darf sich von Doktor Instagram mithilfe von zwei Seiten Fließtext beraten lassen oder er wählt Option 3: „Beiträge dennoch anzeigen“. Obwohl Instagram die Problematik durchaus erkannt hat, lässt das Soziale Netzwerk die millionenfache Darstellung von Bildern zu, die ganz offensichtlich Trigger-Potenzial vorweisen.

Mit „Trigger“ ist dabei ein Auslöseimpuls gemeint, der bei Betroffenen schlagartige Gefühlserlebnisse aus vergangenen Ereignissen hervorruft. Der Hintergrund liegt dabei meist in seelischen oder körperlichen Verletzungen, die nie vollkommen verarbeitet werden konnten. Dabei kann der Trigger in einem bestimmten Geräusch, einem Geruch, einer Geste oder einer Farbe liegen. So geraten beispielswiese oftmals Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Afghanistan oder dem Irak in Panik, sobald sie einen lauten Knall hören. Der stellt in diesem Fall den Trigger dar und sorgt dafür, dass die Betroffenen sich an die verstörenden Kriegsszenen zurückerinnern. Die Person erlebt ihr Trauma noch einmal nach, inklusive der dabei empfundenen, meist negativen Gefühle.

10 Millionen Beiträge unter #depression

Nun erscheint es leicht verständlich, wie folgenreich ein einziges Bild auf gefährdete Jugendliche wirken kann. Das Problem liegt darin, dass viele Betroffene in ihrer Community die einzige Möglichkeit nach Anerkennung und Vertrauen sehen. Über ihre Bilder können sie sich mit anderen identifizieren, fühlen sich verstanden. So teilen sie Fotos miteinander und tauschen sich über die effektivsten Methoden der Selbstverletzung aus. Es wirken stetig Trigger auf sie ein, die wahrscheinlich stimulierend auf die ohnehin sensible Seele wirken und Betroffene in immer tiefere Schichten ihrer #Depression befördern.

Instagram fördert depressives Verhalten

Viele Profile augenscheinlich selbstmordgefährdeter, junger Mädchen enthalten in ihrer Beschreibung eine „Trigger-Warnung“. Daneben findet man meist noch Angaben zum Alter, der Anzahl und Dauer der Krankenhausaufenthalte, der Diagnosen und den „clean days“, das heißt der Anzahl der Tage, die seit dem letzten Selbstverletzungsakt vergangen sind. Oft vermerken Betroffene in ihrem Profil: „Nicht melden! Blockieren!“. Sie sind genervt von Instagrams Sorge-Benachrichtigungen und möchten ungestört über ihre Probleme berichten. Damit verfehlt Instagrams Hilfebereich für Suizidgefährdete ganz offensichtlich seine Wirkung, schließlich stößt er bei der Community meist auf taube Ohren. Hashtags wie #selfharm sind zwar längst gesperrt, werden aber von den Nutzern über veränderte Schreibweisen umgangen.

Einer selbstmordgefährdeten Person muss aufgezeigt werden, dass sie mit professioneller Hilfe behandelt werden kann und es einen Weg aus der Depression gibt. Instagram bietet eine Plattform, die genau das Gegenteil bewirkt. Gefährdete verherrlichen und glorifizieren psychische Probleme und suizidales Verhalten und flüchten sich über Instagram aus der Realität. Der "Notfall-Button" ist zwar ein Anfang, doch längst nicht die Lösung des Problems. #Suizid