Es ist offensichtlich, dass in diesem Land etwas nicht stimmt. Die letzten Tage zeigen es mir ganz deutlich. Ich wohne in Bremerhaven und sehe die Benachteiligung jeden Tag aufs Neue.

Hannes (81 Jahre) lebt mit seinem kleinen Hund in einer 25 Quadratmeter großen Einraumwohnung. Bis vor zwei Jahren hatte er noch sein eigenes Haus. Hannes hat sein Leben lang gearbeitet und ist bis zur #Rente zur See gefahren. Er bekommt aber nur eine kleine Rente, mit der er selten über den Monat kommt. Er ist auf „Die Tafel“ angewiesen, sodass er den ganzen Monat etwas zu essen hat. Mich hat genauer interessiert, wie es so weit gekommen ist und ich führte ein Interview mit ihm.

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Ich: „Sie Wohnen jetzt seit zwei Jahren hier, wie ist das für Sie?“

Hannes: „Es ist sehr schwer für mich, so beengt zu leben.“

Ich: „Was meinen Sie genau damit?“

Hannes: „Ich habe in meinem Haus über 150 Quadratmeter gehabt und einen großen Garten, wo mein Hund immer spielen konnte, wenn er es wollte. Ich hatte eine große Küche, ein großes Wohnzimmer, ein großes Bad. Jetzt habe ich nichts mehr.“

Ich: „Die Wohnung hier ist aber schön gelegen und im Erdgeschoss.“

Hannes: „Ja, das schon. Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, nur um dann hier wie eingesperrt zu enden.“

Ich: „Wie meinen Sie das, ´eingesperrt´?“

Hannes: „Ich habe nichts außer meine kleine Rente.“

Ich: „Aber Sie haben doch das Geld vom Hausverkauf.“

Hannes: „Ich hatte Geld vom Hausverkauf. Nachdem ich die offenen Rechnungen von Strom, Wasser, Kanal, Steuern, Versicherungen usw.

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gezahlt hatte, die sich über Jahre angesammelt hatten, ist nicht mehr viel übrig geblieben von dem Geld. Und immer wieder kommt der Magistrat der Stadt Bremerhaven und möchte noch irgendetwas gezahlt haben. Ich habe längst keine Übersicht mehr, ob ich nicht manche Sachen dreifach gezahlt habe. Nachdem ich das Hausgeld hatte, kamen Rechnungen von überall her, bis kaum noch was da war. Ich kann einfach nicht mehr, ich habe Jahrzehnte lang das Haus abbezahlt und gespart und jetzt ist alles weg. Ich konnte mir nicht mal einen Urlaub oder so leisten.“

Ich: „Glauben Sie wirklich, dass öffentliche Stellen Sie betrogen haben?“

Hannes: „Ich kann es Ihnen nicht genau sagen, ich habe keinen Überblick mehr. Ich weiß nur, dass 35.000 € komplett weg sind, verloren ist verloren und kommt nicht mehr zurück. Ich musste jetzt sogar ein P-Konto machen, weil man mir sogar die Rente pfänden wollte. Und ich muss jede Woche bei Der Tafel anstehen, dass ich genug zu essen habe, denn meine Rente langt maximal bis zum 10.

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des Monats, dann müsste ich hungern. Ich lebe in Armut.

Ich: „Hat die Politik daran Schuld?“

Hannes: „Ich habe mein Leben lang die Sozialdemokraten gewählt. Dass es mir heute finanziell so schlecht geht, hat einen großen Vertrauensbruch verursacht. Früher standen die mal für soziale Gerechtigkeit. Ich erfahre ja am eigenen Leib, wo mich das hin gebracht hat.“

Ich: „Gibt es noch mehr, das Sie an der heutigen Politik stört?“

Hannes: „Wo soll ich da nur anfangen? Mich stört so vieles. Angefangen hat es damals, als Schröder anfing mit der Agenda 2010 und Hartz 4. Er propagierte, dass alle den Gürtel enger schnallen müssen und getroffen hat er nur den kleinen Mann. Die heutigen Politiker bringen während ihrer Amtszeit alle nur ihre Schafe ins Trockene, um danach wie die Made im Scheißspott zu Leben. Ich möchte in der heutigen Zeit kein Politiker sein müssen. In einer Zeit wo selbst die CDU eine linksliberale Politik betreibt, fehlen die Auswahlmöglichkeiten. Ich kann nur noch wählen zwischen Pest und Cholera. Wenn sich die Jugend nicht erhebt, wird das so bleiben und es wird sich nichts mehr verändern, außer das einem immer mehr Freiheiten genommen werden." #Altersarmut #SozialeGerechtigkeit