Herrn Erdogans Vorwurf des Faschismus uns gegenüber ist wirklich an den Haaren herbeigezogen, obwohl, wenn man genauer hinschaut, eine gewisse Doppelmoral erkennbar wird.

Um von sich selbst und seinen Machenschaften abzulenken, war es schon immer eine beliebte Methode von Despoten, andere dessen zu beschuldigen oder anzuklagen, was man im Begriff ist, selbst zutun. Hierfür sind die deutschen Nationalsozialisten ein gutes Beispiel. Sie haben es bestens verstanden, sich als Opfer zu inszenieren, um eine Politik zu betreiben, die ausschließlich andere zu Opfern gemacht hat. Heute weiß man, dass der Erste Weltkrieg seinen Beginn eben nicht in der Verteidigung gegen Polen seinen Ursprung hatte, wie Hitler die Menschen glauben machen wollte, sondern dass genau das Gegenteil der Fall war.

Werbung
Werbung

Man hat Polen dessen beschuldigt, was man selbst getan hatte: es angegriffen.

Es geht nicht darum, jetzt Herrn Erdogan die uns gemachten Vorwürfen entgegenzuschleudern, aber das, was sich in der Türkei seit einiger Zeit abspielt, ist wirklich sehr bedenkenswert und reiht sich ein in eine weltweite Entwicklung, die nach rechts rückt und die es aufzuhalten gilt. Auf der anderen Seite ist diese Entwicklung in der westlichen Welt tatsächlich meist immer auch muslimfeindlich und somit ideales Fahrwasser für Vorwürfe wie sie Herr Erdogan erhebt. Allerdings dürfte er gut zu unterscheiden wissen, was Bundespolitik und was rechte Propaganda von Minderheiten ist und entlarvt sich, wie in den Medien festgestellt, selbst der Propaganda für seinen eigenen Wahlkampf.

Aber warum sind wir mit unserer Haltung nicht wirklich glaubwürdig?

Was uns bei der ganzen Sache am meisten schmerzt, ist die Möglichkeit der Wiedereinführung der Todesstrafe, sollte Erdogan das Referendum gewinnen.

Werbung

Wir sind schockiert, begegnet uns Gewalt so offensichtlich, machen uns weniger Gedanken, findet sie unbemerkt und indirekt statt. Deshalb scheint es oft unehrlich, wenn man Politik konsequent bis zum Ende denkt und man fragt sich, ob es Unkenntnis oder wirtschaftlicher Einfluss ist, wenn sich die meisten Politiker einerseits zwar sehr betroffen zeigen, wenn es um genau dieses Thema geht und es entschieden ablehnen, anderseits aber selbst eine Politik betreiben, die es erlaubt, genau dies, wenn auch auf eine andere Weise, geschehen lässt. Denn, indem wir Handelsabkommen mit Ländern abschließen, die dazu beitragen, dass die die dortige Wirtschaft am Boden bleibt, indem wir diese Länder mit subventionierten (Billig)Produkten überschwemmen, sodass die dortigen Produzenten im Preiskampf nicht bestehen und so perspektivisch nur schwer eigene Industrien entstehen können, indem wir es gesetzlich erlauben, dass mit Lebensmitteln spekuliert werden darf, damit einige Menschen Gewinne einfahren können, sie aber so für manche unbezahlbar werden, indem wir Waffen exportieren, die, wie wir wissen, oft nicht nur zur Verteidigung dienen - auch in die viel kritisierte Türkei - führen wir die Todesstrafe täglich ein! Politik und Gesellschaft sollten sich diesem Widerspruch stellen, bevor Deutschland die oft propagierte Verantwortung in der Welt übernehmen kann.

Werbung

Wirtschaftliche Interessen dürfen dabei nicht über die anderer Menschen und Völker gestellt werden. Die Aufgabe der Medien ist es, immer wieder darauf hinzuweisen, da diese Zusammenhänge von Politikern an der notwendigen Stelle meist nicht genannt werden. #USA