Ich bin gläubig, vielleicht sogar fromm und ich wundere mich. Lange habe ich in den Staaten gelebt, in jenem Südosten, den man den Bibelgürtel nennt. Der christliche #Glaube an #Gott ist dort ein Teil des Alltags, ein ganz normaler Teil. Man geht nicht nur sonntags in die #Kirche, man wendet sich in allen Lebenslagen an seinen Pastor, Reverend, Deacon, Elder und man lässt sich auch als Prediger einspannen. Man singt im Chor und finanziert die Kirche seiner Wahl direkt mit Geld oder Arbeit, oft auch mit beidem. Ja, der Glaube ist meist konservativ, manchmal auch sehr konservativ. Keineswegs ist der Bibelgürtel aber frei von Toleranz und Gelassenheit.

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Auch freiheitliche Kirchengemeinden gibt es und sie werden genauso respektiert wie jene frommeren, zu der wir gehört haben.

In Deutschland nie in der Kirche

In der Heimat, in Deutschland, war ich nie in der Kirche. Das Thema Religion war mir fremd. Ich lief an Kirchen unachtsam vorbei und machte mir über das Große und Ganze keine großen Gedanken. Durch meinen Mann bin ich dann zum Glauben gekommen, anfangs mehr passiv, später als vollaktives Mitglied unserer Gemeinde. Meine Welt wurde dadurch nicht enger, sondern weiter. Ich gewann eine Gelassenheit, die mir vorher fremd war. Ich fühlte mich zunehmend warm und geborgen.

Zurück im Kalten

Es war ein entsprechend harter Bruch, als wir nach Deutschland zogen. Deutschland ist zu einem im Kern gottlosen Land geworden. Nicht atheistisch, sondern gottlos.

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Wer wahrer Atheist ist, hat sich wenigstens um Gott und die Welt Gedanken gemacht. Die Mehrheit, die ich erlebe ist einfach gedankenlos, irgendwie esoterisch, religionsähnlich naturgläubig und eben im Kern gottlos. Das empfinde ich als bedrückend, denn ich empfinde diese Haltung als eine gähnende dunkle und kalte Leere. Ich finde das schade und hoffe, dass wenigstens ein Funken der Wärme, die ich aus den Staaten kenne, eines Tages auch wieder in Deutschland zu finden sein wird. Mich wundert auch, dass meine Mitmenschen ohne die Wärme Gottes zufrieden leben können. Es ist mir ein Rätsel.