(StS/NYC) Wer meint beim Duell Trump gegen Clinton habe er schon alles erlebt, wurde heute in Frankreich eines Besseren belehrt: Mit jeweils rund 23% der Wählerstimmen ziehen in Frankreich #Marine Le Pen und #Emmanuel Macron in vierzehn Tagen in die Stichwahl zum Erringen eines der wichtigsten Ämter der Welt. Um es klar zu sagen: selbst Hillary Clinton und Donald Trump lagen politisch näher beieinander als die beiden Sieger der ersten Runde der französischen Wahlen. Wenn das Wort einer "Schicksalswahl" jemals ohne Pathos zutraf, dann für die kommende Stichwahl in Gallien.

Auf der einen Seite ein unfassbar smarter neunundreißigjähriger Ex-#Rothschild-Banker ohne Partei, dafür mit einer pathologischen Liebe zur Europäischen Union, zur Globalisierung, zum Kapital, zur Großindustrie, zur Einwanderung und zu seiner vierundsechzig Jahre alten Französischlehrerin, die er quasi von der Schulbank weg geheiratet hat.

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Wobei Letzteres noch das Normalste an ihm ist. Auf der anderen Seite ein weiblicher Vulkan mit Störungen der Impulskontrolle namens Marine Le Pen; eine menschlich ungeheuer sympathische Neofaschistin, die Frankreich allerdings aus der EU, dem Euro und der NATO führen würde, also ins politische Nirvana. Krasser könnten die Unterschiede nicht sein.

Die meinen das ernst!

Denn beide Kandidaten spucken nicht nur Töne. Beide meinen das wirklich ernst. Und wie man es dreht und wendet, einer der beiden Radikalinskis wird in vierzehn Tagen Staatspräsident der zweitwichtigsten Nation in der Europäischen Union. Denn was die Anhänger des Emmanuel Macron gerne ausblenden ist, dass auch er ein Extremist ist. Extrem pro EU, extrem pro NATO, extrem pro Kapital, extrem pro Eliten, extrem Rothschild. Er hat niemals ernsthaft offengelegt, wer seine wahren Unterstützer sind und woher sein Geld kommt.

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Das Märchen von der Graswurzelbewegung "En Marche!" kann sexy Emmanuel seiner alternden Gattin abends im Ehebett erzählen. Wer bis drei zählen kann, der weiss dass dieser Mann Hintermänner mit einer Agenda hat.

Denn wenn dieses dumme Geplapper von einer Graswurzelbewegung stimmen würde, träte auch ich zu den nächsten Wahlen an. Ernsthaft, ich hätte Lust darauf. Bloß arbeite ich eben weder für Rothschild noch für Soros oder einen anderen der vielen Strippenzieher. Diese ganze Macron-Geschichte von einer spontanen Bewegung ist so authentisch wie die Plastikblumen meiner Großmutter. Sie wird in ihrer Schwachsinnigkeit nur durch das Lausbubenlächeln des bezaubernden Emmanuel überstrahlt. Denn keiner lächelt so erotisch wie Emmanuel. Wer denkt da noch an einen Soros oder Rothschild?

Und es macht bumm!

Bei der guten Marine Le Pen weiß man dagegen sehr genau, woran man ist. Glühende Nationalistin, zurück in die Sechziger, weg mit der EU, Schmusekurs mit Vladimir im Kreml und auch mit Donald in Washington.

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Der Euro wäre tot, die EU Geschichte, sie würde das machen, was sie im Wahlkampf wieder und wieder gesagt hat: "Frankreich in Ordnung bringen". Vorwärts in die Vergangenheit, reaktionär bis in die blondierten Haarspitzen. Doch auch Le Pen hat gute Argumente auf ihrer Seite. Und wer behauptet, sie sei irrationaler unterwegs als Emmanuel Macron, der hat nichts verstanden.

Beide sind Radikale!

Mit Emmanuel Macron und Marin Le Pen stehen zwei durch und durch radikale Politiker im Endspiel. Beide knüppelhart, beide menschlich extrem gewinnend auf ihre jeweils eigene Weise, beide mit der vibrierenden Absicht keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Frankreich, soviel ist sicher, wird in fünf Jahren nicht mehr das Land sein, das wir heute kennen.

Der Sieg ist offen!

Und nein, das Rennen ist noch keineswegs gelaufen. Auch wenn viele europäische Medien meinen, Marine Le Pen werde es wie ihrem Vater 2002 ergehen, der auch in die Stichwahl kam und gegen Jacques Chirac kläglich abschmierte. Doch wir schreiben inzwischen 2017, Frankreich ist im Ausnahmezustand aufgrund anhaltenden Terrors und viele der Warnungen des alten Le Pen haben sich leider bewahrheitet. Zudem ist sexy hexy Emmanuel nicht der staatstragende Jacques Chirac von damals, der mit Klasse und ruhiger Hand sanft mitte-rechts regiert hat. Nein, Macron ist nicht Chirac und Marine ist nicht ihr Vater. Das Rennen ist offen und es ist atemberaubend. Warum die deutschen Medien heute jubeln, ist einem neutralen Beobachter daher ein Rätsel. Aber mit besonders großem Sachverstand ist die deutsche Journaille ohnehin nicht mehr gesegnet. Doch das ist ein anderes Thema.