Die SPD dürfte in den letzten Tagen vor der NRW-Wahl ein unangenehmes Bauchgrummeln gehabt haben, aber dass das Ergebnis so deutlich ausfällt, das müsste die Partei um die amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wirklich überrascht haben. In der letzten Landtagswahl vor der Bundestagswahl wurde in der traditionellen SPD-Hochburg #NRW ganz klar gegen die Rot-Grüne-Regierung gestimmt. Hoch anständig war die umgehende Reaktion von Kraft, die noch am Wahlabend die volle Verantwortung für das Wahlergebnis übernahm und ihre Parteiämter niederlegte. Wie Kraft erklärte, habe sie selbst, den Kanzlerkandidaten der SPD Martin Schulz gebeten die Bundespolitik nicht in den Vordergrund zu rücken.

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Die Ministerpräsidentin wollte in ihrem Bundesland mit Landespolitik punkten und das ist ihr so richtig heftig um die Ohren geflogen.

Bosbach: Glaubwürdig und freimütig

Die eigentlich so volksnahe Hannelore Kraft hätte mal inkognito abends in ihrem Bundesland alleine auf die Straße gehen sollen, dann hätte sie gewusst, warum sich viele Menschen einfach nicht mehr wohl fühlen. Wolfgang #Bosbach hatte es zum Thema Kölner Silvesternacht ganz klar auf den Punkt gebracht: "In München wäre der Spuk nach 10 Minuten vorbei gewesen." In NRW sei die Gefahr Opfer einer Straftat zu werden 70 Prozent höher als in Bayern. In Köln sogar 100 Prozent höher als in München.

Brennpunkt Köln: Eldorado der Straftäter

Wer vor der Kölner Silvesternacht mal nachts auf der Partymeile auf den Kölner Ringen unterwegs war, weiß, was Bosbach meint.

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Die sogenannten Antänzer, die nachts die Bürger ausrauben, konnten im Grunde völlig frei agieren. Zurzeit gehen in NRW zwar sogar die Einbruchszahlen zurück, aber um welchen Preis? In einer Verhandlungspause wandte sich jetzt ein Polizeibeamter an die Bergisch Gladbacher Richterin Birgit Brandes: "Wir schieben seit Silvester 150.000 Überstunden vor uns her. Manche Kollegen kommen nur noch zum Wechseln der Wäsche nach Hause." Die geplanten Neueinstellungen seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Er ist der, der immer den Mund aufmacht

Wolfgang Bosbach ist an Krebs erkrankt, hatte deshalb erklärt, für kein politisches Amt zur Verfügung stehen. Doch Armin #Laschet hatte an seine Ehre appelliert, nun will Bosbach mit einer Expertenkommission ein Konzept für eine Verbesserung der Sicherheit in NRW erarbeiten. Aber warum ist Bosbach, der in seinem Wahlkreis von den Wählern liebevoll "Wobo" genannt wird, so vertrauenswürdig? Weil Bosbach immer zu seiner Meinung gestanden hat und sich nicht der Parteiräson fügte, wenn es sich nicht mit seiner Überzeugung vereinbaren ließ.

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Zum Beispiel stimmte er schon gegen die erste Griechenlandhilfe und handelte sich mal so richtig Ärger ein. Manchmal schien es, als werde der Politiker von seinen politischen Gegnern mehr respektiert, als von seinen Parteifreunden. Ein Amt, das seinen Fähigkeiten entsprochen hätte, blieb ihm immer verwehrt.

Kommentar der Autorin Sigrid Schulz:

Ich kenne Wolfgang Bosbach durch meine Arbeit als Journalistin seit Jahrzehnten. Die Behauptung, dass sich Wolfgang Bosbach vor jede Kamera drängt, ist falsch. Richtig ist, dass Aussagen von Wolfgang Bosbach unter vielen Journalisten sehr begehrt sind, weil er den Mut hat Tacheles zu reden und sich nicht auf aalglatte, mit der Parteiführung abgestimmte Aussagen beschränkt.