Nicht jeder Autist ist ein IT-Spezialist. Unter ihnen weilen auch die kreativen Köpfe, die ihr Talent auf dem ersten Arbeitsmarkt unter Beweis stellen können.

Den meisten Grafikern, Mediengestaltern und Webdesignern bleibt am Ende nur die Selbstständigkeit. Aber auch diese birgt viele Hürden, wie z. B. der direkte Kontakt zu den Kunden, die Existenzängste und die bevorstehende Steuererklärung. Auch ein Coach steht ihnen nicht zur Verfügung, der ihnen bei wichtigen Fragen zur Seite steht.

Der Job in der Werbeagentur

Soziale Kompetenz, Interaktion und Kommunikation sind Voraussetzung, um in einer Werbeagentur arbeiten zu können.

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Genau dort stoßen Menschen im autistischen Spektrum auf große Schwierigkeiten. Der fehlende Blickkontakt und die verzögerte Sprachentwicklung führen zu Problemen in der Kommunikation. Der enorme Zeitdruck versetzt sie schnell in Panik. Anders herum sind Autisten sehr präzise. Sie achten bei der Erstellung von Werbematerialien auf die kleinsten Details. Sie sehen sofort, ob Aufbau, Farbe und Schriftbild zur Tonality passen. In einer ruhigen Umgebung entwickeln sie eine gewisse Brillianz in ihren Ideen, wie später auch in der Umsetzung.

Das Modell "Auticon" für Kreative

Der IT-Dienstleister #Auticon, gegründet im November 2011 von Dirk Müller-Remus, beschäftigt als erstes Unternehmen in Deutschland Menschen im autistischen Spektrum als IT-Consultants. Der internationale Unternehmer Kurt Schöffler leitet inzwischen die Firma.

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Bevor er die führende Postion übernahm, baute er Auticon als Investor auf. Dirk Müller-Remus steht dem Unternehmen weiterhin als Berater zur Verfügung.

Auch #Werbeagenturen können von diesem Modell profitieren. Zwar ist es nicht zwingend erforderlich, sich ausschließlich auf autistische Mitarbeiter zu konzentrieren, als Hauptaugenmerk sind sie mit ihren speziellen Ressourcen jedoch sehr geeignet. Um ihnen diese Plattform der Kreativität zu bieten, ist eine sinnvoll strukturierte Arbeitsumgebung notwendig. Zu viele Bilder, Pflanzen und andere Verschönerungen lenken den Autisten von der Arbeit ab.

Durch einen Arbeitsplatz ohne jeglichen Störfaktoren bringen sie es zu Höchstleistungen. Ein Autist sieht oft den Wald vor lauter Bäumen nicht, deswegen sollte der Smalltalk während der Projektbesprechung vermieden werden. Es ist wichtig, die Anweisungen auf den Punkt zu bringen.

Spezielle Jobbörsen und Arbeitsvermittler

"#Autismus Deutschland" ist eine Vereinigung zur Förderung von Autisten.

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Sie unterstützen die Betroffenen mitunter auch bei der Arbeitssuche. Ein guter Ansatz wären auch spezielle Jobbörsen und private Arbeitsvermittler, die sich mit dem Autismus befassen. Auch Menschen mit anderen Handicaps, wie zum Beispiel ADS oder ADHS könnten von ihnen profitieren. Die Beschränkung muss nicht allein im Autismus-Spektrum liegen.

Firmen, die Interesse an der Unterstützung dieser Menschen haben, können sich dort informieren, die Arbeitsumgebung dementsprechend anpassen und ihre verfügbaren Stellen ausschreiben lassen.

Selbstverständlich sind alle genannten Punkte nicht von heute auf morgen umzusetzen. Allerdings lohnt es sich, darüber nachzudenken, nicht nur den IT-Spezialisten eine Chance zu bieten, auf dem ersten Arbeitsmarkt mitzuwirken.