Ein trauriger Fall ging heute vor dem Kölner Landgericht zu Ende. Angeklagt wegen dem Besitz und dem Handel mit Drogen in nicht geringer Menge mit Waffenbesitz war ein 58-jähriger Mann aus Gummersbach. Seine dramatische Lebensgeschichte, die der Angeklagte und ein Gutachter schilderten, ist ein Beispiel dafür, wie rigide Drogenpolitik kranke Menschen zu Verbrechern macht: Mit 14 Jahren ging der Angeklagte weg von den gewalttätigen Eltern in eine Kochlehre, wo er von einem älteren Kollegen sexuell missbraucht wurde. Seit damals konsumierte der 58-Jährige #Cannabis und landete in einer Drückerkolonne.

Als er arbeitslos wurde begann er 1991 mit Cannabis zu handeln und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt.

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"Das ist eigentlich absurd", berichtete der Angeklagte. "Ich ging als kleiner Kiffer in den Knast und kam als Schwerstabhängiger von harten Drogen wieder raus." Kurz nach seiner Entlassung seien sein Vater und seine Großmutter gestorben, als dann auch noch seine Schwester von ihrem Ex-Partner in einem Sorgerechtsstreit erschossen worden sei, habe er sich völlig dem Heroin hingegeben. Es folgten unzählige Verurteilungen, meistens wegen dem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Cannabis: Missbrauch nach Trauma

Nach zwei Entgiftungen, einer fünfmonatigen Therapie und dem Aufenthalt über 1,5 Jahre in einer Clean-Gruppe habe er ohne Heroin leben können. Allerdings sei er dazu immer zunächst mit Polamidon und dann mit Subotex substituiert worden. Bis zu seiner Verhaftung im Februar diesen Jahres.

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In den ersten drei Wochen sei er noch an seine Medikamente gekommen, dann habe ihn die Anstaltsärztin auf kalten Entzug gesetzt. Der Angeklagte berichtete von entsetzlichem Leiden in der Zelle. "Kein Schlaf, ein Blutdruck von 180 zu 230. Ich habe Filme gefahren."

Der psychiatrische Gutachter Dr. Wolf Gerlich erklärte, dass der Angeklagte seit der Kindheit traumatisiert sei und sich versuche mit Cannabis zu sedieren. Von dem Angeklagten seien durch seinen Hang zu Drogen weitere Straftaten zur Beschaffung zu erwarten. "Ob es sich dabei um erhebliche Straftaten handeln würde, kann ich als Psychiater nicht beurteilen." Er rate zu der Unterbringung des Angeklagten im Maßregelvollzug nach Paragraf 64, also in einer geschlossenen Entzugsanstalt für suchtkranke Straftäter für rund zwei Jahre inklusive Nachbehandlung.

Das Gericht folgte dem Sachverständigen, verurteilte den Angeklagten zu fünf Jahren Haft, davon muss der 58-Jährige nach vier Monaten Untersuchungshaft noch zwei weitere Monate in der Justizvollzugsanstalt verbringen, dann soll er in die Entziehungsanstalt wechseln.

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Kommentar der Autorin:

Ich meine, dass es sich bei dem Angeklagten zunächst um ein Missbrauchsopfer und dann um ein Opfer rigoroser Drogenpolitik handelt. Heute hat der 58-Jährige durch den Heroingebrauch Hepatitis C, ihm hätte damals anders geholfen werden müssen. Der "kleine Kiffer" hätte nicht in den Knast gehört. Dann würde der 58-Jährige vielleicht heute in seinem eigenen Restaurant kochen, anstatt für ein Vermögen der Steuerzahler im Knast oder in der Forensik zu sitzen. #Justiz #Hanf