Dr. Stanislav Grof ist kein gewöhnlicher Psychotherapeut und Psychiater. Er ist leidenschaftlicher Forscher auf dem Gebiet der außergewöhnlichen Bewusstseinszustände, Medizinphilosoph und einer der Begründer der transpersonalen #Psychologie. Inhalt dieser Therapieform ist es, Bewusstseinszustände außerhalb des "normalen" Alltagsbewusstseins zu erfassen und in den Heilungsprozess zu integrieren. Dazu zählen insbesondere die spirituelle Dimension der Psyche, Ekstase und Grenzerfahrungen.

Dr. Stanislav Grof, ein Pionier der Bewusstseinsforschung

Nach seinem Medizin und Medizinphilosophie Studium an der Karls-Universität in Prag, widmete sich Dr.

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Stanislav Grof der Erforschung außergewöhnlicher Bewusstseinszustände und der Wirkung von psychedelischen Substanzen, insbesondere LSD, auf seine Patienten und sich selbst. Da in den 1950er und 1960er Jahren LSD noch legal und ein verbreitetes Mittel zu Forschungszwecken in der medizinisch-psychiatrischen Forschung war, konnte Dr. Grof seine Arbeit um einen bedeutenden Aspekt erweitern – dem Erforschen von Bereichen der Psyche, die sonst im Verborgenen bleiben. Und das mit bahnbrechenden Ergebnissen. Denn die psychedelische Erfahrung steht im direkten Zusammenhang mit dem Patienten und hilft, die vielschichtigen Ebenen der Psyche und deren Erfahrungsspektrum zu begreifen. So ließ sich der Heilungsprozess der Teilnehmer positiv beeinflussen und immens beschleunigen. Wie überzeugt Dr. Stanislav Grof von der Ergänzung psychotherapeutischer Sitzungen mit LSD war, wird in folgendem Zitat aus einem Interviw mit Mathias Morgenthaler deutlich: "LSD half, die starke Dynamik der Psyche besser sichtbar zu machen.

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Es konnte eine ähnliche Bedeutung erlangen wie das Mikroskop in der Biologie oder das Teleskop in der Astronomie. Meiner Ansicht nach war LSD das beste Werkzeug, das die Psychiatrie je zur Verfügung hatte."

Nachdem die psychedelische Substanz rasant bekannter wurde und immer mehr Anhänger der Hippiebewegung und andere neugierige Menschen einen leichtfertigen Umgang damit pflegten, wurde das LSD 25, damals bekannt unter dem Namen Delysid, verboten. Und Dr. Grof musste seine Forschungen und Therapiesitzungen mit dem Psychedelikum einstellen.

Holotropes Atmen - legale Alternative zu LSD gestützter Therapie

Die damaligen Umstände der Prohibition, die bis heute anhalten, erforderten ein neues Konzept. Eine Alternative zu LSD musste gefunden werden, um die Arbeit mit außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen fortführen zu können. Bei der Suche stützte sich Dr. Stanislav Grof auf die Erfahrungen uralter Naturvölker und deren rituelle und spirituelle Zeremonien. Einer der Hauptbestandteile solcher Rituale ist die Atmung und rhythmische Musik, die die Teilnehmer in ekstatische Trancezustände versetzt und so das Unterbewusste des Reisenden offenbaren soll.

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Denn schon seit tausenden von Jahren ist man in den unterschiedlichsten Kulturkreisen von der heilsamen Wirkung erweiterter Bewusstseinszustände überzeugt. Zahlreiche Methoden, gestützt durch Musik, singen, beten, tanzen, fasten, atmen und psychedelische Substanzen wurden weltweit entwickelt, um das Tor zur eigenen Psyche öffnen und Zugang zu bisher unbekannten Welten im Inneren zu gewähren. So knüpfte auch Dr. Grof an diesem Ansatz an und entwickelte gemeinsam mit seiner Frau Christina das holotrope Atmen. Eine Atemtechnik, die den Klienten tief in die eigene Psyche eintauchen lässt und ihm erlaubt, das eigene Bewusstsein ohne jeglichen Gebrauch von psychedelischen Substanzen zu erweitern. Der Begriff holotropes Atmen setzt sich aus den griechischen Wörtern „holos“ (= ganz) und „trepein“ (=hinführen) zusammen und steht für eine sich auf die Ganzheit zu bewegende Erfahrung. Durch eine Erfahrung diesen Ausmaßes können sowohl psychische, als auch psychosomatische Probleme identifiziert und gelindert, sowie eine Selbsterfahrung und Bewusstseinsentwicklung unterstützt werden. Dr. Grof entwickelte mit dem holotropen Atmen eine Methode, die darauf abzielt, Persönlichkeitsanteile, die bisher ungenügend integriert wurden, anzunehmen und dadurch eine „Hinbewegung auf Ganzheit“ zu erwirken. Die Atemtechnik zählt zum Gebiet der transpersonalen Psychologie und stellt eine Anwendung mit vielversprechendem heilsamen Potential dar. Insbesondere bei Patienten mit Depressionen, Schlafproblemen, Traumata und anderen blockierenden psychischen, psychosomatischen und energetischen Störungen wurden bereits tiefgreifende Heilungserfolge verzeichnet.

Holotropes Atmen als Schlüssel zur Selbsterkenntnis

In einem geschützten Umfeld, in dem der Patient oder Interessierte sich geborgen und behütet fühlt, wird die Sitzung unter Anwesenheit und Führung eines von Stanislav und Christina Grof ausgebildeten Therapeuten durchgeführt. Durch beschleunigte und vertiefte Atmung wird eine gewollte Hyperventilation herbeigeführt, die sich in Begleitung von evozierender Musik und Körperarbeit wie Druckmassagen zu einer bewusstseinserweiternden Erfahrung entwickelt. Zu Beginn erleben die meisten Teilnehmer die "sensorischen Barriere". Farben, Formen, Klänge und Muster verwandeln sich in ein großes ästhetisches Gesamtbild, aus dem sich sehr viel über die Biografie und die transpersonale Ebene des jeweiligen Menschen ableiten lassen. Während der "Reise" liegt der Klient mit geschlossenen Augen auf einer Matratze. Die Erfahrung, die 1,5 bis 3 Stunden dauert, kann zu starken emotionalen Entladungen führen, die in der Psychologie als Katharsis bezeichnet werden. Hierbei werden Belastendes und Traumata wieder erlebt und können dadurch endgültig abgeschlossen und abgelegt werden.

Weiterhin hat die Atemtechnik ein immenses spirituell-psychedelisches Potential, das es ermöglicht, negative Gefühle und energetische Blockaden zu beseitigen und auftauchende Bilder, Eindrücke, Visionen und Emotionen wahrzunehmen und daran zu wachsen. Die Erfahrung wird meist in Gruppensitzungen abgehalten und von Zweierteams ausgeübt. Ein Teilnehmer begibt sich auf die Reise, der andere überwacht den Prozess und hilft, auftauchende emotionale Ausbrüche mit Körperarbeit unterstützend zu lösen. So können Anspannungen gezielt entladen und der Klient von der Belastung befreit werden.

Im Anschluss an eine solche Sitzung wird das Erlebte in Form von nonverbaler Kreativarbeit in das Alltagsbewusstseins eingegliedert. Häufig werden dazu Mandalas gemalt. Abschließend gibt es ein sogenanntes „Sharing“, also das Teilen des Erlebten mit den anderen Teilnehmern. So kann die meist sehr aufrüttelnde und transformierende Erfahrung stufenweise integriert werden.

Dr. Stanislav Grof unterteilte die Erfahrung des holotropen Atmens in vier Kategorien:

  1. Körperliche Empfindungen aller Art

  2. Biografische Erfahrungen: Das Wiedererleben von Begebenheiten in der eigenen Lebensgeschichte

  3. Perinatale Erfahrungen: Erfahrungen, die wir während der Schwangerschaft und unserer Geburt machen. Dr. Grof erkannte während seiner Arbeit immer wieder, dass Traumata in diesem Lebensabschnitt häufig gravierende Auswirkungen auf unser ganzes Leben haben können. Durch das Wiedererleben des Geburtstraumas können entsprechende schädliche Muster und Blockaden nachhaltig aufgelöst werden.

  4. Transpersonale Erfahrungen: Dieser Bereich umfasst alle Erfahrungen, die über unser Alltagsbewusstsein hinausgehen. Dazu zählen beispielsweise das Erleben von veränderter Raum- und Zeitwahrnehmung, die Verbundenheit mit der Natur und den Mitmenschen, sowie die besonders heilsamen Erfahrungen der allumfassenden Einheit, Synchronizitätserlebnisse und der Begegnung mit universellen Archetypen.

Völlig frei von den Barrieren des begrenzten Verstandes und Alltagsbewusstseins, können mit der Erfahrung des holotropen Atmens bedeutende persönliche Fortschritte errungen werden. Sowohl Heilungsprozesse auf psychischer und physischer Ebene werden angeregt, als auch das spirituelle und emotionale Wachstum. Da meist ein starker Transformationsprozess mit einer psychedelischen Erfahrung wie dem holotropen Atmen einhergeht, kann der Klient sich von altem Ballast befreien, den wahren Kern seiner selbst erforschen und kennenlernen und sich anschließend neu ordnen und aufbauen. Dieser Prozess bietet die extrem wertvolle Möglichkeit, dem verborgensten und essentiellsten Teil seiner selbst gegenüberzustehen und einen Blick auf das eigene Wesen zu erlangen, wie er authentischer nicht sein könnte.

Auch wenn Dr. Stanislav Grof die Bewusstseinserweiterung mit Hilfe von Atmung und evozierender Musik nicht erfunden hat, so hat er mit dem holotropen Atmen doch eine Methode aus dem bestehenden Wissen alter Völker entwickelt, die eine heilsame psychedelische Erfahrung hervorrufen kann. #Heilung #Psychedelisch