Wie sollen die #Medien mit dem Tod von Politikern umgehen? Im Fall von Helmut Kohl vor allem mit viel Respekt und Ehre. Das taten auch alle Nachrichten. Im ZDF "heute Journal" kamen alte Weggefährten ausführlich zu Wort. Die Kollegen der Bild-Zeitung haben sogar eine Trauerbinde um das Logo gelegt. Bei Spiegel Online schrieb der ehemalige Kanzler und Kohl-Nachfolger Gerhard Schröder (SPD) einen sehr bewegenden Nachruf. Bei allem Respekt fragen sich einige Menschen in den sozialen Netzwerken, ob Medien hier nicht zu offensiv die Staatstrauer anordnen. Einige sprachen gar davon, dass zu wenig Kritik in Dokumentationen an #Helmut Kohl kam.

RTL Nachtjournal auch kritisch

Natürlich hat man nicht über einen Toten schlecht oder kritisch zu berichten, nicht am Todestag oder einen Tag danach.

Werbung
Werbung

Das gehört sich nicht. Und trotzdem versuchen einige Journalisten vorsichtig, die andere Seite Helmut Kohls anzusprechen. Während das "heute Journal" im ZDF nur kurz die Spendenaffäre in einem Nebensatz erwähnte, war man im RTL Nachtjournal mutiger. Man schaltete vor das Haus von Helmut Kohl in Oggersheim. Moderator Lothar Keller sprach mit Reporter Thomas Präkelt per Schalte live vor Ort. Präkelt sagte sinngemäß, dass ein so großer Staatsmann es leider nicht schaffte, sich privat mit seiner Familie zu versöhnen. Denn Präkelt habe beobachtet, wie die Polizei den Sohn von Helmut Kohl erst nicht zum Haus lassen wollte. Es soll einen Platzverweis in der Vergangenheit gegeben haben. Der Sohn habe vom Tod des Vaters durch die Presse erfahren. "Das sagt viel über das Verhältnis aus", so Thomas Präkelt nachdenklich live in RTL.

Werbung

Kritik nicht kurz nach dem Tod

Auch die #TAZ versuchte zum Tod von Helmut Kohl kritisch seine Fehler in der Politik zu reflektieren. Das allerdings ging eindeutig über das Ziel hinaus. Mit der Titelseite "Blühende Landschaften" nahm man den Verstorbenen satirisch auf's Korn. Zu Lebzeiten wurden diese Wörter im Kabarett dem Altkanzler oft vorgehalten. Grundsätzlich sollten Medien auch kritisch über Kohl berichten, aber nicht so derbe einen Tag nach seinem Tod. Und das sah man dann auch bei der taz in Berlin ein.

taz-Chef: "Uns tut das leid!"

Chefredakteur Georg Löwisch sagte: "Ein Witz, der von so vielen falsch verstanden wird, ist schlecht." Löwisch erklärte, dass die Titelseite als kritische Würdigung von Helmut Kohl gemeint war. Aber diese Kritik ist offenbar als Respektlosigkeit gegenüber dem Tod eines Menschen aufgenommen worden. Der taz tue dies leid. Zahlreiche Medien kritisierten die taz für ihre Titelseite am Wochenende. Auf Facebook unterstellten viele User, die taz wolle mit der Provokation nur die Verkaufszahlen steigern.