Wenn man sich diese Zahlen anschaut, vermutet man zuerst einen Tippfehler. 70 Polizisten? Wohl eher 7, und selbst das wären noch mehr Beamte als nötig, um mit drei Unruhestiftern fertigzuwerden. Ganz zu schweigen von den zwei Polizeihunden. Doch beginnen wir am Anfang.

Freitag, der 30. Juni, 22:16 Uhr, Leopoldstraße, #München. Zwei Politessen gehen ihrer Arbeit nach und schreiben gerade einen Strafzettel. Drei Männer in der nahegelegenen Bar "Mint Club" beobachten das Geschehen und entschließen sich spontan dazu, ein Sektglas nach den Frauen zu werfen. Das lassen sich die Politessen nicht gefallen und gehen zu den Männern hin.

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Ein Polizeisprecher erklärt, wer diese mysteriösen Männer sind und was dann geschieht:

"Als der 31-jährige Deutsch-Iraner aus München, sowie der 27-jährige und der 32-jährige türkische Staatsangehörige aus Krailling [von den Politessen] zur Rede gestellt wurden, wurden die beiden Angestellten sehr aggressiv von ihnen angegangen."

Gespött statt Autorität

Die Frauen verständigen also die #Polizei. Diese trifft bald ein und will die Ausweise der Männer sehen. Doch diese verweigern die Herausgabe der Personalien und werden immer aggressiver. Hm, na das ist aber blöd. Was soll man als Polizeibeamter in einer solchen Situation nur tun? Richtig! Verstärkung anfordern. Und zwar so richtig.

"Da es zudem zu Solidarisierungen mit umstehenden Barbesuchern kam, wurden Beamte des Münchner Unterstützungskommandos angefordert. Durch das massive Kräfteaufgebot ließen sich schließlich der 27-Jährige sowie der 32-Jährige zur Personalienherausgabe bewegen, während der 31-jährige Deutsch-Iraner weiterhin uneinsichtig war."

Hier wird langsam klar, dass man mit der deutschen Polizei nur noch Mitleid haben kann.

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Und das ist nicht böse gemeint, denn die Beamten haben es richtig schwer. Allein die Tatsache, dass sich Passanten bzw. Unbeteiligte heutzutage mit den Tätern solidarisieren, statt, wie es eigentlich sein sollte, mit der Polizei, ist extrem besorgniserregend. Dieses Verhalten zeigt auch, wie wenig Respekt Deutsche vor der eigenen Polizei haben. Und warum sollte es auch anders sein? Exakt durch solche Szenen wird das Bild der lächerlichen und nicht ernstzunehmenden deutschen Polizei noch weiter untermauert. Und das auch noch in München, dessen Polizei eigentlich den bundesweiten Ruf hat, noch am härtesten durchzugreifen und „streng“ zu sein. Leider dominieren auch in München mittlerweile "ACAB"-Graffitis das Straßenbild bestimmter Viertel.

Keine Strafen, kein Durchgreifen

Doch zurück zum Geschehen. Wir stellen fest: 30 Beamte sind mittlerweile vor Ort, in der Bar geht es deshalb schon reichlich chaotisch zu. Der "uneinsichtige" Mann will fliehen und stößt dabei einen Polizisten mit voller Wucht um.

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Dieser wird dabei am Bein verletzt. Die Flucht gelingt jedoch nicht (das wär’s noch gewesen) und er wird festgehalten. Es folgen erneute Beleidigungen gegen die Beamten. Alle drei Männer bekommen Anzeigen und der Barbetreiber erteilt ihnen ein Hausverbot. Der Mann wird noch zur Wache gefahren, dann am gleichen Abend aber wieder freigelassen. Wieso nur der eine und nicht seine beiden Kollegen? Wieso wird er so schnell wieder freigelassen? Man weiß es nicht. Dieser Fehler wird dem Barbesitzer und der Polizei (und damit dem Steuerzahler) in dieser Tragikomödie jedoch noch teuer zu stehen kommen.

Um 01:07 Uhr tauchen die drei Männer wieder in der Bar auf und wollen wieder Ärger machen, diesmal sogar noch mit Verstärkung. Das hätte natürlich niemand vorhersehen können. Der Mann beleidigt und schlägt den Barbesitzer. Die Polizei wird jedenfalls schon wieder gerufen und rückt diesmal mit 70 Beamten und zwei Hunden an, einem Großaufgebot. Im Endeffekt, um einen einzigen Mann festzunehmen, denn die anderen beiden sind nicht so mutig und gehen lieber ihrer Wege, statt weiter aufzumucken. Die 70-köpfige Mannschaft samt Hunden ist noch kurz damit beschäftigt, weitere Anzeigen wegen Körperverletzung, Beleidigung, Widerstands und Hausfriedensbruchs gegen den Mann aufzunehmen und bringen ihn schließlich in die Haftanstalt des Polizeipräsidiums München. Dort muss er zur Strafe…die Nacht verbringen und kommt am nächsten Tag wieder frei. Na, wenn sich das nicht gelohnt hat für die Münchner Polizei und den Steuerzahler!

Machtlosigkeit

Das Traurige an dieser Geschichte ist, dass die Polizisten wahrscheinlich nach Vorschriften gehandelt haben. Es ist ihnen offensichtlich nicht erlaubt, bei Nichtgehorsam Gewalt anzudrohen oder gar Gewalt anzuwenden. Stattdessen müssen eben 30 bis 70 Beamte plus Hunde ran, um die Täter durch gemeinsames Zureden und böse Blicke zur Aufgabe zu zwingen. In anderen Ländern hätten währenddessen zwei Beamte die Sache innerhalb weniger Minuten erledigen können, inklusive Festnahmen. #Ausländer