"Das gute Gefühl, an alles zu denken" - das ist der Werbespruch der Arag bei seinem Unfallschutz für Kinder und Jugendliche. Eigentlich müsste der Slogan lauten: Das gute Gefühl, an alles zu denken, außer den Führerschein. Denn die Leistungen der Police lesen sich wie ein Freibrief. Die Arag zahle im Premiumschutz nämlich sogar bei einem Unfall als Folge von Fahren ohne Führerschein. Wer ohne Lappen ein Fahrzeug fährt, macht sich in Deutschland strafbar. Nebenbei wird auch noch lebensgefährlicher Unsinn, wie das Hantieren mit selbst gebastelten Feuerwerkskörpern, abgedeckt. Grund genug, sich diese Police näher anzuschauen.

Unfallpolice ist Umsatzrenner

Zunächst muss man wissen, dass die Unfallversicherung des Deutschen liebstes Kind ist.

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Angeblich passieren die meisten Unfälle im Haushalt, sagt ein Sprichwort. Aber es kriegen mehr Menschen Krankheiten mit bleibenden Schäden, als das sie von der Leiter fallen. Kinder erleiden Unfälle meist nur in Form von alltäglichen Stürzen, Schürfwunden oder im schlimmsten Fall einen Knochenbruch. Das wissen auch Versicherer und verkaufen die gewinnbringenden Unfallpolicen immer häufiger schon an den Nachwuchs. Der Markt ist hart umkämpft. Daher verpacken die Versicherungen das altbewährte Produkt neu und hübschen es auf. Die Arag zahle jetzt sogar bei Vorsatz. Also dann, wenn der Teenager mit bleibenden Schäden den Unfall ohne Führerschein im Auto überlebt. Klingt makaber, ist es auch.

Straftat "vorbildlich" begehen

Unsere Testperson war ein weiblicher Teenager in keinem Risikoberuf, Schülerin, ohne vorherige Versicherungsschäden, keine Krankheiten, wird im Herbst 17 Jahre.

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Wir verzichteten auf Krankentagegeld und übernahmen sonst die Empfehlungen der Arag bei der Progression. Unser monatlicher Beitrag im Premium-Tarif satte 21,16 Euro. Dafür ist unser minderjähriges Mädchen jetzt beim Fahren ohne Führerschein versichert. Dachten wir. Doch im Kleingedruckten (1.10 AGB) heißt es: Die versicherte Person darf nicht volljährig sein und "Voraussetzung für die Gewährung des Versicherungsschutzes ist, dass mit der Fahrt keine weiteren Straftaten begangen wurden." Im Klartext: Klaut unsere Schülerin das Auto, wäre das neben Fahren ohne Führerschein eine weitere Straftat - keine Leistung! Fährt sie einen unbeteiligten Fußgänger um - keine Leistung. So makaber es klingt: Der Versicherte muss vorbildlich eine Straftat ohne Führerschein begehen. Bitte wirklich nur eine Straftat begehen! Unfassbar, was die Arag hier auf den Markt geworfen hat.

Der Teufel steht in den AGB

Beispiel 2 noch absurder: Die Arag zahlt für Unfälle durch das Handtieren mit selbst gebauten Feuerwerkskörpern.

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Aber in den AGB (1.11) heißt es: "Voraussetzung für die Gewährung des Versicherungsschutzes ist, dass durch die Herstellung und den Gebrauch der Feuerwerkskörper keine Sachbeschädigung oder Körperverletzung beabsichtigt wurde." Das weis erstmal einer nach, der vorsätzlich nicht zugelassene Feuerwerkskörper verwendet. Fliegt die Rakete in ein Wohnhaus, was dann brennt, wird der Unfall bei der versicherten Person nicht gezahlt. Sollte der illegale Böller einen Menschen verletzen, dann sowieso nicht. Wie der Unfall gemäß Versicherungen dann für einen Leistungsanspruch abzulaufen hat, weiß wohl nur die Arag.

Fazit: Unsinn und viel zu teuer

Die Arag wertet mit fragwürdigen Leistungen ihre Unfallversicherung für Kinder auf. Vorsätzliche Straftaten bei Minderjährigen abzusichern ist schon ein hartes Stück. Die hier genannte Unfallversicherung in der Premium-Variante ist auch noch teuer und Augenwischerei. Immerhin: Gezahlt wird kaum, denn die #Versicherung hält sich dann doch an Recht und Ordnung. Versicherungsfälle werden bei Straftaten nur selten übernommen. Der Police ist eine Unfallversicherung wie jede andere. Es reicht hier der Basis Schutz aus. Und noch was: Besser ist es außerdem, seinen Kindern zu lehren, keine Straftaten zu begehen und Feuerwerkskörper nicht selbst herzustellen. Dann kann man sich die über 20 Euro im Monat sparen. #Finanzen #Testbericht