Sie denken bei #Otto an das Versandhaus? Doch schon lange verdient der Konzern sein Geld auch woanders - bei säumigen Zahlern! Seit Wochen recherchiert die Autorin in der Otto Group. Anhaltspunkt waren zwei Gerichtsurteile des Amtsgerichts Bernau bei Berlin. Einmal lehnt die dortige Zivilkammer die gesamten Inkassokosten von EOS zu einer Forderung vom Otto Versand ab. Dann zog ein Rechtsanwalt der Telekom den Antrag auf Erstattung der EOS-Inkassogebühren zurück, weil das Gericht ankündigte, die Auffassung des Schuldners zu folgen. EOS von der Ottogroup habe klar gegen die Schadensminderungspflicht verstoßen, so die Richterin. Das EOS #Inkasso ist nicht illegal, sondern hat eine Zulassung.

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Es darf Inkassodienstleistungen ausüben - und zwar mit allen zulässigen Mitteln. Fakt ist aber auch: Die überzogenen Gebühren sind vor allem im Fall von offenen Rechnungen beim Otto Versand kaum gerichtlich durchsetzbar.

Gebühr von 70 Euro unzulässig

Wer seine Rechnung nicht bezahlt, muss mit Mahngebühren rechnen und die Kosten für ein zu Recht geführtes Mahnverfahren am Gericht tragen. Das umfasst Gebühren für Rechtsanwälte und Gerichtskosten. Nicht aber Inkassogebühren! Zwar geben Gerichte Inkassogebühren statt, meist jedoch nur noch dann, wenn kein Widerspruch gemacht wird und ein Vollstreckungsbescheid rechtskräftig wird. Wer gegen Inkassogebühren auf einem Mahnbescheid widerspricht, zwingt den Gläubiger zu einer Klage. Im Klageverfahren werden Inkassogebühren häufig bei Widerspruch gegen diesen Posten erlassen.

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Für den Otto Versand sind Schuldner trotzdem ein gutes Geschäft. Kundenkonten mit überfälligen Salden werden kurzerhand an das hausinterne Inkasso EOS abgegeben. Das erhebt gleich mal einen Inkassozuschlag von regelmäßig 70,20 Euro. Doch der zweitgrößte Versandhändler ist geschäftserfahren und benötigt für einfache kaufmännische Vorgänge kein Inkasso. Die Abgabe an ein Tochterunternehmen lässt lediglich die Kasse bei Otto kräftig klingeln, wenn der Schuldner denn die Inkassokosten bezahlt oder anerkennt.

Kommt der Gerichtsvollzieher?

EOS hat heute 60 Zweigunternehmen und ist in 25 Ländern vertreten. Die Firma von Otto ist neben Creditreform und Infoscore eines der mächtigsten Inkassounternehmen in Europa. Schulden sind neben dem klassischen Versand ein Riesengeschäft für die Ottogroup geworden. Dabei agiert die EOS genauso wie andere Inkassounternehmen. Sie versuchen Schuldner, leider auch mit zweifelhaften Aussagen, zur Zahlung zu bewegen. Oft klappt das, ganz zur Freude von Otto. Unsere Autorin hat hier während ihrer Recherchen zuletzt am vergangenen Donnerstag diesen Fall dokumentiert: Eine EOS-Mitarbeiterin teilte dem Schuldner am Telefon mit, er müsse bezahlen, sonst komme der Gerichtsvollzieher vorbei.

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Außerdem wurden Behauptungen zu einer Insolvenz aufgestellt. Zum Beispiel vor Eröffnung einer Privatinsolvenz darf man noch Raten zahlen, auch wenn man einen Eröffnungsantrag gestellt hat. Alle Aussagen waren schlichtweg falsch! Es lässt den Verdacht zu, dass nicht fachlich ausreichend ausgebildete Call Center-Agenten bei EOS Schuldner zu Zahlungen mit dem Schüren von Angst bewegen sollen.

So verhalten Sie sich richtig:

Am besten zahlen Sie immer rechtzeitig Ihre Rechnung. Inkassounternehmen dürfen Sie mahnen, anschreiben und sogar anrufen. Sie sind aber weder verpflichtet Auskünfte zu erteilen, noch Inkassovertreter in ihre Wohnung zu lassen. Sollte EOS Ihnen mit der Pfändung von Konten drohen, ignorieren Sie diese. Inkassounternehmen dürfen weder Klagen einreichen, noch können sie Vollstreckungen anordnen, geschweige denn Pfändungen durchführen. Das kann nur ein Rechtsanwalt mit einem gerichtlichen Beschluss und der muss noch über den zuständigen Gerichtsvollzieher gehen. Haben Sie ein Pfändungsschutzkonto, haben Sie gar nichts zu befürchten. Sie sollten auf solche Inkassoschreiben gar nicht reagieren und schnellstens Ihre Rechnungen beim ursprünglichen Gläubiger bezahlen. Auch die EOS versucht danach gern, seine Inkassokosten noch einzutreiben. Solche Schreiben können Sie getrost zu den Akten legen. Beachten Sie aber, dass Verzugszinsen und Mahngebühren berechnet werden dürfen. Post von Rechtsanwälten hingegen sollten Sie beantworten und eine Ratenzahlungsvereinbarung versuchen, das ist billiger. Auch hier sind Inkassogebühren nicht zulässig, Rechtsanwaltskosten aber schon. #Finanzen