"Guten Tag, Sie haben nicht gezahlt, daher haben wir jetzt eine Vorpfändung bei Ihrer Bank/Sparkasse vorbereitet". Ein Laie bzw. Endverbraucher ohne juristische Kenntnisse wird bei diesem Satz panisch werden. Und das ist gewollt! Das #EOS #Inkasso schrieb vor wenigen Wochen unserem Leser Achim P.* (*Name geändert) nicht nur diesen Satz, sondern fügte hinzu: "Sie müssen damit rechnen, dass Ihr Konto demnächst in Höhe des Rückstandes gesperrt ist." P. solle umgehend eine monatliche Rate von über 100 Euro zahlen, sonst komme er nicht mehr an sein Konto (Schreiben liegt Autorin zu Beweiszwecken im Original vor!). Achim habe nach eigenen Angaben einen Rechtsstreit mit dem Mobilfunkanbieter Congstar, weil sein Widerruf nicht anerkannt worden sein soll.

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EOS habe den Fall vor vier Monaten übernommen und will Rechnungen sowie seine Inkassogebühren einfordern. Blastingnews berichtete bereits über das EOS Inkasso, welches zur Ottogroup gehört.

Außendienstmitarbeiter kommen

EOS hat in Deutschland eine Zulassung, wird jedoch wegen seinen Methoden häufig in sozialen Netzwerken kritisiert. Schuldner berichten von Besuchen durch Außendienstmitarbeiter und der Forderung nach Inkassokosten. Nicht immer sind diese rechtens. Zuletzt versagte ein Gericht in einem Rechtsstreit die EOS-Inkassogebühren. Mehrere Betroffene meldeten sich bei der Autorin und lagen ihr weitere EOS-Schreiben vor, von denen sie sich "bedroht" fühlen. Auffällig dabei: EOS kündigt darin immer wieder sogenannte Vorpfändungen an. Wir möchten euch erklären, was es damit auf sich hat und wie ihr euch verhalten müsst.

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Darf EOS überhaupt vorpfänden?

Die Vorpfändung ist nicht die Regel und unterliegt dem § 845 der Zivilprozessordnung. Ein Gläubiger kann bereits vor der Pfändung einer Bank ankündigen, dass ein Vollstreckungsbeschluss kommen wird. Das darf man machen, wenn ein vollstreckbarer Titel durch einen richterlichen Beschluss erlassen worden ist. Einfacher gesagt bedeutet das: Der Gerichtsvollzieher kann im Auftrag des Gläubigers schon mal ein Konto einschränken, damit Vermögen auf den Konten nicht in letzter Minute zur Seite geschafft wird. Über die Vorpfändung muss ein zugelassener Gerichtsvollzieher den Schuldner informieren und kein Inkasso mit Standardbriefpost.

Konto bei Vorpfändung dicht?

Nein, wer ein Pfändungsschutzkonto hat, darf weiterhin über seinen Freibetrag vollständig verfügen. Die Vorpfändung kann auch nicht missbraucht werden. Denn wer sowas beantragt, muss innerhalb von vier Wochen den Gerichtsbeschluss der Vollstreckung nachreichen. Passiert das nicht, wird das Konto vollständig wieder freigegeben - auch über den Pfändungsfreibetrag.

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Vor Vorlage des Gerichtsbeschlusses führt eine Bank bei einer Vorpfändung auch keine Beträge ab. Die Vorpfändung reserviert lediglich den pfändbaren Betrag entsprechend der beantragten Höhe für eine Dauer von maximal vier Wochen.

Ist das Nötigung von EOS?

Inkassounternehmen dürfen so formulieren und sehr wohl eine Vorpfändung ankündigen. Allerdings nur, wenn auch wirklich ein Titel vorliegt. Nur die bloße Drohung ohne ein Gerichtsurteil, kann sehr wohl eine Nötigung darstellen. In diesem Fall sollten Sie die Aufsichtsbehörde informieren. Bei EOS ist die Aufsichtsbehörde:

Amtsgericht Hamburg, Sievekingplatz 1, 20355 Hamburg

Aber noch mal: EOS Inkasso schreibt nicht auf blauen Dunst Leute an. Prüfen Sie Ihre Schulden und Gerichtspost deshalb sehr genau. Sie müssen Pfändungsdrohungen nicht hinnehmen, wenn es kein Beschluss gibt oder die Forderung zu Unrecht besteht. Das müssen Sie aber auch zweifelsfrei bei einer Beschwerde belegen können.

Was ist bei Zahlungsunfähigkeit?

Wenn Sie bereits eine Vermögensauskunft abgegeben haben, verweisen Sie immer an den Gerichtsvollzieher! Sollten Sie keine Vermögensauskunft haben, aber hoch verschuldet sein oder ALGII-Empfänger, lassen Sie sich zunächst nicht auf Ratenzahlungen und auf keinen Fall auf ein weiteres Schuldanerkenntnis von Vergleichs- und Inkassokosten ein. Wenden Sie sich unbedingt an eine Schuldnerberatung. Adressen erfahren Sie bei den Bezirksämtern oder Landkreisen sowie bei der AWO, Caritas und der Verbraucherzentrale. Schuldnerberatungen werden von Trägern und Steuergeldern finanziert. Sie sind immer kostenlos! Wir raten daher auch von legalen privaten Schuldenregulierern, wie zugelassene Rechtsanwälte, ab. #Finanzen