Im Gegenzug wären allerdings einige Zugeständnisse, wie die Überarbeitung der Grundsätze der Politik des Staates gegenüber den Polendeutschen und in allgemeinen der deutschen Volksgruppe in Polen, unbedingt notwendig. Unter den Polendeutschen gab es übrigens viele Bürger, die ihr polnisches Vaterland liebten, und es 1920, im Kampf gegen Sowjetrussland um Freiheit Polens, auch bewiesen haben. Als Gegenleistung waren Zugeständnisse zugunsten der polnischen Minderheit in Deutschland zu erwarten.

Seit Oktober 1938 bot Adolf Hitler der polnischen Regierung die Verlängerung des Nichtangriffspaktes auf 25 Jahre, einen Freihafen in Danzig, einen sicheren Zugang zum Meer dank dem Bau der polnischen Autobahn auf dem deutschen Hoheitsgebiet an.

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Dies alles gegen die Eingliederung Danzigs zum Deutschen Reich und eine direkte Verbindung zwischen Westpommern und Ostpreußen. Die Sanatoren (Sanacja) lehnten aber dieses Angebot wiederholt ab.

Deshalb wurde der Besuch des Außenministers des faschistischen Italiens in Polen geplant

Die Italiener waren seit Jahrhunderten, auch zur Zeit der Herrschaft Mussolinis, eindeutig polenfreundlich. Das Regime Mussolinis galt wiederum für die stärksten politischen Kräfte in #Polen als Vorbild. Es hatte Italien zur Großmacht gemacht (es schien jedenfalls damals so) und das Sanatoren-Miltärregime (auch als Sanacja, d. h. Genesung des Staatswesens, bekannt) in Polen strebte in der Zwischenkriegszeit auch nach Großmachtstellung. Man konnte also annehmen, dass der italienische Außenminister Graf Ciano, der zugleich der Schwiegersohn Mussolinis war, den polnischen Außenminister Beck sowie den Obersten Führer, Marschall Smigly, zu manchen Dingen überreden kann.

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Der Staatsbesuch Cianos in Polen wurde aber, sozusagen, zu einer vergoldeten Niederlage

Alle Mitglieder der italienischen Delegation, mit Ciano an der Spitze, wurden mit höchsten polnischen Orden: Goldenen Verdienstkreuzen sowie Großbänden des Ordens Polonia Restituta, ausgezeichnet. Der italienische Außenminister Graf Ciano bekam sogar den Orden des Weißen Adlers. Nur ein Vertrag wurde unterzeichnet: zur Gründung der direkten Fluglinie Warschau-Rom. In Westeuropa wurde der Mangel dieses Besuches an Erfolgen der Achsenmächte in aller Ruhe festgestellt.

Die geheimen Vorschläge Cianos

Er riet der polnischen autoritären Staatsführung drei wichtige Schritte zu machen. Erstens, zum Antikominternpakt beizutreten. Dies sollte Polen vor einer Aggression seitens der Sowjetunion beschützen. Zweitens, die Vorschläge Mussolinis zur Vermittlung zwischen Berlin und Warschau in Erwägung zu ziehen. Er warnte auch seine Gastgeber vor der Unberechenbarkeit und Wutanfällen Hitlers.

Es sollten alle Forderungen von Italien, Deutschland und Polen gegenseitig unterstützt werden, die auf eine Neuverteilung der Rohstoffe und der überseeischen Gebiete abzielten.

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Aus Rom, Berlin und Warschau es war damals zu hören, Frankreich sowie Großbritannien habe zu viele Schutzgebiete in Afrika und Asien, die keine der beiden Großmächte bewirtschaften könne. Andere europäische Staaten sollten zugleich an Überschuss an Arbeitskräften und Mangel an Rohstoffen leiden.

Der Chefpublizist Mussolinis Virginio Gayda und seine Beurteilung von Afrika und Europa

"Das „Giornale d'Italia" schreibt u. a., eine sofortige Antwort Italiens auf den Artikel der „Times" über die Kolonialfrage, den das englische Blatt im Zusammenhang mit der Reise Cianos nach Polen veröffentlicht hatte, dränge sich auf. Das Blatt bestreitet die Behauptung der „Times", wonach die an das Meer grenzenden Nationen, ob groß oder klein, ihren Kolonialbesitz als unantastbar betrachten müssten.

"Wenn die Schifffahrt eines der wichtigsten Mittel zur Eroberung der Kolonien war", schreibt das Blatt, "so ist das Mittel zur Erhaltung und Zivilisierung derselben die Ansiedlung von weißer Bevölkerung. Die Kolonien sind heute in erster Linie landwirtschaftliche Gebiete und brauchen deshalb Landarbeiter. Italien, Deutschland und Polen können diese Arbeiter stellen, Frankreich und Großbritannien dagegen nicht. Die Kolonien brauchen Nachwuchs. Italien, Deutschland und Polen sind Länder mit starkem Geburtenüberschuß, während Großbritannien und besonders Frankreich unter starkem Geburtenrückgang leiden."

(Dreifache Kolonialfront. Vor wichtigen Besprechungen Görings mit italienischen Regierungsmitgliedern. „Luxemburger Wort“, 7. März 1939, S. 2)

Polen sollte jedoch bald ganz andere „Abenteuer“ erleben, und ich werde in weiteren Aufsätzen erklären versuchen, warum es unvermeidlich wurde. #Geschichte #Politik