Zugegeben, bei der Auswahl des Artikelfotos könnte man mir auch unterstellen, ich würde auf den reißerischen Zug aufspringen. Das typische Klischee von Hartz IV-Empfängern - schon am Vormittag mit der Bierpulle in der Hand. Aber der Anwohner aus Wolfen Nord säuft weder den ganzen Tag, noch lungert er rum. Es ist der einzige Moment in dieser gottverdammten Einöde, den er sich gönnt. Mit einem Bierchen vor dem Hauseingang und ein Schwätzchen mit den Anwohnern. Das ist eben der Alltag in der Plattenbausiedlung von Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt). So ist das Bild zu interpretieren. Und nicht anders!

"Rufmord", meint ein Politiker

André Krillwitz, der Ortsbürgermeister von Wolfen (Pro Wolfen), sprach über die #RTL2 Doku "Hartz und herzlich" von Rufmord in der Mitteldeutschen Zeitung.

Werbung
Werbung

Der Sender zeige nur die schlechte Seite seiner Stadt. Das stimmt. Man zeigt wie Häuser abgerissen wurden, wie trostlos es in Bitterfeld-Wolfen inzwischen ist. Wer es sich leisten kann und Arbeit woanders findet, zieht hier weg. Der Rest weilt in den alten DDR-Bauten. Die Platte bleibt bezahlbar und entspricht den Angemessenheitskriterien vom Jobcenter. Der Ortsbürgermeister jammert trotzdem über die Medien. Dabei zeigt der Sender eben nicht nur Hartz IV-Empfänger, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. Es werden nicht nur alleinerziehende Mütter, die beim Frühstück einschlafen, gezeigt, weil sie die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Die Macher bemühen sich auch um viel Menschlichkeit in der Serie.

Team war monatelang vor Ort

RTL2 macht in jeder Folge mehr als deutlich, dass es eben nicht nur die überforderten "Assieltern" sind, sondern herzliche Mütter und liebe Väter, die mit ihren Kindern versuchen das Beste zu machen.

Werbung

Da kommen lustige Szenen zustande, wo "Kämpfe" mit Besen ausgetragen werden oder mit Kindern gekuschelt wird. Die Kamera hält eben nicht nur drauf oder zeigt die "zahnlosen Penner", wie man da manchmal auf Facebook die Protagonisten in der TV-Sendung reißerisch bezeichnet. Nein, die Journalisten der Doku sind über Monate bei den Familien, helfen ihnen bei den Ämtergängen oder begleiten sie zur Familienhilfe.

Klischees, aber ohne Sensation

"Hartz und herzlich" zeigt zwar erwartungsgemäß Bilder, die wir über Hartz IV-Empfänger in unseren Köpfen haben. Und ja, die Sendung bedient auch Klischees. Die erfolgreiche Reihe tut dies aber weder sensationsgeil, noch respektlos. Es ist die unverfälschte Wahrheit über das Leben von armen Menschen in Deutschland. Die tut nun einmal weh. Rufmord, Herr Ortsbürgermeister Krillwitz, ist das noch lange nicht. Nur ein Armutszeugnis für die verfehlte Politik in Ihrer Stadt.

"Hartz und herzlich", immer dienstags, 20.15 Uhr, bei RTL2. #HartzIV #Fernsehen