Liebe Bundeskanzlerin, lieber Herr Schulz,

bitte mäßigen Sie sich auf der Stelle bei außenpolitischen Themen im Wahlkampf. Es ist nicht lange her, dass von Ihrer Seite berechtigte Kritik an dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip #Erdogan geübt wurde, weil er in seinem Wahlkampf scharfe Töne gegenüber Deutschland für seine Zwecke benutzte. Ich glaube niemand in unserem Land hätte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen können, dass ausgerechnet die deutsche Elite der Politik sich ebenfalls zu einem solchen Verhalten hinreißen lassen würde. Da wird von Ihnen tatsächlich fröhlich die Beendigung der Beitrittsgespräche zur EU angedroht, völlig ohne zu bedenken, dass in der EU nicht Deutschland alleine das Sagen hat.

Werbung
Werbung

Maßnahmen für Stimmen

Eine unendlich peinliche Unprofessionalität, die der französische Präsident Emanuel Macron dann auch dezent aufgedeckt hat: Frankreich wolle keinen Bruch mit der Türkei, sei gegen eine Beendigung der Beitrittsgespräche, könne sich eher Folgen für weitere Gespräche über die Zollunion vorstellen. Frankreich sehe Ankara als wesentlichen Partner. Wie konnte einer so erfahrenen Staatsfrau wie Merkel oder dem ehemaligen Europapräsidenten Schulz so ein ungeschickter und undiplomatischer Fehler passieren? Erdogan lacht bestimmt immer noch über diesen beherzten Tritt in das türkische Fettnäpfchen.

Alle überbieten sich mit Drohungen

Da hilft es auch nicht, dass andere Parteien, wie die AfD, die Linken oder die Grünen ebenfalls immer schärfere Maßnahmen fordern.

Werbung

Bei den beiden letzteren ist das ja wohl Harakiri mit den eigenen Idealen oder wie stellen sich eigentlich die Linken und Grünen ein Leben mit allen anderen Staaten in Frieden und ohne Krieg vor? Sofort alles hinschmeißen, abbrechen und in die Schmoll-Ecke, nur weil es nicht nach der eigenen Nase läuft? Und dann? Porzellan ist schnell zerbrochen, das Kleben dauert wesentlich länger.

Zurück zu Ihnen, verehrte Kanzlerin und lieber Kanzlerkandidat: Wer sich so fröhlich auf Erdogan einschießt, der könnte von anderem ablenken wollen. Der könnte froh sein, dass er die wirklichen Probleme von Deutschland hinten anstehen lassen kann. Und wer so eifrig auf die immer undemokratischere Türkei zeigt, der könnte davon ablenken, dass auch in Deutschland die Demokratie schon längst unter die Räder gekommen ist. Vor allem unter die Räder der Automobilindustrie.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, aber bitte setzen sie das Gute auch für unser Land und nicht nur für Ihre reichen und mächtigen Freunde um.

Herzliche Grüße

Sigrid #Schulz #Merkel