Von Petra Neubauer.

Sehen Sie es mir nach, liebe Leserinnen und Leser, heute schreibe ich über etwas, von dem ich zwar fachlich keine Ahnung habe, aber eine Meinung dazu. Ich nehme mir diese Freiheit, weil es um die Kunst geht - und über diese lässt sich bekanntlich genausowenig streiten wie über Geschmack als solchen. Und um noch eins oben drauf zusetzen muss ich bekennen: ich mag keine klassische Aquarellmalerei. Sie hatte und hat für mich den Duft der "Hausfrauenkunst" (nichts gegen Hausfrauen, ich bin selbst auch eine). Aber diese verwaschenen Landschaften nach dem dritten Kurs in der Volkshochschule erinnern einen dann doch allzu oft mehr an kunterbunte Rorschachtests als an ernstzunehmende #Kunst.

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Doch dann passierte es. Wir waren in Italien und in einer offenbar gemeinnützigen Galerie lachte mich ein Gemälde an. Eine Paar im Theater war das Motiv, aber das ist nebensächlich.

Wie bitte? Ein Aquarell?

Mit etwas Mühe zog ich meinen schon laufmüden Mann in die kleine Galerie und ließ mir das Bild näher zeigen. Es war matt, aber farbstark, hatte scharfe Berandungen, kaum etwas war verwaschen. Dennoch war es nicht erhaben oder glänzend, wie man es von den üblichen Malfarben (Öl, Acryl, usw.) her kennt. Die Antwort auf meine Frage, um welchen Stil es sich handele, ließ meine Kinnlade herunterfallen. Es war ein #Aquarell! Aber, und da wurde es spannend, keines auf Grundlage von normalen Wasserfarben. In den Händen hielt ich ein "#Aquarellum atramento".

Mehr davon!

Wie ich dank des überaus netten Galeristen lernen durfte, handelt es sich dabei um Bilder, die mit stark verdünnten wasserlöslichen Farben auf Aquarellpapier gemalt werden, aber eben nicht mit Wasserfarben.

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Stattdessen benutzen die Künstler maximal verdünnte Acrylfarben oder auch farbige Tinte, wobei letztere Variante hinsichtlich der hohen Materialkosten offenbar etwas unbeliebt ist. Ich nahm das Gemälde dennoch zu einem zivilen Preis mit und erzählte meinen Freundinnen daheim von dieser etwas anderen Aquarellmalerei. Deren Begeisterung hielt sich in Grenzen, ohne dass sie benennen konnten, warum sie es nicht wenigstens mal mit anderen wasserlöslichen Pigmenten versuchen wollen. Denn ich will mehr als nur dieses eine Aquarellum atramento. Dieser Stil hat etwas ganz eigenes und mir fallen tausend Motive ein, die ich damit gerne gemalt sehen würde. Nur leider bin ich eine künstlerische Analphabetin. Also liebe Malerinnen und Maler, versucht es mal. Wie der Galerist mir sagte, eignet sich jede wasserlösliche Farbe für ein Aquarellum atramento und jede Farbart erschafft einen ganz eigenen "Fingerabdruck". Nur zu, Mut zur Lücke bei der Liebe zur Kunst!