Die Zeit ist gekommen, auf das Thema “Flucht” erneut einen Blick zu werfen. Entledigen wir uns unserer Ambitionen, unserer Vorwürfe und Stereotypen und seien ernst miteinander: Es liegt nicht an den Flüchtlingen selbst, nicht daran, dass sie unser Leben stören oder ändern, es hatte und hat immer mit dem Mangel an Willen zu tun, unser ruhiges, sicheres Leben mit jemanden zu teilen, besonders mit jemandem, der anders ist, eine andere Kultur, Religion, sogar ein anderes Auftreten hat.

Heutzutage glauben wir blind daran, dass die Zeit des Rassismus seit Langem vorbei ist. Wann hat sie aber geendet? Die Menschen sind einfach “zivilisierter”, schlauer, jedoch nicht klüger geworden: statt offen und direkt über die Antipathie anderen gegenüber zu sprechen, lassen sie in ihren Herzen eine Abneigung herangedeihen und wollen keinen Unterschied zum “ewig richtigen Wir” akzeptieren.

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Das Internet ist mit Hassartikeln über #Flüchtlinge überfordert. “Was Flüchtlinge aus uns gemacht haben”, “Das ist mein Land”, “Politisch unerwünscht”, “Wie Flüchtlinge unser Land verändern” – das ist nur eine kleine Zahl von Überschriften in Print- und Online-Medien, die alle Leser mal wieder zum Hass bewegen. Wir haben die Flüchtlinge zu denen gemacht, die an allen unseren Problemen schuld sind. Das ist aber der leichteste Weg: Andere für unsere Misserfolgen verantwortlich zu machen. Nehmen wir zumindest einmal an, dass die Sache an uns selbst liegt. Sollen wir vielleicht unsere Klischees übergehen, ein bisschen Menschlichkeit einschalten und den gesunden Menschenverstand beibehalten. Wir protestieren gegen die steigenden Zahlen der Geflüchteten, verärgert verlangen wir, dass sie nach Hause zurückkehren und verstehen dabei kaum oder sind diesbezüglich einfach gleichgültig, dass es dieses Haus nicht mehr gibt, es ist zerstört gemeinsam mit allen Plänen, Träumen und Hoffnungen.

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Wer trägt die Schuld daran, dass diese Menschen ihr Land aufgrund von Todesgefahr verlassen mussten? Ohne Zweifel würden sie viel lieber daheimbleiben, wo andere Menschen gleich wie sie sind, ein gemeinsames Weltbild, eine gemeinsame Religion und Kultur teilen und nicht kritisieren. Glauben sie: für eine Frau mit Kopftuch ist es genauso außerordentlich eine Frau ohne Kopftuch zu sehen, wie es umgekehrt der Fall ist. Der Mensch wählt nicht sein Geburtsland, er folgt aber den Regel seines Staates, weil er in einem bestimmten Geiste erzogen, an bestimmte Traditionen geknüpft ist.

Wir klagen über die Integrationsschwierigkeiten, die die Flüchtlinge haben. Helfen wir ihnen aber diese Hürden zu überwinden und sich in einem fremden Land wohl zu fühlen? Mit Beurteilung und Missbilligung schauen wir sie auf der Straße, in den Supermärkten und Behörden an. Mit unserem Gebaren zeigen wir ihnen, dass sie überflüssig sind. Aber warum? Ist es eine Entscheidung, die von ihnen kommt, geboren worden zu sein, liegt es in ihrer eigenen Verantwortung, dass in ihren Ländern Krieg, Hunger und Not herrschen und dass die keine andere Wahl hatten, als nach Rettung zu suchen, nach der Möglichkeit ein normales Leben zu führen und glücklich zu sein, ohne Angst, dass jeder Tag auch der letzte sein kann.

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Hören wir endlich auf, die Menschen verändern zu wollen, besser machen zu wollen, so wie wir sind, so wie wir alles machen. Wo gibt es eine Garantie, dass wir richtig sind und dass nur wir alles richtig machen? Versuchen wir mal andere zu akzeptieren, so wie sie sind, und lassen wir uns die Vielfalt an Meinungen, Einstellungen und Vorstellungen feiern. Wo gegenseitiges Verständnis und gegenseitiger Respekt herrschen, ist auch ein Kompromiss, eine Freundschaft möglich.

Wir beschweren uns darüber, dass die Flüchtlinge „für nichts“ Sozialhilfe in Anspruch nehmen, und wenn sie dann Arbeit finden, beklagen wir, dass sie uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen. Wir wiederholen marktschreierische Slogans über steigende Kriminalität, an der Nicht-Christen schuld sind, und verschweigen die große Menge von Christen verübte Strafftaten. Den Stempel des (potenziellem) Terroristen kleben wir jedem Flüchtling auf und vergessen dabei, dass jedes Volk etwas zu schimpfen und zu bedauern hat.

Ärgern wir uns nicht über jene Menschen, die geflohen sind, weil es keine freiwillige Entscheidung war, sondern eine Notwendigkeit, denken wir stattdessen an die Gründe, die alle Geflüchteten dazu zwingen, ihr Heimatland zu verlassen. Wenn nur so viel über mögliche Strategien zur Konfliktlösung oder der Bekämpfung von Hungerkatastrophen in Krisengebieten diskutiert würde wie über die Belastung durch Flüchtlinge, könnten wir viel früher erreichen, dass die Situation entschärft wird. #Hilfe