Professor Axel Schönberger von der Universität Bremen hat Blastingnews eine Uchronie zur Verfügung gestellt. Also eine alternative Weltgeschichte, die unseren Lesern die Situation aus Sicht von Professor Schönberger verdeutlichen soll. Wir veröffentlichen den Text wegen seiner Bedeutung ungekürzt:

Professor Schönberger:

In der deutschen Presseberichterstattung bezüglich der Katalanischen Revolution fallen immer wieder Begriffe wie «Kleinstaaterei», «drohender Zerfall Europas», «Verstoß gegen die spanische Verfassung» und «Separatismus». Entsprechendes Hintergrundwissen scheint zu fehlen. Vielleicht kann mit einer Uchronie verdeutlicht werden, worum es in #Katalonien geht.

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Stellen wir uns doch einmal vor, die Achsenmächte hätten den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Adolf Hitler wäre hochbetagt im Jahr 1975 gestorben. In seinem Testament hätte er verfügt, dass ein nach seinen Weisungen erzogener Prinz aus dem Hause Hohenzollern als Kaiser des Deutschen Reiches eingesetzt werden solle. Die NSDAP begreift aufgrund einer im Jahr 1974 in Japan vollzogenen, friedlichen Kirschblütenrevolution, in deren Verlauf die Japaner Kirschblütenzweige in Panzerrohre steckten, dass sie zumindest einem teilweisen Übergang zu einer Demokratie zustimmen muss, wenn sie die Macht nicht ganz verlieren will. In einer kurzen Phase des «Übergangs» wird eine neue Verfassung des Deutschen Reiches erarbeitet und in Kraft gesetzt, die vorsieht, dass das Deutsche Reich wieder eine konstitutionelle Monarchie wird.

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Die Monarchie kann nunmehr nur dann abgeschafft werden, wenn eine Zwei-Drittel-Mehrheit sowohl des Reichstags als auch der Reichsversammlung für ihre Abschaffung stimmt. Sodann sind Reichstag und Reichsversammlung aufzulösen und neu zu wählen. Dann ist die Abstimmung zu wiederholen. Nur dann, wenn auch bei der zweiten Abstimmung Reichstag und Reichsversammlung für eine Abschaffung der konstitutionellen Monarchie stimmen, darf die Monarchie abgeschafft werden. Zusätzlich zu dieser faktischen Ewigkeitsgarantie wird in die Verfassung aufgenommen, dass der Kaiser, solange er im Amt ist, auch geborener Oberbefehlshaber der Reichswehr ist. Diese darf in bestimmten Fällen auf seinen Befehl - etwa im Falle von Abspaltungstendenzen - auch gegen Teile der Reichsbevölkerung eingesetzt werden. Unterworfene Gebiete, die zum Deutschen Reich gehören, wie beispielsweise Schweden, die Niederlande, Belgien und Polen, erhalten eine begrenzte Autonomie. Alle dort wohnenden Bürger müssen Deutsch lernen und können.

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Sie erhalten aber auch das Recht, ihre Muttersprache zu gebrauchen, die nur in dem jeweiligen Verwaltungsgebiet, nicht aber reichsweit als Amtssprache neben der Reichssprache Deutsch gebraucht werden darf. In den «autonomen Regionen» Schweden, Niederlande, Belgien und Polen werden Reichsdeutsche in so großer Zahl angesiedelt, dass sie dort jeweils auf einen Bevölkerungsanteil von über dreißig Prozent kommen. Ein Austritt aus dem Deutschen Reich ist für die «autonomen Regionen» praktisch unmöglich, da dazu eine Zwei-Drittel-Mehrheit der gesamten Reichsbevölkerung erforderlich wäre und die deutschsprachige Mehrheitsbevölkerung des Reichs, die im übrigen durch ein intransparentes Steuersystem davon profitiert, dass die «autonomen Regionen» weit mehr an Steuergeldern an die Reichsregierung in Berlin abführen müssen, als sie von dort zurückerhalten, billigt den Einwohnern der «autonomen Regionen» kein Recht zu, sich vom Deutschen Reich abzuspalten.

Ewige Monarchie?

Nach langen Verhandlungen erreicht es Schweden schließlich, dass ein zweites Autonomiestatut für Schweden vom Reichstag verabschiedet, von der Reichsversammlung gebilligt und vom Kaiser unterschrieben wird. Daraufhin ruft die Nachfolgepartei der NSDAP, die sich nunmehr «Volkspartei» nennt, das Oberste Reichsgericht an, dem Parteimitglieder der Volkspartei angehören. Obgleich nach seinen eigenen Statuten beschlußunfähig - drei der zwölf Richter waren verstorben, ein vierter hatte die gesetzliche Altersgrenze überschritten -, erklärt das Oberste Reichsgericht das zweite Autonomiestatut für die autonome Region Schweden für in Teilen verfassungswidrig. Daraufhin entwickelt sich in der autonomen Region Schweden eine immer größer werdende Unabhängigkeitsbewegung. Gegen den erklärten Widerstand des Reichskanzlers - er gehört der Volkspartei an und steht in Berlin einer Minderheitsregierung vor - und des deutschen Kaisers, dessen Vater in Interviews stolz zu erklären pflegte, dass er alles, was er sei und habe, dem Führer Adolf Hitler zu verdanken habe, dem er dafür ewig dankbar sein werde, hält die schwedische Regionalregierung dennoch ein Referendum über die Frage ab, ob Schweden ein unabhängiges Land werden solle.

Das Referendum wird durch einen massiven Einsatz der paramilitärischen SS, von der es im Deutschen Reich zwischen 80.000 und 98.000 Mitglieder geben soll - genaue Zahlen sind nicht bekannt -, behindert, rund 800 Schweden, die lediglich friedlich abstimmen wollen, werden zum Teil schwer verletzt. Obwohl die Deutsche Volkspartei bei den letzten Reichstagswahlen am 26. Juni 2016 lediglich 7.941.236 Stimmen erhielt - demgegenüber zählte die autonome Region Schweden am 1. Januar 2016 7.522.596 Einwohner -, hielt sie den Schweden vor, dass ihr Referendum nicht repräsentativ, illegal und verfassungswidrig sei. Zum einen hätte die gesamte Reichsbevölkerung über eine derartige Frage abstimmen müssen, zum anderen hätten sich ja nur ca. 42 Prozent der in Schweden wohnenden Reichsbürger an der Abstimmung beteiligt. Dass rund 90 Prozent der Abstimmenden für die Ausrufung einer Republik Schweden gewesen seien, sei völlig irrelevant. Am 8. Oktober 2017 findet in Stockholm eine Demonstration von Hunderttausenden von Menschen statt, die gegen die #Abspaltung Schwedens vom Deutschen Reich protestieren. Dass es sich dabei überwiegend um Reichsdeutsche handelt, die mit Bussen und Zügen aus dem ganzen Reichsgebiet eigens für diese Demonstration nach Schweden reisten und die größtenteils auch der schwedischen Sprache nicht mächtig sind, fällt der internationalen Presse nicht auf, die sogleich die Meinung vertritt, dass sich durch diese Demonstration auch das andere Schweden geäußert und gegen jeglichen Separatismus ausgesprochen habe.

Kleinstaaterei wird nicht geduldet

Bereits vor dem Referendum ließ die Reichsregierung Panzer in die autonome Region Schweden bringen. Sie plante, die schwedische Regionalregierung nach dem Referendum und einer Unabhängigkeitserklärung gefangennehmen und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilen zu lassen. Mit anderen europäischen Regierungen hatte sie zuvor in Geheimverhandlungen vereinbart, dass diese sich aus der schwedischen Frage heraushalten und zu erkennen geben sollten, dass sie einen eigenen schwedischen Staat keinesfalls anerkennen würden. Die schwedischen Separatisten treten für freie Wahlen, Demokratie, Menschenrechte, die Abschaffung der Monarchie und eine Vergangenheitsbewältigung der Zeit des Faschismus ein, während für die Mehrheit der Mitglieder der Volkspartei Adolf Hitler nach wie vor als größter Staatsmann der deutschen Geschichte gilt. Die Unterzeichnung der Erklärung der Unabhängigkeit Schwedens vom Deutschen Reich soll ihnen nunmehr als Vorwand dafür dienen, die Autonomie Schwedens gänzlich aufzuheben, die Monarchie zu verteidigen, das Land militärisch zu besetzen, jeden Aufstand mit Gewalt im Keim zu ersticken und Maßnahmen zu ergreifen, die schwedische Sprache langfristig aussterben und durch die Sprache Goethes ersetzen zu lassen. Nach wie vor feiert das Deutsche Reich den "Tag der Rasse". Nunmehr wird es auch den Tag der Annexion Österreichs als zusätzlichen Feiertag einführen, um so der historischen Überwindung der Kleinstaaterei zu gedenken und insbesondere Schweden, Holländer, Belgier und Polen auf ewig daran zu erinnern, dass Kleinstaaterei und Separatismus vom Deutschen Reich niemals geduldet werden.

Schlussbemerkung von Professor Schönberger:

Soweit die Uchronie, die verdeutlichen mag, dass und wie die Staaten Europas im Begriff sind, ein Volk im Stich zu lassen, das nach der Charta der Vereinten Nationen ein Recht auf einen eigenen Staat hat und das dieses Ziel friedfertig verfolgt, während der spanische Zentralstaat auf Einschüchterung und Gewalt setzt. Sofern die Deutschen etwas aus ihrer Vergangenheit gelernt haben sollten, müssten sie sich vehement dafür einsetzen, daß es in #Spanien nicht nochmals dazu kommt, dass die katalanische Nation gewaltsam unterdrückt wird! Falls es in Katalonien zu einem von der spanischen Zentralregierung zu verantwortenden Blutbad kommt, trifft die Regierungen der europäischen Staaten und die Europäische Union, sofern sie sich weiterhin heraushalten oder lediglich einseitig zugunsten der spanischen Zentralregierung Partei ergreifen, eine moralische Mitschuld. Niemand wird sagen können, er habe die Folgen nicht vorausgesehen.

Wichtig: Hier wird auf keinen Fall Spanien mit Deutschland des dritten Reichs, oder den Verbrechen, das es begangen hat, verglichen. Das extreme Beispiel dient nur dazu, aufzuzeigen mit welcher Problematik wir es hier zu tun haben.