Keine neunzig Grad Winkel, bunte, verwaschene Aquarellmuster an den Wänden, viel Holz und ein begrünter Schulhof. Schon die Architektur wirkt vereinnahmend und ungewohnt, wenn man zum ersten Mal eine #Waldorfschule betritt.

Diese wurde 1919 von Emil Molt, Besitzer der Zigaretten-Fabrik Waldorf Astoria, für die Kinder seiner Arbeiter, gegründet. Molt beauftragte Rudolf Steiner, einen österreichischen Esoteriker und Philosoph, das pädagogische Konzept zu entwerfen. Dieser hatte die Idee einer freien Schule für Kinder jeder sozialen Klasse und Herkunft.

In der heutigen Welt, in der Numerus Clausus und Leistungsdruck eine Schulkarriere prägen, scheint das Konzept der Waldorfschule, in der es weder Noten noch extremen Leistungsdruck gibt, manchmal nicht mehr zeitgemäß.

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Jedoch sind viele Eltern bereit dazu, ihre Kinder auf genau so eine Schule zu schicken, obwohl diese auch noch Geld kostet. Ob es nun die Unzufriedenheit mit staatlichen Schulen oder die Überzeugung des anthroprosophischen Ansatzes der Waldorfschulen ist, jedes Jahr melden mehr und mehr Elten ihr Kinder an solchen Schulen an.

Oft lernen die Kinder schon ab der ersten Klasse zwei Fremdsprachen, anfangs durch kleine Gedichte und Reime. Musik wird als wichtiges Medium gesehen, um geistige Fähigkeiten zu entwickeln. Bereits von den ersten Klassen an, bis hoch in die Oberstufe wird mit den Händen gearbeitet, ob an Holz, Stein, Ton oder mit Farbe. Das sogenannte 'Namen tanzen', das eigentlich Eurythmie heißt und eine Art Ausdruckstanz darstellt, wird von allen Schülern verpflichtend gemacht. Und das wohl Erstaunlichste ist, dass jede Klasse die ersten acht Jahre den gleichen Klassenlehrer oder die gleiche Klassenlehrerin hat, der oder die jeden Morgen zwei Stunden verschiedenste Fächer unterrichtet.

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Oft ist das Lehrpersonal nicht staatlich anerkannt und unterrichtet in Themengebieten, welche es nicht zwingend studiert hat. Jedoch wird auf jeden Schüler individueller eingegangen und es gibt vermehrt Elterngespräche. Das Zeugnis am Ende des Jahres ist kein einfacher Zettel mit einzelnen gedruckten Zahlen, sondern vier komplett beschriftete Seiten, auf der jeder Lehrer seine individuelle Meinung zu dem jeweiligen Kind bekundet. Aus diesem Grund dürfen die Schüler ihr Zeugnis erst ab der Oberstufe selber lesen. Sie bekommen dafür ein Gedicht beigelegt, das sie über die Ferien lernen müssen und dann jede Woche am Wochentag ihres Geburtstages vortragen.

Und warum das alles?

Heutzutage hat schon das neunjährige Nachbarskind ein Smartphone, spielt Pokemon Go und postet Selfies auf Instagram. Die Interessen der Generation 'Digital Natives' drohen immer einseitiger zu werden. Eltern sollten sich fragen, ob es ihr Kind schlauer macht, wenn es lernt ein Smartphone korrekt zu bedienen oder wirkliche geistige Herausforderungen meistert.

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In einer empirischen Studie stellte Dirk Randoll, Professor für Erziehungswissenschaften an der Alanus Hochschule, fest, dass Waldorfschüler sogar freudiger lernen als Staatsschüler und ihre Interessen und Stärken besser kennen lernen.

Jahrelang wird jeden Morgen derselbe Spruch gesprochen

Ob es nun Sinn macht, in der zwölften Klasse mit seidenen, wallenden Gewändern zu klassischer Musik zu tanzen, ist fraglich.

Alles in allem scheint der atypische Schulweg mit der Waldorfschule ein interessanter zu sein, der wohl jedes Kind speziell fordert und vor allem in unserer heutigen, modernisierten Welt einen Gegenpol schafft. #Bildung #RudolfSteiner