#Frauke Petry ist nach Bernd Lucke die zweite Bundesvorsitzende der #AfD, die der Partei den Rücken kehrt. In den Medien werden bei beiden oftmals ein "Rechtsrutsch" der Partei als Austrittsgrund kolportiert. Und in der Tat taten sich beide mit dem Flügel, Organisationsplattform der Nationalkonservativen, schwer.

Petry störte sich am sozialpolitischen Linksrutsch

Weniger bekannt ist hingegen, dass sowohl Petry als auch Lucke inhaltlich für einen neoliberalen Kurs der Partei standen. Als die AfD gegründet wurde, wurde sie noch von Wirtschaftsprofessoren dominiert, von denen viele ähnliche Ansichten vertraten. Mittlerweile verfügt die Partei zwar immer noch über eine hohe Akademikerquote, allerdings haben sich die meisten Wirtschaftsliberalen längst zurückgezogen.

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Als Frauke Petry nun jüngst von der WELT AM SONNTAG gefragt wurde, was denn ihre wichtigsten Gründe für den Austritt waren, nannte sie am Anfang weder #Björn Höcke, noch den Rechtsrutsch, sondern sagte zunächst:

"Einer der Gründe ist, dass sich die AfD aus einer liberal-konservativen in eine sozialpatriotische Partei verwandelt. Ein Beispiel ist das Ja der AfD zum Mindestlohn. Der kann nur eine sozialpolitische Krücke sein, nötig aber wäre, dass der Staat den Bürgern mehr Netto vom Brutto lässt. Bei Hartz IV wäre auf das Lohnabstandsgebot zu achten, man muss über eine Existenzgrundsicherung nachdenken. Bei diesen Themen hat sich die AfD sehr weit von den umfassenden Reformansätzen entfernt, die sie noch 2013 hatte, und nähert sich der SPD an."

Mindestlohn, Leiharbeitsbeschränkung, Arbeitslosengeld: So links ist die AfD mittlerweile wirklich

Erst auf Nachfrage gab sie den Rechtsrutsch ebenfalls als Grund an.

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Und in der Tat hat sich eine Mehrheit der Parteimitgliedschaft in einer internen Abstimmung für den Mindestlohn ausgesprochen, weswegen er auch schon länger im Programm der Partei steht. Die AfD setzt zudem auf eine stärkere Beschränkung von Leiharbeit, möchte die Wasserversorgung nicht privatisieren und steht Gentechnik skeptisch gegenüber. Arbeitnehmer, die vorher länger berufstätig waren, sollen auch länger Arbeitslosengeld erhalten. All diese Punkte entstammen nicht wenig repräsentativen Einzelaussagen von Funktionären, sondern stehen genau so im Bundestagswahlprogramm. In der Partei selbst wird längst über noch viel mehr diskutiert: Die Bürgerversicherung ist kein Tabuthema mehr, ebenso wenig das bedingungslose oder -arme Grundeinkommen.

Sozialpolitische Anti-AfD-Thesen haben mit der Parteiwirklichkeit nichts mehr zu tun

Die vermeintlichen AfD-Thesen, die Gewerkschaften und linke Aktivisten vor der Bundestagswahl verbreiteten und die den angeblich unsozialen Charakter der Partei belegen sollten, entstammen hingegen meist der Gründungszeit und sind heute längst nicht mehr Beschlusslage der Partei oder auch nur im Ansatz mehrheitsfähig.

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Damit hat sich die AfD sozialpolitisch ein ordentliches Stück nach links bewegt und damit hin zu den Menschen, die die Partei überdurchschnittlich oft wählen: Arbeiter und Angestellte.

Es ist nicht nur der Nationalkonservatismus, der aktuell Mitglieder zum Austritt bewegt, sondern bei ihnen handelt es sich vor allem um die Neoliberalen, die auf eine rechtere FDP hofften und sich nun nicht mehr vertreten fühlen.