Der Fußball befindet sich im Wandel. Nach der Einführung der Torlinientechnik ist seit Beginn dieser Bundesligasaison der Video-Beweis in den deutschen Stadien angekommen. Seinen Sinn, das Spiel fairer zu gestalten, erfüllt er bislang nur teilweise. Einmal scheitert es an der Kommunikation mit dem Video-#Schiedsrichter in Köln, das andere Mal ist die Regelung unklar, wann der Video-Assistent wirklich eingreift. Minutenlanges Warten, Verwirrung und gehemmte Freude der Zuschauer ist das Resultat. Dabei kann der Fußball in der Herangehensweise des Video-Beweises, von anderen Sportarten so viel lernen.

Vorbild amerikanischer Sport

In politischer Hinsicht sollte Amerika kein Vorreiter mehr sein, doch in der Regelung des Video-Assistenten können die europäischen Top-Ligen noch viel von den Amerikanern lernen.

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Ob Baseball, Eishockey oder American Football, die Verantwortung für das Eingreifen des Videobeweises liegt hier längst nicht mehr bei den Unparteiischen, sondern bei den Mannschaften selbst. Diese Änderung würde zum sogenannten Challenge-Recht führen. Die Gestik bleibt, nur der Entscheidungsträger für den Eingriff ist ein Anderer. Jedes Team hat pro Halbzeit eine Challenge. Diese erlaubt es Schiedsrichterentscheidungen per Video-Nachweis zu kontrollieren. Liegt die Mannschaft mit der Überprüfung richtig, bekommt sie ihren Versuch zurück. Ist die Challenge falsch, steht für die verbleibende Zeit der gespielten Halbzeit keine mehr zur Verfügung. Allerdings sollte vorher bestimmt werden, welche Akteure Zugriff auf den #Videobeweis haben.

Die Vorgehensweise bereits in der Öffentlichkeit präsentiert hat unter anderem Johannes B. Kerner. Er wurde für diese Idee im Doppelpass von Armin Veh zwar nur belächelt, doch prominente Befürworter hat der Moderator durch Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl und dem Hoffenheimer Julian Nagelsmann.

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Challenge als taktisches Mittel?

Zweifler dieser Idee befürchten, der Videobeweis könne zu stark in Richtung eines taktischen Mittels tendieren, indem die eine Mannschaft durch eine längere Unterbrechung aus dem Rhythmus gebracht wird. Möglich – aber nicht gerade clever, denn jedes Team hat, wie im deutschen Feldhockey auch, nur eine Challenge pro Halbzeit. Diese Begrenzung minimiert die Wahrscheinlichkeit eines taktischen Nutzens immens. Zu unberechenbar ist das Geschehen im #Fußball und zu riskant wäre die Verschwendung der Überprüfung. Und wer seine einzige Challenge pro Halbzeit leichtfertig verbraucht, hat schlichtweg Pech gehabt. Trotzdem sollte auch hier erst einmal klar abgesteckt sein, wann der Video-Beweis überhaupt verwendet werden darf.

Die Sorge, der Video-Beweis entfremde den Fußball, denn schließlich gehören Diskussionen um Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zum Sport dazu, braucht sich niemand machen. Zu undefiniert ist der Bereich den der Kenner nur als „Ermessen des Schiedsrichters“ betitelt. Eine hitzige Diskussionsrunde nach den Spieltagen bleibt trotz Challenge garantiert.