Ich hasse dich! Du gemeiner, dummer Mensch! Ich schreie innerlich und frage mich, was man ihm wohl angetan hat, weshalb ausgerechnet er meinen Tag versauen muss. Dieser Besserwisser. Dieser Miesepeter. Dieser Fremde.

Jeder kennt ihn. Mehr oder weniger gut getarnt läuft er zahlreich in unserer #Gesellschaft umher bis er irgendwann zuschlägt. Der #tagversauer. Gerade eben so einem Kandidaten begegnet, können Sie sich vorstellen in welcher Stimmungslage ich nun in die Tasten meines Laptops haue. Meine Gedanken schwappen über. Also versuche ich mal zu ordnen: Mann, fremd, offensichtlich Tierhasser, Tagversauer. Mehr bekomme ich nicht hin.

Werbung
Werbung

Mit einem simplen Kommentar schaffen es wildfremde Menschen, dass man unfreiwillig die restlichen Stunden seines Tages damit verbringt, über diese eine Situation nachzugrübeln. In Zeitlupe. Als hätte ich nichts Besseres zu tun. Als wären Netflix und Fußpflege keine überaus wichtigen Aufgaben. Wie in Dauerschleife klingen die Worte durch meinen Kopf. "Halten Sie Ihren Hund besser fest!" Ein harmloser Satz. Trotzdem schreie ich, mittlerweile zu Hause, nicht mehr leise sondern laut gegen die Wand. Warum? Waarum? Warum haben diese Menschen nichts Besseres zu tun, als mich anzuplautzen und den Tag zu versauen?

Tagversauer sind überall

Und ich? Ich antwortete in diesem Fall mit dumm aus der Wäsche schauen, während ich versuchte meinen Hund zu beruhigen, der den Tagversauer ankläffte. Was kann ich denn dafür, dass er Sie einfach nicht mag? Ja! Das hätte ich mal sagen sollen.

Werbung

Oder: "Tschuldigung, er bellt auch wirklich nur gemeine Leute an!" Ich bin einer von diesen super smarten Kandidaten, die anschließend immer wieder durchgehen, was sie an Ort und Stelle hätten sagen sollen. Denn meistens beschränkt sich meine Reaktion auf ein großartiges Schweigen. Und schuldig/überrascht gucken. Zu perplex von der plötzlichen Anfuhr, kommt manchmal noch ein 'okay' oder 'was?' heraus.

Dabei sind Tagversauer doch überall. Da sollte es echt mal ein Handbuch für geben. "Schlaue Konter gegen Miesepeter". An der Supermarktkasse, auf der Straße, in der Bahn. Da warten sie, diese grimmigen Kraken damit sie ihre langen Arme um dich legen und dich für die nächsten Stunden nicht mehr loslassen. Beim nächsten Mal ein flotter Spruch und Tagversauer bekommt seine Krakenarme sowas von ins eigene Gesicht gefeuert, dass er blau anläuft. Verdient hast du es!

Denn warum, um Himmels Willen, hast du dich von diesem Hundebellen, der Hund war an der Leine und noch ein gutes Stück von dir entfernt, so angegriffen gefühlt, dass du mich anblaffen musstest? Waren deine Zigaretten leer? Hast du dein Handyladegerät verloren oder gab es kein Toilettenpapier mehr? Was auch immer es war, am allerwenigstens sind ich oder mein kleiner, süßer Hund schuld.

Werbung

Gut, ich kann leider immer noch nicht verhindern, dass er fremde Menschen anbellt. Toll finde ich das Gekläffe auch nicht, aber ein Grund gleich zum Gegenangriff überzugehen, ist es noch lange nicht. Oder ist deine Männlichkeit so klein, dass ein Bellen diese untergräbt?

Und dann auch noch Schuldgefühle

Wieder etwas beruhigt, grüble ich schließlich sogar ernsthaft darüber nach, ob der Tagversauer etwas Schlimmes erfahren hatte und das Fass einfach übergelaufen war. Jeder hat das mal. Für gewöhnlich trifft der Ausbruch dann den Partner, die Eltern oder Freunde. Aber Fremde? Harmlos, nicht beteiligte, lebensfrohe Menschen? Du solltest dich schämen. Ich kann mich an keinen einzigen Moment erinnern, wo ich jemand Fremdes zu Unrecht angeblafft habe. Ich bin gewiss keine Heilige, aber dafür wäre ich viel zu schüchtern. Ich nehme Situationen ja oft sogar hin, wenn ich zu Recht meckern könnte.

Mein Frust hat sich dank Schreibens etwas verflüchtigt und ich bekomme Schuldgefühle. Toll, jemand will mir den Tag versauen und ich bekomme Schuldgefühle. Ist es meine Schuld, dass ich so reagiere? Bin ich ein Sensibelchen? Immerhin lasse ich zu, dass ein Wildfremder die Macht hat, über meinen Gemütszustand zu entscheiden. Mir ist bewusst, ich sollte mir das nicht so zu Herzen nehmen. Der Tagversauer hat es bestimmt schon längst vergessen. Und der Tagversauer ist vielleicht auch gar kein Tierhasser, sondern lebt mit neun Katzen, sieben Hunden und 14 Hühnern zusammen in seiner Gnomhütte tief im Wald. Und da wir jetzt geklärt haben, dass er ein gemeiner, kleiner Zwerg mit geringem Selbstwertgefühl ist, muss ich mir darüber auch nicht mehr der Kopf zerbrechen. Die Welt hat echt größere Probleme. Zum Beispiel Hunger! Oder Krieg! Oder der Kliffhanger am Ende der ersten Staffel von "The Good Wife". #Alltag