"Wer schaut schon Frauenfußball? Das ist doch voll schlecht!", das ist die Standardaussage meines jüngeren Bruders. Klar, dass ich mich - als leidenschaftliche Fußballerin - über solche Aussagen ärgere. Leider hat er recht. Wer schaut schon Frauenfußball?

Und: Warum schaut das kaum jemand? Warum ist es so schlecht bezahlt und unpopulär?

Es gibt keine grundlegenden Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball: Es sind jeweils 11 Spieler/innen, ein Ball, zwei Tore und ein Platz mit Mittellinie, Strafraum und Auslinien. In beiden Fällen wird mit dem Fuß gespielt und nur der Torwart darf die Hände benutzen. Auch die Abseits- und Ball-Aus-Regelungen sind bei den Frauen genauso wie bei den Männern - und trotzdem schauen mehr Menschen Männerfußball.

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Ich wollte wissen warum. Und habe 30 Personen in meinem persönlichen Umfeld gefragt, ob sie lieber Männern oder Frauen beim Fußball spielen zusehen und warum sie was tun. Das Ergebnis war nicht sonderlich überraschend für mich: Mit 66,6% waren eindeutig mehr Menschen dabei, die Männerfußball bevorzugen. Aber warum??

Das meist genannte Argument war, dass Männerfußball einfach populäerer ist. Es kommt im Fernsehen, wird von den Medien unterstützt und irgendwie kann auch fast jeder mitreden. Männer schauen es wegen der Schnelligkeit, der Spieltechniken und der flüssigen Ballführung und viele Frauen eben wegen den "süßen Spielern". Überall in Werbungen sind Fußballspieler unserer Nationalmannschaft zusehen, "man kennt sie eben einfach". Um zu verstehen, warum Frauenfußball nicht so verbreitet ist, muss man einen Blick in die Geschichte werfen.

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Britisches Fußballverbot für Frauen

Komisch daran ist, dass Frauenfußball früher schon einmal berühmt war. Seine beste Zeit hatte der Frauenfußball kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Grund dafür war, das die meisten Männer an der Front kämpfen mussten und so im Prinzip nur Frauen spielen konnten, was vielen Menschen selbstverständlich vorkam und eine Abwechslung zum Alltag bedeutete. Ohne Vorahnung hatte das aber ein jähes Ende, denn der englische Fußballverband (FA) verbot von einem Tag auf den anderen Frauenfußball zu spielen, mit der Begründung, "#Fußball sei für Frauen nicht geeignet". Treten wäre nicht weiblich und deshalb könne der Fußball nur noch von Männern ausgeübt werden. Dies versuchten die Frauen in den 1960er Jahren zu ändern und beschwerten sich über diese Entscheidung. Diesem Druck konnte die UEFA nicht wirklich Stand halten und so beschlossen die Vorgesetzten des Fußballverbandes, den Frauenfußball wieder mit aufzunehmen und anzuerkennen.

Das Geld fließt zu den Männern

Von da an gab es dann auch Weltmeisterschaften und weitere Turniere, dennoch trifft der Frauenfußball auch heute noch nicht auf weltweite Akzeptanz.

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Während von den einen die Meinung vertreten wird, Frauen sollten beim Spielen knappere Klamotten tragen, wie zum Beispiel beim Volleyball (was fast ausschließlich von Männern unterstützt wird), finden andere immer noch, Fußball wäre ein männlicher Sport und so überhaupt nicht für Frauen geeignet. Männerfußball hingegen wird von der Mehrzahl der Sportinteressierten unterstützt und bringt somit durch Turniere, Werbeverträge und verkaufte Karten signifikant mehr Geld, was dann wiederum in die Unterstützung und Ausstattung der Spieler investiert wird. Frauenfußball ist "nicht üblich" und somit sehr schlecht bezahlt. Deshalb ist Männerfußball einfach mehr vertreten und somit logischerweise auch populärer.

Unterstützung verdient

Dennoch hat es wohl auch etwas mit der Spielart zu tun, warum Männerfußball lieber geschaut wird. Viele meiner Befragten erklärten mir, dass die Schnelligkeit, die Ballbehandlung und die Vielseitigkeit der Spielzüge den Ausschlag geben, warum sie Männerfußball schauen, da dies bei den Männern wohl mehr gegeben wäre.

Mein Appell an euch: Leute, schaut Frauenfußball!! Ihr könnt natürlich trotzdem noch Männerfußball schauen, das eine schließt das andere ja nicht aus. Ich glaube, Frauenfußball ist auf einem guten Weg und hat noch sehr viel Potential, das Unterstützung verdient. Und auch mein jüngerer Bruder wird das eines Tages einsehen müssen! #Nationalmannschaft