Was für etwa 900.000 Deutsche Veganer (Laut einer Marktforschungsstudie) bei der Ernährung schon längst dazugehört, erreicht jetzt auch die #Mode. Unzählige Berichte über die Quälerei von Tieren, bewegen immer mehr Menschen zu dem Wunsch besonders umwelt- und tierfreundliche Produkte zu konsumieren. Kleidung, die ganz ohne tierische Produkte auskommt, erfreut sich daher wachsender Beliebtheit. „Vegane Mode definiert sich dadurch, dass die Stoffe und Materialien, die verwendet werden, nicht tierischen Ursprungs sind“ erklärt Stephanie Stragies vom „Vegetarierbund Deutschland“.

Vegane Mode - Das klingt im ersten Moment nach einem absurden neuen Trend - aber weit gefehlt. Vielen ist gar nicht bewusst, auf welche Weise Tiere bei der Erstellung von Klamotten gequält werden. Für eine Bluse aus reiner Seide zum Beispiel, werden teilweise verpuppte Seidenraupen mit heißem Dampf oder kochendem Wasser getötet. Seide kann zwar auch ohne Tierquälerei gewonnen werden, das ist allerdings auch viel teurer und sehr viel aufwendiger.

Viele kaufen sich Lederschuhe, da sie der Ansicht sind, dass das Tier sowieso für sein Fleisch getötet werden müsse: „Bei Leder denkt man, es sei ein Abfallprodukt. Das ist aber ein Irrtum“ sagt Christian Vagedes, Vorsitzender der „Veganen Gesellschaft Deutschland“. Nach Angaben der Tierrechtsorganisation „Peta“ werden allein 40 Prozent der Tiere wegen ihres Leders geschlachtet – nicht aber für das Fleisch.

Ähnlich verhält es sich bei der Wolle. Die meisten Menschen gehen davon aus, Schafe grasen den ganzen Tag auf der Wiese und einmal im Jahr werden sie dann geschoren. Von wegen – in Australien, dem Haupt-Wollproduzenten werden Tiere in großen Gruppen in engen Umzäunungen gehalten und durch Chemiebäder getrieben um Insekten aus dem Fell zu entfernen. Noch dazu wird das „Museling“ dort betrieben. Dabei wird den Lämmern der Merinoschafe ohne Betäubung ein Stück Haut um den After weggeschnitten, um den Befall von Fliegenmaden zu verhindern. 

Immer mehr Designer verzichten auf tierische Materialien wie Pelz, Angora, Federn, Wolle, Seide, Daunen oder Leder. Auch Kunstpelz ist noch immer ein Problem, da es sich dabei auch um falsch deklarierte Hunde- oder Katzenpelze aus China handeln könnte. Der Vorteil von veganer Kleidung ist, dass natürliche und recycelte Materialien und synthetische Stoffe, sich fast genauso anfühlen wie die eigentlichen Stoffe und auch optisch Einiges hermachen.

Tierfreie Alternativen

Die „Brigitte“ stellt einige tierfreie Alternativen vor: Schuhe aus Echtleder zum Beispiel, diese können auch durch hochwertige Kunstlederschuhe ersetzt werden. Nur bei Plastik-Alternativen ist Vorsicht geboten, dieses ist schlecht für die Umwelt und um das Material elastischer zu machen, werden meist gesundheitsschädliche Weichmacher genutzt. Besser ist da Polyurethan. Dies wird von Designern meist als Lederersatz bei Schuhen genutzt, da es dehnbar und atmungsaktiv ist, aber keine Weichmacher enthält.

Im Sommer können zum Beispiel Stoffschuhe aus Baumwolle, Leinen oder Hanf eine gute Wahl sein, für Gürtel und Geldbörsen eignet sich besonders Kork.

Bambusfasern können eine gute Alternative zu purer Seide sein, da sich der Stoff weich und glatt anfühlt, so als wäre es Seide, allerdings ist es völlig tierfrei. 

Gut sind innovative Fasern aus Naturstoffen, wie Lyocell (auch besser bekannt als Tencel), das aus Eukalyptusholz hergestellt wird. Im Jahr 2000 wurde dieses mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet. Das Material ist biologisch abbaubar, ist angenehm glatt sowie knitterarm und elastisch.

Vegane Mode findet sich auch in den üblichen Klamottengeschäften 

Wer sich nicht mit Luxusmarken einkleiden möchte und trotzdem auf vegane Kleidung, aufgrund des kleinen Geldbeutels nicht verzichten möchte, kann auch bei H&M oder einem anderen Klamottengeschäft ein Shirt aus Baumwolle und eine Jeans ohne Leder erwerben: „Verbraucher finden heute schon viel vegane Mode in den Geschäften, es steht nur nicht explizit drauf“, erläutert Frank Schmid von der Tierschutzorganisation Peta. „Viele Firmen verwenden bei Schuhen Kunstleder oder andere Stoffe wie Leinen oder Baumwolle.“

Verschiedene Unternehmen wie H&M, Puma und Adidas verwenden auch ausschließlich Museling-freie Wolle. 

Der Teufel steckt im Detail

Es gibt Einiges, was beim Kauf von veganer Mode beachtet werden muss: „Manchmal sieht ein Produkt vegan aus, man muss dann aber genauer hingucken“ erklärt die Expertin Stephanie Stragies. Denn wer sich wirklich vegan kleiden will, muss auf die kleinen Details achten - Daunen in der kuscheligen Winterjacke, Perlmuttknöpfe an der Lieblingsbluse oder Hornknöpfe am stilvollen Jackett, diese sind nicht tierfrei und dadurch tabu. „Ein Klassiker ist auch ein Lederpatch an der Jeans – das ist etwas, das viele Menschen nicht entdecken“, erklärt Frank Schmid von Peta. Und wer einmal seinen Kleiderschrank durchschaut, dem wird auffallen, dass nahezu keine Jeans ohne Lederpatch auskommt.

Doch manchmal reicht auch das geschulte Auge nicht, um tierische Materialien in Kleidung zu erkennen: „Viele Menschen wissen nicht, dass auch in Nebenmaterialien tierische Inhaltsstoffe verarbeitet werden können, etwa im Klebstoff“, sagt Christian Vagedes. In Kleber können nämlich Knochenreste und Tierhäute stecken. Ein sehr unangenehmer Gedanke für den Träger eines solchen Kleidungsstücks.

Bisher ist leider noch kein einheitliches Siegel gefunden, dass die vegane Mode auch als solche auszeichnet, doch Peta hat seit Oktober 2013 zumindest schon mal ein „Peta-Approved-Vegan-Logo“, das allerdings bisher nur sehr wenige Hersteller nutzen und daher auch nur auf wenigen Kleidungsstücken verwendet wurde.

Wer also Tiere und Umwelt schonen will, liegt mit der veganen Mode absolut im Trend. Und gut aussehen und anfühlen tut sich’s auch – also wieso sich nicht ein bisschen umstellen um die Modebranche in dieser Richtung zu unterstützen. Wer noch keine richtige Idee hat, wie er an vegane Kleidung rankommt, wird auf der Seite von Peta fündig – dort ist eine Liste von Veganen Online Shops in Deutschland aufgeführt. Darüber hinaus gibt es in vielen deutschen Großstädten auch schon Geschäfte, die nur vegane Mode führen. #Gesundheit