Wer in diesen Tagen die Zeitung liest, könnte fast den Eindruck gewinnen, dass böse Rocker geradezu versuchen das Land zu übernehmen. Die #Hells Angels breiten sich im Norden aus und auch die Osmanen Germania expandieren im ganzen Land. Dies ist natürlich ein gefundenes Fressen, um die Bevölkerung weiter zu verunsichern und von anderen Problemen im Land abzulenken.

Hells Angels auf dem Vormarsch

In Bremen wird am 25. Februar eine Bürgerschaftsanfrage zu dem Status der Hells Angels behandelt. Diese liegt in der Expansion des Klubs in anderen Städten, sowie Facebook-Fotos von Mitgliedern des Bremer Chapters begründet. Grund genug für die Bild in der letzten Woche zu schreiben, dass der seit 2013 in der Hansestadt verbotene Motorradklub wieder zurückkehren würde. Dabei wird ein Politiker von der Zeitung mit den Worten zitiert, dass die Bremer Polizei an ihre Grenzen stoßen würde, wenn sie sich nun auch noch mit der Rockerkriminalität auseinandersetzen müsse. Solche Aussagen verunsichern natürlich große Teile der Bevölkerung und verstärken die ohnehin schon negativen Vorurteile gegenüber der Hells Angels und anderer Motorradklubs. Dabei wird dieses Image jedoch häufig durch Panikmache und Falschmeldungen beeinflusst. Sowohl das Bremer Innenressort als auch die Bremer Polizei haben den Bericht auf Anfrage der NOZ dementiert. 

Anders stellt sich die Situation in Lübeck dar. Das LKA bestätigte gegenüber der SHZ, dass der Klub hier seit Anfang Januar wieder aktiv sei und sich die Mitglieder in Lübeck in ihren Kutten präsentierten. Allerdings seien bisher keine Straftaten bekannt . Nichtsdestotrotz sagte Schleswig-Holsteins Innenminister in den Lübecker Nachrichten, dass die Rocker eine erhebliche Bedrohung für die Gesellschaft darstellen würden und die Polizei daher auch zukünftig an ihrer Null-Toleranz-Politik festhalten werde.

Osmanen Germania sind keine Rocker

Die Berichterstattung hinsichtlich der Osmanen Germania ruft dabei sogar noch mehr Kopfschütteln hervor. Obwohl der Klub schon länger besteht, vergeht seit Anfang des Jahres fast kein Tag, an dem nicht mindestens eine Zeitung über die Expansion des Box-Clubs berichtet, diese als Rocker bezeichnet und von einem bevorstehenden Krieg mit den Hells Angels spricht. So schrieb die Welt gestern „Wir kommen und übernehmen das ganze Land“ und der Focus legt heute mit der Überschrift „Bis zum letzten Tropfen Blut. So gefährlich sind die Osmanen“ nach. Die Liste solcher panikmachenden Headlines und größtenteils auf Vermutung basierenden Artikel ließe sich noch endlos fortführen. Verschwiegen wird dabei jedoch fast systematisch, dass es sich nicht um Rocker handelt. Zudem hat selbst der Chef des LKA in NRW gegenüber Vice geäußert, dass die Gruppe bisher kaum in Erscheinung getreten ist und es momentan keine Anhaltspunkte gäbe, dass diese im sogenannten Rockermilieu tätig werden wollen. In Zeiten der Flüchtlingskrise, eignet sich jedoch anscheinend ein von Migranten geführter Klub der das Land übernehmen möchte hervorragend, um die verängstigt Bevölkerung weiter zu verunsichern.

Politik will stärker gegen Hells Angels und Co. vorgehen

Die Berichterstattung hinsichtlich der Hells Angels und Osmanen Germania scheint ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Während NRW-Innenminister Ralf Jäger weiterhin von einer Null-Toleranz-Politik hinsichtlich der Rocker spricht, wird ihm von der Opposition unterstellt, die Lage nicht im Griff zu haben. FDP-Innenexperte Marc Lürbke und CDU-Innenpolitiker Gregor Golland sprachen im Kölner Stadtanzeiger von einer besorgniserregenden Entwicklung und rechtsfreien Räumen im Land. Dementsprechend fordern sie eine massive personelle Aufstockung der Polizei, damit zukünftig mehr observiert und sanktioniert werden könne. Inwieweit die sogenannten Rocker jedoch tatsächlich ein akutes Gefahrenpotential für die Allgemeinheit darstellen ist zumindest fragwürdig. Auf dem Weg zum Polizeistaat und gläsernen Bürger scheint dies jedoch nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.