"Es handelt sich um ein furchtbares Einzelversagen in dieser Situation." Der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese fasst so den Ermittlungsstand zum Unglück von Bad Aibling mit elf Toten und über 80 Verletzten zusammen. Nach Aussagen der Ermittler könne der Zusammenstoß der zwei Regionalzüge auf menschliches Versagen zurück geführt werden. Gegen den 39-jährigen Fahrdienstleiter sei ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr eingeleitet worden. 

Dabei ist zu betonen, dass die Tat als fahrlässig und nicht als vorsätzlich bewertet wird. Das ist entscheidend beim Strafmaß und auch bei der Prüfung, ob ein Haftbefehl ausgestellt werden muss. "Es liege kein Haftgrund vor", sagte Giese auf einer Pressekonferenz. "Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche. Und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren." Der Fahrdienstleiter befinde sich inzwischen an einem sicheren Ort. Dabei sei er für die Ermittler stets erreichbar. Solche Vorkehrungen werden getroffen, um auch den Beschuldigten vor Racheakten zu schützen. Dem Beschuldigten gehe es nicht gut.

Der Fahrdienstleiter soll sich zunächst auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen haben, sich dann jedoch am vergangenen Montag mit seinem Rechtsbeistand einer mehrstündigen Vernehmung gestellt haben. Dabei komme nach derzeitigen Aktenlage die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss: "Hätte der Fahrdienstleiter sich regelgerecht, also pflichtgemäß, verhalten, dann wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen." Was der Beschuldigte genau den Ermittlern mitgeteilt habe, wurde nicht bekannt gegeben. 

Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Ermittler aber davon aus, dass der Beschuldigte ein Sondersignal gegeben hat, das nicht hätte gegeben werden dürfen. Dabei soll es sich um das Signal "ZS1" handeln - drei weiße Punkte, die dem Lokführer signalisieren, er dürfe das rote Licht überfahren. Oberstaatsanwalt Jürgen Branz hierzu: "Der Fahrdienstleiter habe noch einen Notruf abgesetzt, als er seinen Fehler bemerkt habe." Doch der Notruf ging ins Leere.

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