75.000 Menschen, 4.000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, strömten innerhalb der ersten beiden Messetage durch fünf Hallen. 2.250 Aussteller aus 42 Ländern. Wer sich regelmäßig über die Neuigkeiten der Verlagsbranche informiert, weiß: ohne Plan fliegt die Zeit. Doch so gelingen Entdeckungen und Begegnungen, die kaum planbar sind.

Junge Menschen drängen sich fasziniert um eine sonst im Leipziger Museum für Druckkunst beheimatete Buchdruckmaschine. Industriekultur zum Anfassen.

Carsten Alex kennt sich mit Auszeiten bestens aus. Der frühere Manager ist um die Welt gereist. Er war Jahre unterwegs und weiß, wie schwierig es ist, zurück in den Alltag zu finden. Darüber hat er mehrere Bücher veröffentlicht. Trotzdem sagt er: „Schreiben ist eher mein #Hobby.“ In seinem aktuellen #Buch stellt er ein wissenschaftlich fundiertes und praktisch erprobtes Sechs-Schritte-Programm für professionelles Selbstmanagement vor. Der Buchmesse-Debütant meint: „Wir müssen uns von der endlosen Burnout-Debatte lösen und konstruktive Ansätze finden, wie wir mit den täglichen Herausforderungen der Arbeit und des Lebens umgehen können.“

„Dein Garten ruft“, lockt ein Plakat. „Entdecke Deine Liebe zur Natur“, ein anderes. Nebenan ein Studienratgeber. Schon gewusst? Sechs Prozent der Texte einer Hausarbeit entstehen in der ersten Woche. Ein Viertel im ersten Monat. Und der Rest? 69 Prozent in der Nacht vor der Abgabe… Kein Wunder, dass Anti-Stress-Lektüre boomt.

Mit „Märkischen Superlativen“ wartet der Verlag „Die Mark Brandenburg“ aktuell auf. Eben erschien das 100. Heft der monothematischen Magazin-Reihe. Verlagsgründerin Lucie Großer (1914 -1997) war nicht nur die erste Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine Lizenz als Kinderbuchverlegerin erhielt. „Sie war auch die einzige Verlegerin der DDR“, berichtet Historiker Marcel Piethe. „Heimatkunde, auch für Zugezogene, kommt gut an“, freut sich der heutige Herausgeber.

Alle Stühle sind besetzt, als Christian Discher aus seinem im UnderDog-Verlag erschienenen Buch „Die Stimmen der Übriggebliebenen“ liest. Als Teenager war er in die Mühlen der Psychiatrie geraten. Vor ihm steht ein schwarz umrahmtes Schwarz-Weiß-Foto. Discher erzählt über medikamentöse Zwangsbehandlungen, Körbe-flechtende „Idiotenarbeit“ und wie er kurz vor dem Abitur Mohrrüben ausmalen sollte. Im Buch verarbeitet er Tagebuchnotizen. „Als Vermächtnis für ehemalige Mitpatienten, die nicht mehr leben.“ Schizophren war er nie, sagt er und betont: „Aber auch Schizophrene müssen menschenwürdig behandelt werden.“ Der heutige promovierte Sprachwissenschaftler und Hochschullehrer kämpft für Aufarbeitung.

„Es gibt viele Vorurteile, wie Recht entsteht, wie es eingesetzt wird, warum es ist wie es ist und wie es weiter entwickelt werden kann“, sagt Deutschlands bekanntester Strafrichter Thomas Fischer. In seinem Buch „Im Recht“ möchte er Sachkenntnis vermitteln und warnt: „Das ist kein Volkshochschulkurs mit Rechtsschutz.“

„Heul doch“, steht auf den Taschentücher-Packungen, die Benita Rothe verteilt. Sie kommt kaum nach, Leseproben nachzufüllen. Frauenbücher und Thriller sind beliebt, verrät sie. Besonders sehnsüchtig werde das im Sommer angekündigte Werk „Unrivaled“ erwartet. Bereits als Höhepunkt 2016 für junge Erwachsene ausgezeichnet.

Ein ganz altes Buch darf nur mit Handschuhen berührt werden. Die Lutherbibel von 1649 wird von Diakon Hans-Ulrich Idziaschek bewacht. Sonst fährt sie im Bibelmobil durch das Land und informiert über die Reformation, die sich 2017 zum 500. Mal jährt.

Dichtes Gedränge an der LVZ-Arena. Schließlich ist Bastian Pastewka zu entdecken. Zwei Mädchen probieren Selfies im Hochhalte-Modus. Beim Blick auf ihr Handy stellt eins überrascht fest: „Der sieht viel jünger aus als im Fernsehen. Hat er denn ein Buch geschrieben?“ Hat er. Sogar mehrere. Doch hier sprach er ein Hörbuch. „Midlife-Cowboy“ von Chris Geletneky.

Lesen bildet. Auch an einem viel zu kurzen Messetag.

Fotos: alle ©Dagmar Möbius