Der Rocker Benjamin Hudon-Barbeau muss sich seit letzter Woche für zwei Morde vor Gericht verantworten. Bereits im Jahr 2013 sorgten er und ein Mithäftling mit einer hollywoodreifen Flucht aus dem Gefängnis landesweit für Schlagzeilen. Die Polizei sagt dem 38-jährigen enge Verbindungen zu den #Hells Angels in Montreal nach. Im Rahmen des Gerichtsprozesses wurde nun erstmals das Videomaterial der Flucht veröffentlicht.

Rocker gelingt im Helikopter die Flucht

Im März 2013 sorgte Benjamin Hudon-Barbeau landesweit für Schlagzeilen, als ihm gemeinsam mit einem Mithäftling die Flucht aus dem Gefängnis gelang. Insbesondere die Tatsache, dass der 38-jährige Rocker und sein Komplize sechs Minuten probieren, sich entlang eines Seiles auf ein Dach zu hangeln und von dort mit einem Helikopter zu fliehen, ohne das eine der Wachen eingriff, sorgte für großes Unverständnis.

 „Wir müssen die Situationen immer individuell bewerten. Vor dem Hintergrund, dass sich auch noch andere Menschen in dem Helikopter befanden und wir keinerlei Informationen darüber hatten, ob diese bewaffnet sind oder nicht, waren uns hier die Hände gebunden. Zudem können Helikopter leider nur in Hollywoodfilmen mit einer Pistole vom Himmel geholt werden.“, sagte der Gefängniswächter Mathieu Lavoie damals gegenüber Radio Canada.

Die Freude über den Coup war jedoch nur von kurzer Dauer, denn die beiden konnten bereits wenige Stunden nach der Flucht von der Polizei gestellt werden.  Zum Zeitpunkt seiner Flucht hatte Benjamin Hudon-Barbeau eine Haftstrafe wegen illegalen Waffenbesitz verbüßt. Bereits im Jahr 2009 war er zusammen mit 155 Rockern im Rahmen der Operation Sharqc verhaftet worden, konnte allerdings im Jahr 2011 zusammen mit 31 Mitgliedern der Hells Angels das Gefängnis aufgrund von Verfahrensfehlern des Gerichtes wieder verlassen.  Nur kurze Zeit später wurde der 38-jährige dann jedoch aufgrund der Mordvorwürfe wieder festgenommen. Dabei wird ihm vorgeworfen, im Herbst 2012 an einer Vielzahl ungelöster Straftaten beteiligt gewesen zu sein und zwei Menschen umgebracht und drei weitere Mordanschläge verübt zu haben. Im Rahmen des Prozesses hatte das Gericht in der letzten Woche auch erstmals das Video der spektakulären Flucht des angeklagten veröffentlicht.

Polizei geht gegen Hells Angels vor

Am 15. April 2009 waren im Bundesstaat Quebec im Rahmen der Operation Sharqc insgesamt 1.200 im Einsatz. Der Einsatz richtete sich damals in erster Linie gegen die Hells Angels und während des kanadischen Rockerkrieges in den Jahren 1994 bis 2002 verübte Straftaten. Damals wurden insgesamt 155 Personen vorläufig festgenommen, von denen laut Angaben der kanadischen Medien 111 Mitglieder Hells Angels waren. Eine Vielzahl von ihnen kam jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß. Zuletzt hatten die Behörden in Montreal im November 2015 bei einer großangelegten Aktion gegen die Hells Angels und die italienische Mafia 45 Menschen festgenommen.  In Montreal stehen die Hells Angels aufgrund des über Jahre andauernden Bandenkrieges besonders stark unter Beobachtung. Laut Polizeiangaben haben in diesem Zusammenhang in den Jahren 1994 bis 2002 mehr als 150 Menschen ihr Leben verloren. Die Folgen spüren Rocker in der kanadischen Stadt bis heute. Schließlich sehen sie sich auch Jahre nach dem Ende des Bandenkrieges einer Reihe von Schikanen und Vorverurteilungen ausgesetzt. Ganz gleich ob Mitglied eines Outlaw Motorcycle Clubs oder normalen Motorradklubs.