Wie kaltblütig ist jemand, der eines Morgens vier Menschen in ihrem eigenen Haus die Kehle durchschneidet und am Abend mit Kollegen ins Steakhouse essen und ins Casino feiern geht? Die Rede ist von einem der schlimmsten Verbrechen, das jemals in der Schweiz begangen wurde. 

Der Täter, Thomas N., ein 33-jähriger Schweizer Student aus dem Kanton Aargau, konnte erst Monate später gefasst werden. Und warum holte sich das Opfer keine Hilfe? Und Nachhinein kam aus: Der Täter spazierte monatelang jeden Tag am Fahndungsplakat vorbei. Aber alles der Reihe nach.

Am frühen Morgen des 21. Dezember 2015 verschaffte sich Thomas N., wohnhaft in der selben Gemeinde wie seine Opfer, Zugang zu deren Haus. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Kanton Aargau befahl er der 43-jährigen Carla S. ihren älteren Sohn (19) sowie dessen Freundin (21) zu fesseln und zu knebeln. Anschliessend verging sich der Täter am anderen Sohn (13). Dann schnitt er allen vier Opfern die Kehle durch, setzte sie in Brand und verschwand.

Rätselhaftes Detail

Die Timeline weist ein rätselhaftes Detail auf - Carla S. verliess während des unglaublichen Geschehens zirka eine Stunde das Haus, Geld besorgen. Daher kannte auch die ganze Schweiz das Bild der Überwachungskamera. Es zeigte eine total verängstigte blonde Frau am Bankschalter. Aber warum holte sich Carla S. keine Hilfe? Hätte sie nicht ein Zeichen geben sollen, damit der weitere Verlauf des Verbrechens hätte verhindert werden können?

Mögliche Antworten liefert ein Mitglied des Portals politik-forum.ch. Unter dem Namen "Hau den Lukas" schreibt die Person: "Carla hatte keine andere Wahl." Und weiter: "Es ist möglich, dass Carla dem Täter ein Geldangebot machte und sich und die Kinder damit frei kaufen wollte." Daher sei erklärbar, warum sie mit ihm daheim noch das E-Banking-Konto gescheckt habe. Wahrscheinlich sei dies vom Täter nicht geplant gewesen. Durch das Flehen und Bitten sei er möglicherweise noch mehr angestachelt worden. Carla S. händigte Thomas N. laut Behörden um die 10'00 Franken aus.

Der Kommentator im politik-forum.ch geht davon aus, dass es sich bei Thomas N. um einen Sadisten handelt, während er Carla als Menschen einstuft, der ihm (dem Sadisten) beweisen wollte, dass er sich auf sie verlassen kann. Doch da der Täter von Anfang an geplant habe, diese Menschen umzubringen, nahm das das Grauen seinen weiteren Lauf. Der Kommentator schreibt, man solle aufhören, das Handeln von Carla S. infrage zu stellen.

Traumatisiertes Umfeld

Während Thomas N., der kürzlich in einer Starbucks-Filiale festgenommen wurde und nun auf seinen Prozess wartet, muss sein Umfeld damit fertig werden. Allen voran die Angehörigen der Opfer; aber auch die Junioren des Fussballclubs, die an ihm hochschauten. Thomas N. war ihr Coach. Seine Mutter, die vor ein paar Jahren ihren Mann verlor, den Vater von Thomas N., und die übrige Familie. Die Facebook-Freunde, die sich mit dem Hundenarr ausgetauscht hatten. Seine Huskys bedeuteten ihm offenbar die Welt. Auch das niedliche Hündchen von Carla S. überlebte die Gräueltat. Carla S. rief während der Tat eine Kollegin an, die es abholte. 

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Marc Terenzi #Kriminalität