Es ist ein kurzer, gewöhnlicher, sogar trivialer Satz. Ein Satz, zu dem dennoch das Staatsoberhaupt sich entschied, öffentlich Stellung zu nehmen und für diesen kurzen Satz dem ermordeten Helden die höchste Auszeichnung seines Landes zu verleihen. Ich habe hier neulich von den heldenhaften, kurdischen und syrischen Frauen geschrieben, die auf dem Altar des Vaterlandes ihr Leben opfern. Von dem Schicksal ihrer Vorgängerinnen berichtete einst eine ungewöhnliche Zeitung, die in der deutschen Sprache erschienen war und deren Redakteure bis zum bitteren Ende ihrem polnischen Vaterland dienten. Ein ähnlicher Fall ereignete sich vor Kurzem im Kaukasus. Zwei Vertreter eines wenig bekannten, kleinen, muslimischen Volkes blieben bis zum Tode ihrem Vaterland Russland treu.

Ein scheinbar sorgloser Ausflug in den Wald und seine Folgen

Es geschah am 10. Juli 2015, in einem Wald nahe der Ortschaft Sergokala in Dagestan. Sie kamen, um sich zu erholen, wo Bäume und Blumen blühen und Vögel zwitschern – eine große Familie Nurbagandow von insgesamt 20 Personen. Zwei erwachsene Nurbagandows blieben dort über Nacht mit drei Jugendlichen aus ihrer Familie. Mitten in der Nacht wurden sie plötzlich durch bis an die Zähne bewaffnete Angreifer aus dem Schlaf gerißen. Sie konnten sich nicht wehren und mussten mit angelegten Handschellen auf die Knie. Unter den Nurbagandow waren drei Brüder: Mohammed, Abdelraschid und Arsen, von 31, 28 und 13 Jahren. Sie wussten, dass sie es mit den Dschihadisten zu tun hatten und ihr Leben sich nun dem Ende näherte. Als die sogenannten "Heligen Krieger" den Jüngsten zu misshandeln begannen, trat der Karateka Abdelraschid einem der Henker in den Magen und starb sogleich im Kugelhagel. Als sie den ältesten der Brüder als Polizisten wiedererkannten, versuchten die Dschihadisten ihn zu zwingen, eine Warnung an seine Kollegen bei der Polizei zu senden und zu kündigen. Er widersprach ihnen und antwortete mit ganz ruhiger Stimme: „Nein! Macht weiter so, Brüder.“ Dann sagte er: „Ihr Schurken! Was stellt ihr euch vor? Ich werde so oder so nichts anderes sagen.“ 50 Sekunden später wurde er von den Terroristen per Kopfschuss hingerichtet.

Anschliessend stellten sie dem Jüngsten, Nurbagandow, die Frage: „Bist du auch bereit zu sterben?“ Und der gab ihnen sofort Antwort: „Ja! Ich bin bereit! Ihr habt meine Brüder umgebracht. Was soll ich jetzt noch fürchten?“ Trotzdem haben sie ihn und zwei andere Jungs, die im Angesicht des Todes nicht weinten, freigelassen, damit sie die Nachricht von einer neuen IS-Truppe und damit Angst und Schrecken verbreiten konnte.

Die Fortsetzung war wahrhaftig schrecklich, jedoch für die Terroristen: Sie wurden zwei Monate später unter dem Einsatz schrecklicher, höchstmoderner Kampffahrzeuge der Sicherheitskräfte getötet. Sechs kamen ums Leben und zwei haben überlebt. Einer der Überlebenden hat Reue gezeigt und bat um Vergebung.

Die wahre Religion als eine mystische und gesellschaftliche Tatsache

Die moslemische Familie, deren ermordetes Mitglied am Mittwoch vom Präsidenten Putin die höchste Auszeichnung und den höchsten Ehrentitel des "Heldes der Russischen Föderation" erhielt, sind ganz normale Leute. Sie sind in die dagestanische und russische Gesellschaft gut integriert. Sie glauben an einen gerechten und barmherzigen Gott und nicht an Rache, Tod und Zerstörung. So hat einst ein kluger Mann darüber geschrieben:

„Wir müssen erkennen, dass eine große Regeneration des verdorbenen Menschengeschlechtes nur aus dem tiefen Boden einer wahrhaftigen Religion erwachsen kann [...] Verstehen wir sie recht – die Geschichte! Und zwar im Geiste und in der Wahrheit, nicht nach dem Worte und der Lüge unserer Universitätshistoriker, welche nur dem Eroberer ihr Lied singen, von dem Leiden der Menschheit aber nichts wissen wollen. Erkennen wir, dass nicht ihre Handlungen, sondern ihre Leiden uns die Menschen nahebringen und unseres Gedenkens würdig machen, dass allein nur dem unterliegenden, nicht dem siegenden Helden unsere Anteilnahme zugehört.“

(Richard Wagner, Religion und Kunst)

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