Im Saarbrücker Stadtteil Burbach an einer viel befahrenen Straße versammelt sich am 30. September um 16.30 Uhr ein Dutzend Menschen. Obwohl vom nahegelegenen Oktoberfest die fröhliche Klangkulisse der Fahrgeschäfte zu hören ist, ist die Stimmung gedrückt. Luftballons steigen in den bewőlkten Himmel. Was ist da los?

Am 30. September 2001 verschwand der damals fünf Jahre alte Pascal auf mysteriöse Weise spurlos aus dem sozial schwachen Stadtteil. Zuletzt gesehen wurde er auf dem Burbacher Oktoberfest das schon damals auf den sogenannten Saarterrassen, einem heute teilweise verbauten Brachland am Rand eines Waldgebietes, veranstaltet wurde. Trotz groß angelegter Suchmaßnahmen in Deutschland und Frankreich fehlt bis heute jede Spur von dem Jungen.

Die Ermittlungen damals haben ergeben, dass Pascal und andere Kinder im Hinterzimmer der Spelunke „Tosa-Klause“ missbraucht worden sein sollen. Trotz Monsterprozess ohne Leiche wurden alle 13 Angeklagten, darunter Christa W., die Wirtin der Absteige, freigesprochen. Anfangs geständig, widerruften sie und ihre Stammgäste ihre Aussagen. Freispruch für alle! Lediglich der geistig zurückgebliebene Peter S. wurde in einem abgetrennten Verfahren wegen #Missbrauch an Pascal und dessen Freund verurteilt. Nach der Haftstrafe wurde er in die forensische Psychiatrie eingewiesen, wo er heute noch sein Leben fristet. Bis dato schwebt ein vermeintlicher Justizskandal über dem „Fall Pascal“.

Gedenken an Pascal

Die „Initiative gegen Gewalt und Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“ organisierte für den 15. Jahrestag eine Gedenkfeier für Pascal. Und zwar genau dort, wo er missbraucht worden war. An der Stelle, an der die „Tosa-Klause“, die vor einigen Jahren abgerissen wurde, stand. Die Bodenplatte des schmuddeligen Gebäudes existiert noch. Johannes Heibel, Vorsitzender der Initiative, und die Tante Pascals, Sigrid Hübner, ließen Luftballons in den Himmel steigen. 

Ursprünglich sollte es eine öffentliche Veranstaltung werden. Doch NPD-Mitglieder hatten im Vorfeld die Gedenkfeier in Sozialen Netzwerken kommuniziert und so den Eindruck erweckt, dass diese auf Initiative der NPD stattfinden wird. Die „Initiative gegen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“ distanziert sich ausdrücklich von rechtem Gedankengut. Die Gedenkfeier sollte um 18 Uhr, dem Zeitpunkt des Verschwindens Pascals, abgehalten werden. Um Konfrontationen zu vermeiden wurde sie auf 16.30 vor verlegt.

#Saarbrücken #Gedenken