Haiangriff auf Surfer in Oregon

Oregon, 10. Oktober 2016. Joseph Tanner surft vor dem #Strand des Ecola State Park auf den Wellen des Pazifik. Im nächsten Moment sehen Zeugen den 29-Jährigen im Wasser um sich schlagen - und sie sehen die Rückenflosse eines großen Haies. Tanner gelingt es, mit Schlägen die empfindlichen Kiemen des Raubfischs zu treffen. Der Hai lässt von ihm ab. Trotz schwerer Verletzungen schafft es der Mann, zurück auf sein Board zu klettern und an den Strand zu paddeln. Am seinem Bein klafft eine stark blutende, 66cm lange Bisswunde von Ober- bis Unterschenkel - aber er lebt! (ABCNews)

Haiart nicht identifiziert

Um welche Haiart es sich handelte, ist nicht eindeutig geklärt. Die Bissspuren und auch frühere Unfälle in der Region deuten jedoch auf einen Weißen Hai. In den letzten zehn Jahren kam es laut GSAF (Global Shark Attack File) in Oregon zu insgesamt zehn Angriffen. Betroffen waren immer #Surfer. In den fünf Fällen, in denen die Haiart bekannt ist, handelte es sich ausschließlich um den Weißen Hai. Wie Joseph Tanner überlebten auch alle anderen Opfer.

Nur 12% der Haiattacken enden tödlich

Auch wenn Mancher glaubt, der Angriff eines Haies, insbesondere eines "Großen Weißen", bedeute den sicheren Tod, ist das Überleben der viel wahrscheinlichere Ausgang. Genauere Zahlen lassen sich aus der Datenbank des GSAF errechnen. Bei Betrachtung der letzten knapp 20 Jahre (1996 bis 30.09.2016) kommt man bei 1.467 Angriffen auf 176 Tote (12%). Oder umgekehrt: Die Opfer überlebten 88% der Attacken. Die erlittenen Verletzungen reichten dabei von leichten Hautabschürfungen und Prellungen bis hin zu verlorenen Gliedmaßen. Dass so viele Menschen überlebten, ist Indiz dafür, dass es sich oft um Verwechslungen mit Beutetieren handelte.

USA Spitzenreiter

Mit 790 Haiattacken seit 1996 führen die USA das Ranking deutlich an (Abb. 1). Mit großem Abstand folgen Australien (207), Südafrika (102), Brasilien (54) und die Bahamas (37). Natürlich gehen in einem riesigen Land wie den USA mehr Menschen ins Meer als z.B. auf den Bahamas, so dass die Zahlen nicht vergleichbar sind. Übrigens: Das europäische Land mit den meisten Haiangriffen ist Spanien mit sechs Attacken seit 1996.

Weiß-, Bullen-, und Tigerhai greifen am häufigsten an

Von den knapp 1.500 Angriffen seit 1996 konnte in rund 450 Fällen die Haiart identifiziert werden. Knapp zwei Drittel dieser Angriffe gingen auf das Konto von Weißem Hai (28%), Bullenhai (21%) und Tigerhai (15%). Das übrige Drittel entfiel auf eine Vielzahl oft wenig bekannter Arten wie Wobbegong oder Bronzehai (Abb. 2).

Angriffe des "Großen Weißen" am gefährlichsten

Die drei "Haupttäter" unterscheiden sich in den Folgen ihrer Angriffe. Während "nur" jeder sechste Bullenhaiangriff tödlich endete, war es beim Tigerhai jeder vierte und beim Weißen sogar jeder dritte.

Betrachtet man nur die Haiattacken mit tödlichem Ausgang, übertreffen Weiß-, Bullen- und Tigerhai ihre Verwandten noch deutlicher. 54% aller Todesopfer werden dem Weißen Hai zugeschrieben, 23% dem Tiger- und 19% dem Bullenhai. Damit waren diese Drei an fast allen tödlichen Begegnungen der letzten 20 Jahre beteiligt. Lediglich drei Menschen starben durch andere #Haie (Abb. 3).

Keine Panik!

Trotz der nicht zu leugnenden Gefährlichkeit einer Begegnung mit einem der drei potenziell gefährlichsten Haie besteht kein Grund zur Angst oder gar zum Ruf nach Bekämpfung dieser faszinierenden und ökosystemrelevanten Fische. Den knapp 1.500 Angriffen der letzten 20 Jahre stehen Milliarden Menschen gegenüber, die im selben Zeitraum unbeschadet im Meer surften, tauchten, schwammen und schnorchelten. Befindet man sich also nicht gerade an einem der - in der Regel bekannten - Hotspots, geht die statistische Wahrscheinlichkeit eines Angriffes fast gegen Null. 

Zudem gibt es jede Menge Möglichkeiten, die Gefahr einer Haiattacke zu minimieren. Wird man aber trotz aller Vorsicht angegriffen, gilt es sich zu verteidigen, so wie es Joseph Tanner getan hat. Die Überlebenschancen stehen gut.