Gerade führte ich wieder Diskussionen auf Facebook. Ich bezog meine Position, berichtete von meinen Taten - Andere standen dagegen. Alle Diskussionen liefen auf den einen Punkt hinaus: Ist/darf/soll Gewalt die Ultima Ratio sein oder sind Jesu Lehren der Gewaltlosigkeit stärker und führen zum Sieg?

Jesus sagt: "Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand"

Sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. (Matthäus 5;38 ff) Damit würde man so vollkommen sein wie Gott. Aber wie weit soll das gehen? Bis man pleite ist? Nackt? Am Ende? Und dann trotzdem noch weiter machen? Viele Deutsche wollen gute Menschen sein und sind dabei christlich geprägt, wollen sich aber nicht völlig an die Asylanten verausgaben und zurück stecken. Dürfen sie sich wehren? Nein sagen? Grenzen setzen? Jesus sagt: "leistet keinen Widerstand". Damit kommen wir zu:

"Das Deutsche Dilemma"

Bertold Brecht schrieb darüber das Theaterstück "Der gute Mensch von Szechuan", das viel zu wenig diskutiert wird, weil hochaktuell und hochbrisant in den heutigen Tagen Deutschlands. Die Frage, die in dem Stück immer wieder gestellt wird ist: Wie gelingt es, gut zu sein, und doch zu leben? Das Stück findet keine zufrieden stellende Antwort darauf. Die Deutschen sind Perfektionisten, deswegen leiden sie am allermeisten unter diesem Dilemma. Wie viel sollen wir geben? Wie viel Rücksicht sollen wir nehmen? Wie sehr sollen wir zurück stecken? Wie sehr sollen wir helfen? Jesus, und die Deutschen sind nun mal christlich geprägt, gibt kein Limit. Andererseits möchten doch einige der Deutschen nicht verprügelt, vergewaltigt, ausgeraubt, ausgebeutet, getötet oder zumindest ihrer Kultur beraubt werden. Es sind Menschen, die gut sein wollen, aber dennoch leben.

Tit for Tat?

Wo soll nun ihr "gut sein" aufhören und die Wehrhaftigkeit anfangen? Tit for Tat? Auge um Auge? Oder leben sie Jesu Lehre, zumindest bis zu einem gewissen Punkt, und lassen sich auch auf die andere Wange schlagen, einmal, zweimal dreimal? Das Prinzip "Tit for Tat" wurde wissenschaftlich untersucht und fand sich in sehr vielen Bereichen des menschlichen Miteinanders wieder, bis hin zu Kriegsführung. Es findet sich aber auch abgewandelt "Tit for two Tats". Oder es wird gesammelt: man ist freundlich, bis eine gewisse Anzahl schlechter Gegenreaktionen kommen, dann kehrt man zu "Tit for Tat" zurück. Auf Wikipedia befindet sich ein ausführlicher Artikel über "Tit for Tat".

Darf man sich wehren? Soll man sich wehren? Wie soll man sich wehren?

Meine Erfahrung der letzten Jahre im realen Leben wie im Internet zeigten mir, dass die allermeisten Deutschen sich nicht mehr wehren. Sie reden, sie diskutieren, sie posten, sie schreiben Artikel, sie jammern und klagen, aber keiner wird aktiv und zieht klare Grenzen, zur Not durch Taten. Ist es Gutmenschentum? Feigheit? Bequemlichkeit? Angst? Friedfertigkeit? Christlichkeit? Ich habe meine Geschichten gepostet, wie ich mich gewehrt habe, wenn andere zu übergriffig wurden, lagen Schuhe permanent im Treppenhaus verstreut war ich sie in die Mülltonne, war der Hof als Mülldeponie missbraucht worden, warf ich den Abfall auf den Balkon der Leute zurück, etc. Doch statt dass ähnliche Geschichten berichtet wurden, erwiderte man mir, dass Gewalt und Aggression doch kein Weg sei, Probleme zu lösen, wir sollten doch zivilisierter sein und uns nicht auf solch ein Niveau begeben. Ich saß oft fassungslos vor dem PC und konnte mir nicht verkneifen zu fragen, ob ich mit einem Vergewaltiger diskutieren solle, in der Hoffnung, dass er von mir ablässt, statt mich körperlich zu wehren und auf ihn einzuschlagen. 

Mein Gott, die Deutschen sind gut bis zum umfallen, bis zum Tod. #Deutschland #Gutmenschen #Flüchtlinge