Wir sind Zeugen eines ideellen Jägertreffs. Nicht alle Personen lebten zur gleichen Zeit. Und so begann die erdachte Geschichte...

Versammelte und hinlänglich beduselte Hohenzollersche Könige und Kaiser lachen – wie man in Preußen sagt – „ungeberdigt“. Man grölt, man jucheit. Manches Lachen ist aber nicht echt, denn so humorig ist der Lachgrund nicht – er ist eher zum Weinen… Für das Beisammensein im beißenden Schadstoff-Dunst des Raumes wurden (vom Autor) eingeladen: der erste Preußenkönig, Dutzendjäger und Verschwender fast eines gesamten Staatsvermögens Friedrich I. (1657-1713), neben ihm - schon mit glasigen Augen - Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861), ein verweichlichter Wildtöter, der sich ein ausgedehntes Jagdgatter vor der Haustür anlegen ließ. Unweit von ihm Kaiser Wilhelm I. (1797–1888) mit dem herkulischen Backenbart und den gelockten Koteletten, und es folgt sein eitler Enkel Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) mit dem elitären Zwirbelbart. Sie alle sind krank, leiden an einem zum Teil erotomanen Jagdfetischismus. Sie brauchen unbedingt den tödlichen Schuss auf die ihnen zugetriebenen Geschöpfe. Wenn sie eines der zahllosen Wildbret-Stücke nach dem Schuss vor sich zusammenbrechen sehen und ihnen die getroffenen Tiere dabei gefügig vorkommen – dann haben diese Jagdsüchtigen lustvolle Anwandlungen, wenn nicht sogar eine innere Regungen, die ihre Libido – soweit noch möglich - zu höchster Aufregung treibt.

Ein Tabakskollegium: Rauchen ist Pflicht

Die versammelten Machthaber muss man sich mit obligatorischen Meerschaumpfeifen in den Mündern denken. Mit den Zähnen halten sie die Mundstücke der Pfeifen fest. Nur zum Reden und Hohnlachen entsperren sie die Kiefer. Einige der Männer husten; sind keine Raucher, aber Paffen ist Vorschrift. Was hier abläuft, ist eines der berüchtigten Tabakskollegien, als deren Erfinder der ebenfalls anwesende Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) gilt. Auf dem Treffen kündigt dieser - auch Soldatenkönig genannt – an, einen Brief seines verachteten Sohnes, des späteren Friedrich II. (1712-1786), zum Besten geben zu wollen. Zuvor werden die Gläser gehoben. Zu trinken gibt es reichlich. Ausgeschenkt wird das Brandenburger Bier „Alter Claus“, welches schnell zu Kopfe steigt und nach der zweiten Stangenmolle träge und schläfrig macht. Auch das Gosebier aus Goslar, das die Diener heranbringen, hat es in sich. Ein zeitgenössischer Trinkspruch warnt: „Es ist zwar ein sehr gutes Bier, die Goßlarische Gose, / Doch wenn man meynt sie sey im Bauch, so ist sie in der Hose.“ Daraus konnte bitterer Ernst werden. Den Teilnehmern eines Tabakkollegiums war es nicht erlaubt, die Tafel auch nur für kurze Zeit zu verlassen, um sich auf einer der Toiletten mit den samtbespannten und gedeckelten Sitzen zu erleichtern. Und so wurde manche Hose nass und schmutzig von der Gose.

zum nächsten Teil >> #Jagd #Kaiserbahnhof #Joachimsthal