Exklusiv für blastingnews von Stefan Schmidt und CNA-NY, New York City

Der Berliner Senat für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Referat IV A 4, führt derzeit ein laufendes Verfahren, das für eine deutsche Privathochschule zum Erdbeben werden kann.

Quadriga-Hochschule: Eine Uni oder eine Titelmühle?

Haben Sie schon einmal etwas von Professor Dr. Ludomir Slahor gehört, von der „Comenius Universität in Bratislava? Oder darf es die „Hochschule Goethe Uni Bratislava" sein, die - ein Schelm wer Böses dabei denkt - leicht mit der ehrwürdigen Frankfurter Goethe Universität zu verwechseln ist? Bei letzterer ist es nicht schlimm, denn es gibt diesen Laden nicht mehr. Der Hochschule sei „kein glaubwürdiger Nachweis gelungen, dass sie die ihr vorgeworfenen Mängel im Studienprogramm behoben habe", schreibt die Zeitung "Der Standard". Spannend wird die ganze Sache dadurch, dass im Umfeld dieser implodierten „Hochschule" augenscheinlich auch ein Professor namens Ludomir Slahor aufgetaucht ist, der an der Comenius Universität Bratislava tätig ist.

Mal eben bequem zum Doktortitel?

Nun ist Bratislava als Wallfahrtsort für Deutsche mit dem Drang nach Geltung bekannt. Die SZ weiß dazu: „Lange galt (...) die Slowakei als günstige Adresse für Doktoranden". Doch 2010 kam es zu einem Urteil des Landgerichtes Düsseldorf, welches die Titelführung in 14 Bundesländern für unzulässig erklärt hat (Az. 12 O 284/06). Die Kanzlei Dr. Bahr schreibt: "Das Führen eines slowakischen Doktor-Titels zusätzlich zu der Berufsbezeichnung ist dann wettbewerbswidrig, wenn dies ohne Herkunftszusatz geschieht. Ein ausländischer Hochschulgrad kann nur in der Form getragen werden, in welcher er verliehen wurde (OLG Schleswig, Urt. v. 26.05.2011 - Az.: 6 U 6/10). Der verklagte Steuerberater trug einen ausländischen Doktortitel, den er in der Slowakei erworben hatte. Der Grad wurde wurde ihm offiziell unter der Bezeichnung "doktor filozofie" verliehen. Diese Bezeichnung verwendete der Beklagte jedoch nicht im Alltag, sondern verwendete vielmehr die allgemein-übliche Abkürzung für einen Doktor-Titel. Die Richter des OLG Schleswig stuften dies als Wettbewerbsverstoß ein. Der Verkehr werde in die Irre geführt, da der Beklagte nicht den Titel in seiner ursprünglichen Fassung verwende. Diese Ansicht teilt auch das LG Halle (Urt. v. 15.07.2010 - Az.: 4 O 1602/09) und das LG Düsseldorf (Urt. v. 18.02.2009 - Az.: 12 O 284/06)."

Eine deutsche Privatuni blamiert sich...

In Bratislava sei, so ein in der Szene bekannter Blogger, „in jenen Jahren und bis heute an der Fakultät für Management stets mehr oder weniger dieselbe Kommission zusammengekommen, wenn wieder einmal ein Bezahlkandidat aus Deutschland oder Österreich zur Prüfung antrat: Fast ausnahmslos unter Mitwirkung von Slahor, der sehr oft in der Funktion des Betreuers erschien." Jetzt wäre das alles eine Sache, die man dem Vroniplag überlassen könnte, gäbe es nicht ein pikantes Detail. Ausgerechnet an der #Quadriga-Hochschule in #Berlin leitet ein „Prof. Dr. T. Hofmann" das „Institute for Crisis, Change and Conflict Communications", der seinen Doktortitel nach eigenen Angaben Ludomir Slahor zu verdanken hat. Eben jener Slahor, der anfangs erwähnt wurde. Die Doktorarbeit des Herrn Hofmann war unauffindbar und auf Anfragen hin reagierten die Quadriga-Hochschule und Herr Hofmann an den entscheidenden Stellen nicht aufklärend.

Ein Fall für das Vroniplag?

Vielleicht fühlt sich Vroniplag berufen, auf die Suche nach der Dissertation zu gehen, die angeblich den Titel tragen soll: „EU-Lobbying Comparison Germany vs. France: Elaboration of professional structures behind modern corporate lobbying in different EU states". Herr Hofmann schmückt sich zudem auf gewerblichen Webseiten auch mit einem Professorentitel, den er - wiederum nach eigenen Angaben - von einer „Gastprofessur" an der Universidad Autonoma de Guadalajara Villahermosa im sonnigen Mexiko ableitet. Seriös geht anders. Kein Ruhmesblatt für die Quadriga-Hochschule.

Der Fall wird weiter recherchiert. #Thorsten Hofmann