Dr. #Vazrik Bazil ist so etwas wie der deutsche Redepapst. Als ehemaliger Präsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) stand er dem Berufsverband der verschwiegenen Gilde der #Ghostwriter für Politik und Wirtschaft sechs Jahre lang vor. Er selbst hat schon so ziemlich für jeden Entscheidungsträger mit Rang und Namen geschrieben, als Dozent gibt der Absolvent der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sein Wissen an die jüngere Generation weiter. Wir haben uns mit ihm für Blasting.News unterhalten.

Blasting.News: Wozu braucht man eigentlich noch Reden in Zeiten von Podcasts und Social Media? Eigentlich müssten doch gute Argumente alleine völlig ausreichen!

Dr. Bazil: Menschen sind keine Roboter! Sie fühlen und sie haben Erinnerungen, Wünschen und Träume. Einbildungskraft und Fantasie machen doch gerade den Menschen aus. All das, Gefühl, Verstand und Vernunft, muss in einem Gleichklang angesprochen werden. Das schaffen Argumente nicht allein. Dazu braucht man die Redekunst.

Wie geht das geheime Schreiben?

Blasting.News: Was sind die drei wichtigsten Dinge, die man als Redner beachten muss, um eine gute Rede zu halten?

Dr. Bazil: Angemessenheit, insbesondere zu Publikum, Anlass und zum Rahmen der Veranstaltung. Eine Rede muss auch zum Redner passen. „Gut" und „schlecht" sind hier relativ. Die richtigen Kategorien sind „wirksam" und „unwirksam". Zudem muss man glaubwürdig wirken, denn Schauspielerei wird schnell durchschaut, die Menschen haben eine starke Intuition diesbezüglich. Das ist auch gut so, der Bürger wird kritischer, das ist gar kein Problem, sondern ein Zeichen politischer Reife.

Blasting.News: Welchen Einfluss haben Sie als "Ghost" auf die Inhalte? Sind Sie eine Macht im Dunkeln?

Dr. Bazil (lacht): Schön wär's... Als Ghostwriter muss man unsichtbar bleiben und sein Ego auf Null drehen. Verschwiegenheit, Zurückhaltung und Diskretion sind die ersten Tugenden des Ghostwriters!

Blasting.News: Wollen Sie uns also wirklich erzählen, dass Sie keinerlei Einfluss auf "Ihren" Redner haben?

Dr. Bazil: Ja! Definitiv ja! Natürlich habe ich Einfluss auf die Form und manchmal auch auf die Storyline. Aber die Inhalte und Positionen sind ausschließlich die Sache des Redners.

Blasting.News: Und was sind „Todsünden" bei Präsentationen?

Dr. Bazil: Zu lange Präsentationen, die zu weit ausholen und bei Adam und Eva ansetzen. Eine Präsentation sollte ein Informationserlebnis sein und kein Narkosemittel! Absolut daneben sind Präsentationen, bei denen der Präsentator dasselbe sagt, was auf den Charts zu sehen ist. Das geht gar nicht!

Blasting.News: Ist es nicht komisch, wenn andere Menschen vortragen, was Sie ihnen aufgeschrieben haben?

Dr. Bazil: Nein, gar nicht. Die Rede ist immer die Rede des Redners und nicht des Ghostwriters. Man versetzt sich als Redenschreiber in den Redner hinein. Das ist zwar nicht jedermanns Sache, aber es klappt wunderbar, wenn man sein geistiges Handwerk gut erlernt hat.

Gibts es Tabuthemen?

Blasting.News: Schreiben Sie über alle Themen? Und wenn ja, woher haben Sie das Fachwissen?

Dr. Bazil: Ja. Es ist ähnlich wie in Ihrer Branche. Sie schreiben ja heute auch über ein Thema, das Ihnen ansonsten fremd ist, und offenbar gelingt es Ihnen sehr gut. Man muss nicht das gesamte Wissen aus einem Fachgebiet ausbreiten, sondern man arbeitet entlang klar begrenzter Punkte. Nur so kann man auch das Publikum erreichen und überzeugen.

Blasting.News: Eine Frage, die Sie bestimmt schon tausend Mal gehört haben: Verraten Sie uns ein, zwei Promis, für die Sie schreiben?

Dr. Bazil: In der Tat werde ich das oft gefragt. Aber ebenso ist es Ehrensache diesbezüglich absolute Verschwiegenheit walten zu lassen.

Blasting.News: Na gut... Sie beraten auch in Sachen Argumentation und Krise. Wo sehen Sie hier die kritischen Punkte?

Dr. Bazil: Dank der neuen Medien ist es unabdingbar seine eigenen Fähigkeiten Tag für Tag mit der Technik weiterzuentwickeln. #Reputation