Vollstes Verständis: wer geht schon gerne Sonntagmorgens um 10 Uhr in irgendeine unter-, über- oder fehlgeheizte Kirche, um zusammen mit pudelmützenbewaffneten Omas einer mehr oder weniger engagierten Moralpredigt über Konsumverzicht oder das Übel von allem, was Spaß macht, anzuhören.

Wäre es da kein größerer Akt der Liebe, seine Freundin zu schnappen und sie mal richtig durchzukuscheln? Aber wir wären nicht auch im 21. Jahrhundert, wenn das inzwischen nicht alles irgendwie zeitgleich gehen könnte. Den Gottesdienst verfolgt man per Livestream, beichten kann man inzwischen auch online und wenn einem nach Spiritualität ist, klickt man eben eine Online-Kirche an. Die Auswahl ist inzwischen recht groß und frei von jeder #Kirchensteuer

"Der Bedarf nach geistlicher Nahrung ist da, das spüren wir. Und umso unruhiger die Welt wird, desto größer wird dieser Bedarf. Das ist normal, wir merken das. Immer mehr Menschen wenden sich an uns, einfach so, ohne Anliegen. Sie suchen den tieferen menschlichen Kontakt, dass da jemand, dass da etwas ist", berichtet Sister Jemima, Leiterin der deutschen Sektion der Christian Universal Life Church.

Aber auch die klassischen Kirchen sind immer deutlicher im Netz vertreten. Das Angebot der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) hat sich modern weiterentwickelt, Zahlen konnte man uns jedoch keine nennen. Aber Moment... ist es nicht komisch, nur in der Not zu glauben?

Viele Menschen wenden sich dem Glauben erst in Not und Bedrängnis zu. Selbst beinharte Atheisten sollen bei Turbulenzen im Flieger schon nach Gott gerufen haben. "Uns ist das gleich", meint Sister Jemima, "Hauptsache irgendwann glaubt man das Richtige. Das hat alles keine Eile. Gott ist geduldig".

"Uns ist wichtig, dass die Menschen den transzendenten Hintergrund ihrer Existenz niemals vergessen, aber die Intensität in der man das tut und die Art wie, das ist doch völlig zweitrangig. Glaube ist eine Frage des Herzens und nicht der Stunden, die man damit verbringt".

Interessanterweise berichten auch viele Gemeindepfarrer, dass christliche Flüchtlinge aus dem Nahen Osten immer wieder an ihre Türen klopfen. Ignoranz dem Transzendenten gegenüber sei nur eine Modeerscheinung übersättigter Gesellschaften, meint der Philosoph Jonas Schweiger. Vermutlich hat er Recht. #Freikirche #Gitt