Russlands Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Alexej Uljukajew, wurde von Mitarbeitern des Inlandsgeheimdienstes FSB auf frischer Tat ertappt und wurde verhaftet. Seine Straftat: der Versuch, zwei Millionen Dollar Bestechungsgeld in bar einzunehmen. So ist jedenfalls der Inhalt der von der Sonderoperation des Ermittlungskomitees gegen ihn erhobenen Anklage.

Was steckt dahinter?

Die ARD-Berichterstattung aus Moskau hat wohl nie ein Spitzengefühl für die russischen Angelegenheiten gehabt. Na ja, die Lückenpresse... Trotzdem scheint eine der Vermutungen von Sabine Stöhr im ARD-Studio Moskau nicht ganz unbegründet zu sein. Nämlich: „Uljukajew gilt als liberaler Wirtschaftsmann, er war lange Vize-Chef der Nationalbank.“ Und weiter: „Womöglich ist Uljukajew in Zukunft als liberaler Minister unerwünscht.” (Wirtschaftsminister auf frischer Tat ertappt, tagesschau.de)

Der wirtschaftliche Liberalismus hat sich bis auf die Knochen blamiert

Er wird heutzutage als Verzicht auf Regulierung, Grenzen oder Vorgaben im Finanzwesen bei der gleichzeitigen Vollverantwortung des Staates für Verluste der reichsten Bankhäuser gemeint. Auch im Bereich Arbeitsmarkt muß man sich vor diesem Hintergrund Gedanken um die Zukunft machen. Putins #Russland hat aber einige interessante Lösungen gefunden, die ausgerechnet diese Sackgassen des jetzigen Kapitalismus zu beheben versprechen.

Die Wiener Schule in Moskau

Michail Chasin ist der hervorragendste Vetreter dieser Richtung in der Volkswirtschaftslehre. Dieser Moskauer Physiker, Chemiker, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler hat bereits 1999 alle Schwächen des globalistischen Finanz- und Handelssystems erkannt und hat dann (2003, im Buch Die Dollardämmerung und das Ende des US-amerikanischen Weltreichs / Закат империи доллара и конец Pax Americana: leider noch nicht auf Deutsch übersetzt) seinen Zusammenbruch vorhergesagt. Er ist ein äußerst erfolgreicher Theoretiker und zugleich Praktiker des Wirtschaftslebens; unter anderem ein hoch geschätzter Firmenberater und Chef der Neokon-Denkfabrik.

Ein anderer bekannter „Österreichischer Schüler“ in Moskau ist der Sonderberater Putins, Urheber der Eurasischen Wirtschaftsunion, Sergej Glasjew. Ein Wirtschaftskybernetiker. Schon als Jugendlicher galt er als Wunderkind, studierte unter anderem in Chile. Die beiden befürworten in der Wirtschaftslehre die Beurteilung der schon umgesetzten und vorgeschlagenen Lösungen anhand des Beitrags, welchen sie zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse und zugleich zum gesunden, produktionsgerichteten Finanzsystem beitragen können. Sie sind auch imstande, alle ihre Thesen mathematisch zu beweisen sowie aus dem Standpunkt der Geisteswissenschaften ausgehend zu erklären.

Der unvermeindliche Sieg der konservativen Revolution in Russland

Unter dem Einfluß der Wiener Wirtschaftsschule und der Lehren für Russland aus der Ukraine-Krise hat #Wladimir Putin ein gemischtes Wirtschaftsmodell aus Planwirtschaft und Marktwirtschaft als dauerhafte Lösung für sein Land bewilligt. Es ist jedoch sonneklar, dass: 1) dies zu einer ganz anderen Geldschöpfung als der mit dem Federal Reserve verbundenen führen muß, 2) die Abkopplungsstrategie der eurasischen Volkswirtschaften gegenüber der EU und den USA ziemlich hart, obgleich nicht kopflos und voreilig, durchgeführt werden muß.

Putin hat also genug kluge Männer, um nicht mehr auf die Neoliberalen hören zu müssen. Anderseits fühlen sich die russischen Liberalen zunehmend unsicher und das kann sie zu den Versuchen bewegen, unrechtmäßige materielle Vorteile zu gewinnen und dann nach Westen zu fliehen. Und für Leute, die ihr eigenes Land ausrauben, wird in dem konservativ-nationalen Russland keine Handlungsfreihet mehr gegeben. Die Aufarbeitung von zwei weiteren Korruptionsaffären ist in vollem Gange.