Rainer Fischer ist pensionierter Lehrer und aktiver Dissertationsprüfer. Manche bezeichnen ihn als „Doktorandenjäger“. Exklusiv mit Blasting.News hat Fischer über seine Arbeit und seine Motivation gesprochen.

Blasting.News: Auf spektakuläre Weise haben Sie kürzlich aufgedeckt, dass an der #Quadriga-Hochschule ein Professor mit einem mexikanischen Titel tätig war. Dieser scheint inzwischen Geschichte zu sein. Ein bißchen gemein ist das ja schon, was Sie da tun. Was treibt Sie an?

Fischer: Sicher kein Sadismus. Wenn jemand wegen meiner Überprüfungen einen Titel verliert, dann büßt er ihn nicht ein. Man kann schließlich nur einbüßen, was einem rechtmäßig zusteht.

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Was treibt einen Jäger an?

Blasting.News: Sie gelten als "Doktorandenjäger". Wie lebt es sich damit? Einige Menschen werden sicher nicht sehr lustig finden, was Sie tun.

Fischer: Das ist mir völlig egal. Nach den vielen Fällen an Plagiaten wollte ich mich beteiligen an der weiteren Suche nach Pfuschern. Es genügt mir vollkommen, unsaubere Doktoren und Professoren aus dem Verkehr zu ziehen. Ordnung und Verlässlichkeit sind deutsche Tugenden, um diese geht es mir.

Blasting.News: Wieso wirken Sie dann nicht am bekannten ##Vroniplag mit?

Fischer: Ich bin nicht mehr der Jüngste. Mit den Methoden der Internetgeneration komme ich nicht zurecht. Außerdem gefällt mir deren Fokus nicht. Die schauen zu sehr einseitig nach Plagiaten. Das Hauptproblem sind aber Dünnbrettarbeiten, die man durchrutschen lässt.

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Oder auch Titel aus dem Ausland. Dieses kleinkarierte Rumgesuche nach falsch gesetzten Anführungszeichen, das sollen die Jungen machen. Mich interessieren nur die dicken Fische.

Blasting.News: Warum? Muss man nicht alle gleich behandeln?

Fischer: Ach, schauen Sie. Was nützt es, einem Zahnarzt seine Dissertation aus den 80ern zu nehmen, nur weil er damals im Theorieteil etwas unsauber gearbeitet hat. Wem ist damit geholfen? Ich bin deswegen sehr für eine Verjährungsfrist von sagen wir 10 oder 15 Jahren. Aber die dicken Fische aus dem Teich zu holen, das ist wichtig. Denn das wirkt abschreckend, aufklärend und erzieherisch.

Wollen Sie erziehen?

Blasting.News: Sie wollen also mit Ihrer Arbeit die Studentenschaft „erziehen“?

Fischer: Ich bin studierter Pädagoge. Was soll daran schlecht sein? Außerdem sollten Sie eines bedenken. Wenn der Zahnarzt um die Ecke bei seiner Dissertation gepfuscht hat, ist das nicht gesellschaftsrelevant. Wenn aber jemand seinen Titel als akademische Monstranz vor sich herumträgt, dann wird es sehr relevant, weil er dann quasi von der Kanzel herab zum normalen Volk spricht.

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Dann ist es keine Privatsache mehr, ob die akademische Weihe auch wirklich echt ist.

Blasting.News: Wie reagieren jene, die sie entlarven?

Fischer: Manche beschweren sich, aber das ist mir egal. Weder lasse ich mich nervös machen, noch von irgendwelchen Interessen beeinflussen. Am Ende entscheidet sowieso die Universität oder ein Wissenschaftsministerium. Ich bin nur der Vorarbeiter im Weinberg, nicht der Entscheider.

Ich tue es für Deutschland!

Blasting.News: Verdienen Sie mit dieser Prüferei eigentlich etwas?

Fischer: Nein, keinen Cent. Finanziell bin ich unabhängig. Hätten Sie mir zugehört, könnten Sie sich das denken.

Blasting.News: Kann man denn wirklich so uneigennützig sein?

Fischer: So sehe ich es nicht. Letztendlich ist meine Arbeit ein Dienst für Deutschland, seinen Ruf als Nation der Denker, den Ruf seiner hervorragenden ##Universitäten und Hochschulen. Das darf nicht kaputtgehen. Es ist in diesem Land schon genug aus den Fugen.

Blasting.News: Das klingt jetzt aber schon etwas sehr pathetisch, oder?

Fischer: Wissen Sie, ich habe beim Bund gedient, dann als Beamter und jetzt möchte ich diesem Land, dem ich viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben.

Blasting.News: Falsche Doktoren jagen als Dienst am Vaterland?

Fischer: Wenn Sie es so wollen, ja, ich tue es für Deutschland! Was hat unser Land denn außer seiner Bildung? Öl? Gas? Wir müssen die Bildung, unseren einzigen Schatz, bewahren und hüten. #Plagiate