Code-Gläubige und Skeptiker gehen bitte still weiter, hier gibt es für sie nichts Neues, nichts zu sehen und nichts zu erfahren. Für alle anderen Leser gilt: Kennen Sie den Bibel-Code? Die Idee, dass im Urtext der Heiligen Schrift alle möglichen Ereignisse der Weltgeschichte codiert sind? Oder dachten Sie bisher, das sei nur ein Märchen? Nun, schauen wir uns das Ganze mal an. Im September des Jahres 1994 flog der Journalist Michael Drosnin nach Israel, um den damaligen Ministerpräsidenten Jizchak Rabin zu warnen. Er sah ihn in tödlicher Gefahr! Da er vor Ort an den Ministerpräsidenten nicht herankam, übergab er einem Freund Rabins, dem Schriftsteller Chaim Guri, ein Warnschreiben.

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Darin prophezeite er ein Attentat auf Rabin. Am 4. November 1995 wurde Jizchak Rabin tatsächlich erschossen. Woher wusste Drosnin das? Er sagt: aus der Bibel. Genauer gesagt aus einem versteckten Code in der hebräischen Bibel.

Codes oder Zufall?

Die Idee codierter Botschaften ist nicht neu, sie ist so alt wie die Alphabethisierung der Menschheit. Es scheint uns in den Genen zu liegen, dass wir allerorten Muster und Zeichen vermuten. Es waren jedoch zwei Männer, eben jener Michael Drosnin und Eliyahu Rips (ein Mathematiker mit gutem Ruf), welche die Idee äußerten, im Textkorpus des Alten Testaments könne eine frei definierbare Anzahl von Buchstaben bei der Lesung übersprungen werden, so dass man zu sinnvollen Geheimbotschaften gelangen kann. Auf diese Weise stieß Drosnin auch auf die Buchstabenkombi, die sich auf Hebräisch als "Jitzhak Rabin" und "Mörder der morden wird" lesen ließ und die sich dabei sogar überkreuzte.

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Auch die Attentate des 11. September und viele andere Ereignisse seien auffindbar gewesen.

Guter Grund zu Zweifeln?

Was dann kam, war zu erwarten. Die vereinigte Skeptikergilde schlug zurück. Ihr Argument: in jedem Text fände man solche "Wahrsagungen", der Text müsse nur lang genug sein. So könne man auch Moby Dick oder jeden anderen Roman heranziehen. Mit guter Vernetzung und medialer Macht ausgestattet, mas­sa­k­rie­rten die Berufsskeptiker mit dieser Argumentation sowohl die Idee des Bibelcodes als auch die Reputation des Herrn Drosnin. Die Medien übernahmen diese Deutung ohne Weiteres und Drosnin katapultierte sich dann auch noch selbst weiter hinaus als ins Aus, weil er Bücher nachschob, deren Qualität nur noch im Minusbereich zu verorten war.

Wie in der Tombola?

Es kann natürlich gut sein, dass Drosnins Treffer bezüglich der Prognose der Ermordung Rabins ein reiner Zufall war. Es spricht aber jenseits des Geschreis der Pro- und Contra-Protagonisten einiges dafür, dass es kein bloßer "Sechser im Lotto" war.

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Ebenso haben die Skeptiker vermutlich auch recht, dass in jedem längeren Text solche Botschaften zu finden sind.

Auch in Moby Dick?

Ob Bibel, Moby Dick oder die Apotheken Umschau. Wenn irgendwo brauchbare, intelligente und treffsichere Informationen auftauchen, wo sie keiner absichtlich hineingeschrieben hat, dann ist das keine Widerlegung, sondern spannend. Man sollte sich jedoch hüten, wie Herr Drosnin daraus ein Geschäft zu machen ohne eine Idee zu haben, warum das so ist und was wirklich dahinter steckt. Aber man darf spekulieren. Wie dem auch sei, die Bibel ist heilig genug - mit oder ohne eingebetteten Code. #Esoterik #Bibel Code #Aberglaube