Sein Vater, #Helmut Kohl, war sechzehn lange Jahre Deutschlands Regierungschef und hat als Bundeskanzler dieses Land so sehr geprägt wie kaum ein anderer Mensch. Der ältere Sohn, #Walter Kohl, erlebte die Jahre des Aufstiegs seines Vaters und dessen Position an der Spitze der deutschen Regierung als Heranwachsender. Seine Mutter Hannelore wurde schwer krank und nahm sich das Leben. Im Januar 2011 überraschte er die Öffentlichkeit mit einem Buch unter dem Titel "Leben oder gelebt werden" und wurde dafür beim "Health Media Award" in der Kategorie "Mut zur Courage" ausgezeichnet. Ein zweites Buch ("Leben was du fühlst") erschien 2013. Anlässlich eines Kongresses bei Frankfurt am Main sprach Ende 2015 die Journalistin Christina Wegner mit Walter Kohl.

Werbung
Werbung

Anlässlich des Weihnachtsfestes veröffentlicht Blasting.News - mit freundlicher Genehmigung der Reporterin - die exklusive Originalfassung des Gesprächs als kurzes Dokument eines Mannes, der aus dem Dunkel seiner Jugend den Weg zu sich selbst gefunden hat.

Blasting.News: Vom Kanzlersohn unter voller Kontrolle zum freien und gereiften Mann. So könnte man Ihren Weg in einem Satz zusammenfassen. Wie würden Sie heute #Glück definieren?

Walter Kohl: Es gibt Augenblicke des stimmigen inneren Einklangs, wenn die Dinge einfach zusammenpassen und sich fügen. Das kommt "Glück" schon sehr nahe. Dennoch ist es immer bloß ein Moment, oft auch nur ein kurzer. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich damals glücklich war, wenn ich beim Fußball ein richtig tolles Tor geschossen habe.

Werbung

Oder wenn ich in Mathematik mal keine Vier, sondern eine Zwei bekommen habe. Glück ist immer situationsbezogen, flüchtig. Das sondert es ab von der Lebensfreude, denn das sind zwei verschiedene Dinge.

Blasting.News: Einige sagen, es gäbe Leute, die immer Glück haben und es gibt Unglücksraben. Oder ist man seines Glückes Schmied?

Walter Kohl: Das Wort "immer" passt mir nicht ganz. Man ist in Teilen sicher seines Glückes Schmied, doch bisweilen ist das Leben auch erbarmungslos und mitunter hat man auch einfach mal Pech.

Blasting.News: Sollte man auf sein Glück bewusster achten? Stichwort selektive Wahrnehmung.

Walter Kohl: Ja, Dankbarkeit und Demut gehören zusammen. Demut bedeutet auch, das eigene Anspruchsdenken in einem besonnenen, substanzvollen Rahmen zu halten. Meiner Ansicht nach sind die beglückten Augenblicke des Daseins wie Trittsteine in einem Garten. Das Andenken an sie gibt uns Menschen Energie und ein Lächeln im Inneren. Aber Glück hat noch eine Geltung, die in der Definition des Wortes versteckt ist.

Werbung

Glück stammt vom mittelhochdeutschen "gelücke" ab. "Gelücke" bedeutet "gelingen". Wenn mir also Dinge gelingen, für die ich mich eingesetzt habe, möglicherweise sogar gelitten, dann ist es Glück. Das, was uns einfach so zufällt, ohne Mühe, das Geschenkte also, es stiftet zumeist kein Glück.

Blasting.News: Der glücklichste Moment in Ihrem bisherigen Dasein? Gibt es so etwas? Können Sie ihn uns verraten?

Walter Kohl: Natürlich gab und gibt eine Serie von glücklichen Augenblicken, für die ich dankerfüllt bin: Vater werden, Zeiten echter Intimität, wahrer Liebe. Glücklich sind auch einige geschäftliche Situationen, insbesondere natürlich Erfolge, die einem niemand zugetraut hat. Es gibt bei all dem aber keine Bastelanleitung. Glück hat ein flüchtiges Wesen und ist nicht zu managen oder gar zu steuern.

Blasting.News: Gibt es ein Patentrezept für den Weg zum Glück?

Walter Kohl: Das Faktum, dass es eine so große Nachfrage für Bücher zum Glück gibt, das zeigt ja, dass es ein großes Bedürfnis, eine weitverbreitete Sehnsucht nach Glück gibt. Aber ich bin überzeugt, dass jeder seinen eigenen Weg zum ganz eigenen Glück finden muss. Ratschläge anderer Leute können dennoch helfen und nicht jeder muss das Rad des Lebens neu erfinden. Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht, doch es eine Voraussetzung ist, zu sich selbst zu finden.

Blasting.News: Lieber Herr Kohl, haben Sie herzlichen Dank.

Walter Kohl: Gerne!