Am Amtsgericht Bergisch Gladbach hat das Schöffengericht einen 59-jährigen Maschinenbautechniker zu einem Jahr und sechs Monaten Haft wegen Erwerb, Besitz und Weitergabe von kinderpornografischen Schriften verurteilt. Weil der Mann noch nicht vorbestraft ist, wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Eine der Bewährungsauflagen ist die Zahlung von 1200 Euro an den Verein „Frauen helfen Frauen“.

Eingestellt wurde die Anklage wegen dem #Missbrauch einer „widerstandsunfähigen Person“. Der ehemalige Gruppenleiter in einer Behinderten-Werkstatt sollte eine körperlich und leicht geistig behinderte Mitarbeiterin unter anderem in den Werkstatträumen missbraucht und dieses auch gefilmt haben.

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Selbst bei der „Notdurft-Verrichtung“ soll der verheiratete Angeklagte die junge Frau, laut Staatsanwalt Rudolf Jürgens, fotografiert haben.

Beunruhigender Grenzbereich

Nach der Anklageverlesung wurde zunächst ohne Öffentlichkeit verhandelt. Die sehr kindlich wirkende 28-jährige Zeugin brach im Gerichtsflur nach ihrer Aussage in heftige Tränen aus. Sie soll unter einem großen Loyalitätskonflikt zwischen ihrer Zuneigung zu dem Angeklagten und ihrer Mutter leiden, die diese Beziehung als ausbeuterisch empfinden soll.

Für den Staatsanwalt und das #Gericht ein Grenzbereich und ein „ganz schwieriges Feld“. Staatsanwalt Jürgens brachte es auf den Punkt: „Ein verheirateter Mann, über 30 Jahre älter, mit einer umfassenden Kinderporno-Sammlung, ist wohl kein Schwiegermutter-Typ.“ Dem gegenüber stehe das Recht der behinderten Frau auf ein selbstbestimmtes Leben, einschließlich Liebe und Sexualität.

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An den Angeklagten appellierte der Staatsanwalt in einer Therapie seine Vorliebe für Kinderpornos zu bearbeiten und das Verhältnis zu der jungen Frau zu beenden.

Unfassbares Leid der Opfer von Kinderpornografie

Die Vorsitzende Richterin Birgit Brandes legte als Bewährungszeit drei Jahr fest und warnte den Angeklagten: „Wenn da jetzt was dazu kommt, haben sie 1,5 Jahre vor der Brust.“ Bis zu dem Fall „Edathy“ habe der Angeklagte nach eigenen Aussagen sogar geglaubt, sich mit seiner Kinderporno-Sammlung im rechtlich nicht strafbaren Raum zu bewegen. Die Ansicht, dass der Angeklagte sich nicht selbst an Kindern vergriffen habe, ließ die Richterin nicht gelten: „Es ist unfassbar, was diese Kinder zu erdulden haben, wenn solche Schriften hergestellt werden.“ #Kinderpornografie