Die Evangelien der Bibel und die apokryphen Schriften

In unserem abendländischen Kulturkreis sind die vier Evangelien, die den Hauptteil des Neuen Testaments bilden, sicherlich jedermann bekannt. Von der Existenz weiterer authentischer religiöser Schriften und Evangelien aus frühchristlichen Zeiten wird jedoch nicht häufig berichtet. Die sogenannten apokryphen (griech. „verborgen“) Schriften umfassen eine Fülle von historischen Texten, die nicht in den kirchlichen Kanon aufgenommen, und damit offiziell nicht anerkannt wurden. Diese frühen Texte deuten tatsächlich darauf hin, dass für Jesus Christus und seine Anhänger die Lehre der Wiedergeburt ein grundsätzlicher Glaubenssatz war.

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Doch welche Beweise lassen diese Annahme untermauern?

Ein kurzer Ausflug in die Kirchengeschichte

Eine wichtige Person bzgl. der Vermittlung der Reinkarnationslehre war der Gelehrte und Kirchenvater Origenes von Alexandria (185 - 254 n. Chr.), dessen Grundsätze jedoch von den mächtigen kirchlichen Obrigkeiten schrittweise als ungültig verbannt worden. Der Kirchenoberhaupt Theophiles von Alexandria verschrieb sich bereits im 4. Jahrhundert der systematischen Vernichtung von etwa 2000 Schriften des Origenes - über diese Vernichtungszüge berichtet der antike Kirchengelehrte und Bibelübersetzer Hieronymus (345-420). Beim Konzil von Konstantinopel im Jahre 553 fiel schließlich das endgültige Urteil, gesteuert von machtpolitischen Interessen, die Lehre der Wiedergeburt aus den kanonisierten Schriften rauszulassen.

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Doch sogar in der mageren „Beute“ der vier kirchlich anerkannten Evangelien lassen sich Stellen finden, die eindeutige Hinweise für die Reinkarnationslehre liefern.

Welche Hinweise zur Reinkarnationslehre sind im Neuen Testament auffindbar?

Im historischen Umfeld Jesus` (im Kreise seiner Jünger) war der Boden für die Theorie der Wiedergeburt bereits geebnet, denn die Reinkarnation war und ist ein Bestandteil des jüdischen Glaubens. In diesem Zusammenhang gewinnt der folgende Dialog (Johannes 9) ein klares Verständnis: Angesichts eines blinden Mannes fragen seine Jünger Jesus, „Rabbi, wer ist schuld, dass er blind geboren wurde? Wer hat hier gesündigt, er selbst oder seine Eltern?“

Diesbezüglich gewinnt auch der zentrale Glaubenspunkt des Christentums von Saat und Ernte, Ursache und Wirkung, ein universelleres Verständnis. Ebenso erscheint die moralische Forderung Christus` - liebe deine Nächsten wie dich selbst und verzeihe deinen Feinden - in einer höheren Dimension: Verurteilen wir unsere Mitmenschen nicht zu schnell, wir können ja nicht wissen welche Ursachenketten ihr Handeln bestimmen.

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Ein anderer Hinweis taucht durch die Person Johannes der Täufers sogar an verschiedenen Stellen auf. In Matt.11.12 sagt Jesus: “Und ob ihr es wahrhaben wollt oder nicht: Johannes ist tatsächlich der Prophet Elija, dessen Kommen vorausgesagt war.“ Ebenso deutlich bei Lukas 1.17 verkündet ein Engel Elisabet, der Mutter von Johannes, über ihren Sohn: “Er wird dem Herrn als Bote vorausgehen im gleichen Geist und mit der gleichen Kraft wie der Prophet Elijah.“

Doch auch in der Unterhaltung zwischen Nikodemus und Jesus können wir hellhörig werden. Auf Nikodemus` Frage, wie es möglich sein sollte, dass ein alter, bereits verstorbener Mensch wiedergeboren werden könnte, da es ja unmöglich wäre ein zweitesmal körperlich von seiner Mutter geboren zu werden, antwortet Jesus: „...Von gesitlicher Art kann nur sein, was vom Geist Gottes geboren wird. Wundere dich also nicht, dass ich zu dir sagte: Ìhr müsst alle von neuem geboren werden.`“

Die christliche Lehre und der Reinkarnationsgedanke stehen in keinerlei Wiederspruch. Dieser kurzer Artikel konnte die Thematik nur umreißen. Begeben wir uns daher selbst auf die Suche! Scheuen wir uns nicht, die heilige Schrift aus einer neuen, offenen Perspektive zu betrachten und „wer Ohren hat, soll gut zuhören!“ (Matt.43) Wir werden staunen wie die Kinder, welche neue, spirituelle Zusammenhänge dem neugieregen Leser offenbart werden. #Forschung #Glaube #Kirche