Gestern sprach Blasting.News mit Steven Ernst vom Thinktank SCPS International in New York. Als Berlins Innensenator noch von einem möglichen Unfall sprach, war dem Sicherheitsexperten klar: das ist ein Attentat. Heute sprachen wir erneut mit Steven Ernst über die Lage in #Berlin.

Blasting.News: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Berlin ein?

Ernst: Ich bin besorgt, dass meine Kontakte in den Behörden und bei den Ordnungskräften derzeit kaum einen klaren Überblick zu haben scheinen. Man dachte, der Täter sei gefasst, doch daran mehren sich nun die Zweifel.

Blasting.News: Ist es nicht normal, dass nach solch einem Geschehen erst einmal etwas Konfusion herrscht?

Ernst: Menschlich ja, normal nein.

Werbung
Werbung

Meiner Auffassung nach, ist in Berlin gestern Abend in den kritischen Stunden nicht mit genug Biss gearbeitet worden.

Blasting.News: Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Ernst: Man konnte den Eindruck gewinnen, dass führende Kräfte - weniger im Bereich der Sicherheitsorgane als in der Politik - einfach kein #Attentat haben wollten. Man hat abwartend reagiert, beruhigend, es könne ja auch ein Unfall gewesen sein und dergleichen.

Blasting.News: Man wusste aber doch direkt nach dem Vorfall nicht, was wirklich geschehen war?

Ernst: Schauen Sie, wenn ein LKW in einer Art und Weise wie das auch andernorts schon im Rahmen eines Attentats der Fall war, einmal quer durch einen #Weihnachtsmarkt rast, dann ist es unwahrscheinlich, dass es kein Terroranschlag ist. Natürlich ist das zunächst Spekulation, aber eine berechtigte und notwendige.

Werbung

Wenn sich am Ende alles als Unfall herausstellen würde, dann hätte man eben ein paar Polizisten unnötig Überstunden machen lassen. Aber sie müssen bei solch einem Geschehen sofort zuschlagen, und zwar mit allem, was die Sicherheitsorgane aufzubieten haben.

Blasting.News: Haben Sie den Eindruck, dass das in Berlin nicht der Fall war?

Ernst: Hätten Sie mich im Vorfeld gefragt, ob das Land Berlin und die Sicherheitsorgane des Bundes mit solch einer Lage professionell umgehen können, dann hätte ich das ohne jede Einschränkung bestätigt. Heute sehe ich das ein wenig skeptischer.

Blasting.News: Was genau lässt sie anders denken?

Ernst: Ich habe den unguten Eindruck, dass von politischer Seite nicht ausreichend geführt wird. Es gab nach dem Ereignis ein Zeitfenster, in dem man sehr schnell und sehr hart hätte reagieren müssen. Das ist nach meinem und dem Eindruck meiner Kontakte in Deutschland nicht in ausreichendem Maß geschehen. Ich fürchte, die deutschen Sicherheitsorgane „schwimmen“ derzeit ein wenig.

Werbung

Blasting.News: Was würden Sie jetzt raten?

Ernst: Wachsam bleiben. Mir scheint, das gefühlte Informationsdefizit ist ein reales. Die Organe halten keine Informationen zurück, offenbar gibt es einfach noch kein klares Lagebild. Das ist bedenklich. Ich hoffe, Verantwortliche wie den Berliner Innensenator sieht man heute Abend nicht am Tatort Interviews geben, sondern in einem Situation Room, in dem er seinen Job macht.

Blasting.News: Vielen Dank! Wir bleiben an dem Thema dran.