Was sind die "BRIGHTS"? Ich sprach dazu mit dem ehemaligen sowjetischen Funktionär Dmitri Aslanov (83). Er forschte in der UdSSR zu Einflussgruppen.

Sergej: Mir war der Name "#The Brights" lange unbekannt. Was wissen Sie über diese Gruppe?

Dmitri: Nun, schau, dass es Gruppierungen unter der Wasseroberfläche der Gesellschaft gibt, das ist, mein lieber Junge, keine neue Nachricht. Auch dass sie niemals zweckfrei sind, dürfte selbsterklärlich sein. Seit es Gesellschaften gibt, Staaten, Kirchen, existieren Opponenten gegen das herrschende System. Ich glaube, dass auch in Gesellschaften, die sich als frei bezeichnen, dass es dort ebenfalls einen Rahmen des Erlaubten gibt.

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Er mag weiter sein, unsichtbarer. Aber wer ihn verlässt, tzasch.

Sergej: Tzasch?

Dmitri: Ein elektrischer Schlag! Bis hier hin und nicht weiter.

Sergej: Verbotenes Tun?

Dmitri: Nein. Das Tun fürchten die Beherrscher des Diskurses nicht. Es ist das Denken. Man muss das Denken beherrschen, um das Tun kontrollieren zu können!

Sergej: Verzeihen Sie, aber Sie waren für einen Staat tätig, die UdSSR, der genau dafür bekannt war.

Dmitri: Deswegen, junger Mann, weiss ich, worüber ich spreche. Wir hatten damals einen engeren Rahmen, mag sein. Die westlichen Gesellschaften sind dagegen im Griff von Seilschaften. Das hat einen Grund. Der Mensch neigt dazu, sich in Stämmen zu organisieren.

Sergej: Stämme?

Dmitri: Wie immer und überall. Gesellschaftssysteme sind nur ein Kleid, das sich Stammesgesellschaften überziehen.

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Darunter sind archaische Strukturen. Manche sieht man, weil der Zeitgeist ihnen erlaubt, an die Sonne zu kommen, andere sind konspirativ, weil der Zeitgeist nicht gut zu ihnen ist. Schau Opus Dei an. Einen Stamm in der römischen Kirche, der in der Gegenwart nicht offen agieren darf.

Sergej: Was ist mit den Brights?

Dmitri: Ich mag sie nicht. Wir hatten schon mit unseren ostdeutschen Genossen das Problem dieser Leute auf dem Tisch.

Sergej: Wie bitte? Meinen Sie die DDR? Die Brights gab es damals nicht!

Dmitri: Richtig. Trotzdem! Unsere Berliner Genossen waren typisch deutsch, 150%ig. Sie waren extreme Sozialisten und extreme Atheisten. Da war dieser Otto Prokop, ein Österreicher, die Berliner Genossen liebten ihn. Er konnte frei reisen, es flossen Mittel, damit er den Atheismus nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen verbreitet. Irrsinn!

Sergej: Hatte die DDR nicht andere Sorgen?

Dmitri: Korrekt. Deswegen Irrsinn. Otto Prokop war eine unnötige Last, ein Risiko. Die Genossen in Berlin sahen in ihm dennoch einen Streiter im Sinne des Leninismus.

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Sie waren komplett unbelehrbar.

Sergej: Wie hat man Prokop in Moskau gesehen?

Dmitri: Persona non grata. Ihr würdet ihn heute einen Bright nennen. Dieser Stamm ist in jeder Gesellschaft zu finden. Schon immer, früher als "Illuminaten", in der Bibel "Heiden". Immer Zersetzer. Erstaunlich oft Deutsche.

Sergej: Zersetzer?

Dmitri: Es geht diesen immer um Atheismus. Es sind die alten Heiden, ihre Spur geht zurück bis in das Alttestamentarische. Ihr Götze ist der Naturalismus. Das Zersetzen des Spirituellen, durchtrieben und subversiv.

Sergej: Aber Aufklärung hat doch den Fortschritt gebracht.

Dmitri: Richtig, und auch Lenin ist nicht anzuzweifeln! Zuviel Religion schadet. Doch man verstehe, dass diese Leute, Heiden, Illuminaten, Brights, ein atheistischer Kult sind, eine #Sekte. Gefährlicher als Eure Gruppen wie Science...?

Sergej: Scientology?

Dmitri: Ja, solche kapitalistischen Niemande. Jene, von denen wir sprechen, sie sind eine echte Gefahr für die Menschen, so wie damals für die DDR!

Sergej: Die DDR?

Dmitri: Ja. Von wo ging die Konterrevolution in der DDR aus? Den Kirchen! Wären die Genossen damals nicht fanatisch gewesen, hätten wir Prokop aus dem Verkehr ziehen können, Herrgott, dann gäbe es die DDR vielleicht noch. Man darf dem Menschen seine irrationale Heimat nicht nehmen.

Sergej: Und die heutigen Brights...

Dmitri: ...sind gefährlich. Sucht an den Universitäten nach ihnen, auch bei den Humanisten und Rationalisten. Dort sind ihre Nester. #Skeptiker