Warum hält der #Bundespräsident eigentlich seine Ansprache am ersten Weihnachtstag und welche Bedeutung hat sie? Zunächst einmal ist der Zeitpunkt interessant. Viele andere Staatsoberhäupter halten ebenfalls einmal im Jahr eine Fernsehansprache an die Nation, die meisten jedoch zu Silvester. In Deutschland meldet sich stattdessen der Bundeskanzler mit seinem Neujahrsgruß zu Wort. Warum ist das so? Der Grund ist simpel. Als das Fernsehen populär wurde, so berichten politische Zeitzeugen, ging es um zwei ganz grundsätzliche Fragen: wer hält die Ansprachen an die Nation und wann passiert das? Schnell war man sich einig, dass sowohl der Bundespräsident wie auch der Bundeskanzler zu Wort kommen sollten.

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Denn das Staatsoberhaupt als Aufsichtsratschef der Nation hat andere Themen zu bearbeiten als der Chefmanager des Bundes, also der Kanzler.

Die wundersame Zeitreise des Helmut Kohl!

So einigte man sich also darauf, dass sich der Bundespräsident zu Weihnachten an das Volk wendet, denn bei ihm geht es um das Große und Ganze. Der Bundeskanzler meldet sich dagegen anlässlich des weltlichen Festes Silvester zu Wort, um der Nation zu erklären wo man gerade tagespolitisch steht und wohin es im neuen Jahr gehen soll. Deutschland ist mit dieser Lösung so gut gefahren, dass es zur Tradition wurde. Nur einmal gab es eine richtig böse Panne: Kanzler Helmut Kohl wünschte am 31.12.1986 alles Gute für das kommende Jahr 1986. Was war passiert? Ein etwas verpeilter Fernsehmann hatte das Band mit der Rede des Vorjahres gesendet.

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Kohl soll nach Berichten von damals getobt haben und völlig außer sich gewesen sein. Aber ansonsten ist die Geschichte der Fernsehansprachen eine über Traditionen und pragmatische Lösungen.

Wer schreibt sowas eigentlich?

Damit die Ansprache des Bundespräsidenten rundum perfekt ist und den genau richtigen Ton trifft, keine Missverständnisse aufkommen lässt und elegant Wegmarken setzt, arbeitet für gewöhnlich ein ganzes Team von Beratern und emsigen Schreibern über Tage, manchmal Wochen an der Vorbereitung einer solche Rede. Das Bundespräsidialamt beschäftigt extra hochqualifizierte Mitarbeiter, die dem Bundespräsidenten bei der Vorbereitung seiner Ansprachen assistieren. Im Fall eines Staatsoberhauptes ist dies sehr gut angelegtes Steuergeld, denn jedes falsche Wort könnte gravierende Folgen haben. Sätze wie "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung" (Richard von Weizsäcker), "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen" (Roman Herzog) oder "Der Islam gehört zu Deutschland" (Christian Wulff) sind Beispiele für die immense Kraft der Worte des Bundespräsidenten.

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Da schadet es nichts, wenn er Profis an seiner Seite hat, die ihn unterstützen und beraten.

Live oder nicht?

Um nichts dem Zufall zu überlassen, wird die Rede des Bundespräsidenten meist ein bis drei Tage vor der Ausstrahlung, die immer am 25.12. abends stattfindet, aufgezeichnet. Die Presse bekommt den Text vorab und darf sie, je nach Medium, ab einem bestimmten Zeitpunkt wiedergeben oder darüber berichten. Warum es gestaffelte Sperrfristen gibt, wer wann und wo über die Rede vorab berichten darf, weiß vermutlich kein Mensch. Vermutlich ist auch das einfach eine Tradition und es ist vergebene Mühe, hinter den Grund steigen zu wollen. Dass eine solche Ansprache aber durchaus inhaltlich brisant sein kann, zeigt die Rede dieses Jahres, in welcher der Bundespräsident dem "Weiter so!" der Kanzlerin ein "Moment mal!" entgegensetzt. #Weihnachtsansprache #Neujahrsansprache